vom warten

Warte nie bis du Zeit hast

Warten ist existentiell, alltäglich und hoch emotional. Je häufiger ich Erfahrungen mit Unzuverlässigkeit/Mißerfolgen mache, desto weniger vertraue ich darauf, dass sich eine Situation zum Positiven für mich wendet. Je mehr Versprechungen gebrochen wurden/werden, je mehr Enttäuschungen ich erleb(t)e, desto schlechter kann ich warten. Und entwickle die Erwartung/die Angst, nie mehr aus der Situation herauszukommen. Warten bedeutet eine Unterbrechung  im Erleben von Zeit und dem Zeitfluss. Ungeduld entsteht. Vertieft durch die Haltung „Zeit ist Geld“. Wartezeit ist vergeudete Zeit. Ich spüre, wie sehr die Fähigkeit (ruhig) zu warten, mit Vertrauen zu tun hat.

warten… auf den Bus

warten… auf Besserung

warten… auf den Urlaub

warten auf das Grün der Ampel

warten… auf das Essen

warten…auf eine Antwort

warten…auf den download

warten… auf Sonnenschein

warten…auf eine Diagnose

warten… auf ein gutes Wort

warten…auf die Bestellung

warten…auf den Sommer

warten…auf den Kellner

warten… an der Kinokasse

In Afrika sagen die Menschen gerne: ihr Europäer habt die Uhr, wir haben die Zeit! Müßte ich mich heute entscheiden, nähme ich „die Zeit“, auch wenn ich manchmal vor Ungeduld platzen könnte. Nehme mir vor, das Warten mehr anzunehmen, um die dem Warten innewohnende Zeit nicht zu verplempern.Das gute Tun verträgt keine Eile.

Foto: Höhlenmalerei Lascaux, gemalt vor ca. 38.000 Jahren

selbst:kritik


Ein häufiger Irrtum gerade der besten Menschen liegt darin, allzu viel über ihre eigenen Fehler zu brüten und sie auf diese Art zu stärken. Es genügt, wenn ein Fehler erkannt wird… Wer ein Übel erkennt, hat es schon halb geheilt.
Prentice Mulford (1834 – 1891), US-amerikanischer Journalist, Erzieher, Goldgräber und Warenhausbesitzer

Mir will es heute so scheinen, als hätte ich nicht die geringste Ahnung, wo meine Überlastungsgrenzen liegen. Vielleicht, weil sie viel niedriger sind, als ich sie gerne hätte. Vielleicht, weil ich nicht so heldinnenhaft-glorreich bin, wie ich gerne wäre. Vielleicht, weil ich nie gelernt habe, MEINE ganz eigenen Grenzen fühlen und verteidigen zu können.

Selbst:Kritik von der guten Sorte wäre, heute Pause zu machen und hin und wieder hineinzufühlen, was wäre, wenn ich schwächer/ verletzlicher wäre und beginnen würde, dementsprechend zu leben…