Haushalts:ZEN 29 – Nähkästchen

meine Näh:Schachtel 2019

Als untalentierte Näherin besitze ich drei Nähkörbchen. Meine schulische Handarbeitslehre ist schwitzig und kratzig. Umgeschult von meiner begabten linken Hand soll ich mit der „mir falschen“ Hand rechts feine Näh- und Stopfarbeiten zaubern. Die Lehrerin hat ein Einsehen und ich darf 4 Jahre lang – unter beachtlicher Mühe – Topflappen häkeln. Mein Meisterinnenstück ist das Knopf:An:Nähen. Danach kommt lange nichts. Unter dem Deck:Mantel meiner Nähkörbe führe ich ein stilles Nicht:Näherinnen:Leben. Mein Vater schreinert mir einen Zieh:Kasten. Den fülle ich nicht mit Garn und Nadeln, sondern mit Steinen und Federn! In diesem Sommer gestatte ich mir das Entrümpeln der gesamten Näh:Angelegenheit. Ich verabschiede mich mit traurigen Augen von der Idee und Sehnsucht, eine Zauberin mit Stoff und Nadel zu sein. Dem folgen viele Knöpfe, Stoffrestchen, Garnspulen und Reißverschlüsse! Was als ärmer erscheint, ist mir eine große Leichtigkeit.Man kann eben nicht alles im Leben werden und zeitlebens das Werkzeug für eine ungelebte Idee von sich selber mitzuschleppen, zeugt nicht von großer Weisheit. Bei OLA/Wordpress habe ich diesen ganz anderen Blick auf ein Nähkästchen entdeckt:

Simplify-Coach

Konzentration.

Seit knapp 20 Jahren vereinfache ich mein Leben. Begleitete zudem beruflich viele Menschen auf ihren Entrümplungswegen. Dennoch überrascht mich das Thema immer wieder. Ich startete mit dem Satz: „Wenn ich mal 50 Jahre alt bin, will ich nur noch 5000 Dinge besitzen, Besteck einzeln gezählt!“ Im Internet entdecke ich eine „31-Tage:Challenge“, d.h. jeden Tag soviele Dinge wegzugeben wie das Tagesdatum vorgibt. Das ist herrlich naiv. Es ist kein Sport, keine Challenge. Vielmehr ein innerer und äußerer Reinigungsprozess. Da sich die Themen im Laufe des Lebens verändern, wandelt sich auch Motivation und Gestalt des Vereinfachens. Glücklicherweise können wir uns unser Leben nicht 10 Jahre später vorstellen, wir haben keine Vorstellung davon, was alles Neues auf uns zukommt.

Mein heutiges Vereinfachen folgt nicht mehr einer eher sportlichen Idee, sondern ist ein tiefes Bedürfnis, um meine Kräfte zu schonen und mich zu konzentrieren/focussieren. Es ist eine Form der Meditation und einer neuartigen Form der Lebendigkeit. Das gute Lebensgefühl speist sich nicht mehr aus der quantitativen Vielfalt/Fülle, sondern aus dem Vertiefen, der beglückenden Konzentration auf EINS. Dem das nächste EINS folgt. Und noch ein EINS…