himmel:farb:ton

In einem Museum im fernen französischen Hinterland gab es eine Ausstellung. Orte und Namen sind mir längst entfallen. Eine Kunst:Arbeit rührte jedoch tief. Ein Maler malt den Himmel. Tag und Tag. Auf Schieferplatten, die im verfallenen Nachbarhaus zur Genüge herum liegen. Steht man vor den „Farben des Himmels“ ist der erste Eindruck: „wie unrealistisch ist das denn!“

Indem man verweilt, sich Tafel um Tafel zu Gemüte führt, beginnen sich Erinnerungsbilder zu formen. Ja, ein kalter Herbstabend kann rosa sein, der Sommerhimmel an meinem Geburtstag ist vom knalligsten Blau, das die Welt kennt.

Mich rührt die Idee. Mich rührt das Material. Mich rührt das „tagumtag“. Mich rührt es, in den Himmel zu schauen und seine Farbigkeiten zu ergründen und festzuhalten. Mich rührt heute am meisten, dass der Himmel immer da ist.

Fremdeln in Frankreich


Tag 1

stadtplan unlesbar in schriftgröße 2

regenschauer treiben

einheimische und fremde

durch die häuserschluchten

durchwässert sind rucksack und gemüt

abends umgarnen pasta&wein die fremdheit.

Tag 2

am verhandlungstisch sitzen

die angst, die vorurteile,

die abenteuerlust und der mut.

es ist urlaub,

sie finden rasch eine übereinkunft

sich auf kurze zeit

im fremden

zu beheimaten.

wo ist die seelische wasserscheide

von befremdlichbedrohlich und aufregendunvertraut

im alltäglichen leben?

Tag 3

mir fließen in der unbekannten stadt die tränen

beim anblick eines steines

 in der ausstellung von Lee Ufan „die Zeit bewohnen“.

seine welt ist vom ich reduziert

zugunsten von raum und stille.

in der  kühlen weite des nicht:ich:raumes

bin ich unerwartet verbunden und nicht allein.

Streifenkunst

Danke an C., die diese drei Tage an meiner Seite war, um die engen Grenzen der Erkrankung auszutesten und auszudehnen.

vom weg:sein

Weidenkätzchen am Nachmittag

dreit tage abtauchen in eine fremde stadt,

eine fremde sprache, ein fremdes land.

in der fremde wird mir mein fremdsein weniger auffallen,

weil alles fremd ist, nicht nur ich.

vertraut machen mit dem fremden, mich beheimaten auf zeit.

ohne stift und papier, ohne digitale zeichen:setzungen

dafür architektur, kunst, essen und trinken, gespräche und müde füße.

freue mich auf das kleine weg:sein und drei tage still:sein