Haushalts:ZEN 24 – (bed-)achtsam

„bedachtsam“ hat sich in meine Wörter:Welt geschlichen und ich bin entzückt. Achtsam ist das Modewort der Zeit, bedachtsam wirkt altmodisch und langsam. Woraus/worin besteht der Unterschied, ob ich etwas achtsam oder bedachtsam tue?

Bedächtig nähert sich andächtig, – eine wunderschöne Wortbrücke. Ich kann bedächtig und mit Andacht das Treppenhaus fegen! Mir fällt das Wort „Besonnenheit“ dazu ein. Besonnen – ich lasse die Sonne auf mein Tun scheinen. Dem Verschleiß um das Wort „achtsam“ setze ich schwungvoll meine (be-)sonnen beschienene Bedachtsamkeit entgegen.

Haushalts:ZEN 18- Tassen

Tassen kann ich einkaufstechnisch nicht widerstehen. All´die Farben, all´die Formen, all´die Henkel und Dekore, die Jahreszeiten! Ich liebe es, wenn sich meine Seele in der Tasse spiegelt, weil es genau meine Farbe ist oder genau mein Ornament. Motto:Tassen sind Teil meines spirituellen Wachstums. Obendrauf noch die liebevoll geschenkten Tassen!

Gründe für einen kontinuierlichen Nachschub finde ich immer. Ein selbst auferlegter Tassen:Einkaufs:Stopp wird durch die unabwendbare Notwendigkeit, die Rosentasse zu besitzen, ausgehebelt und unterwandert.

Von fremden Mächten ferngesteuert wird das Regal der Tassen in regelmäßigen Abständen wegen Überfüllung geschlossen. Die Frage, wieviele Tassen ich brauche, bleibt mir unbeantwortbar. Zwei pro Haushaltsmitglied und ein paar Gästetassen, so könnte eine Tassen-Mathematik aussehen.

Mir bleibt die Entrümpelungs:Technik: für ein Neues geht ein Altes raus. Das kann ich umsetzen. Die Sehnsucht nach einer Tasse im genau richtigen Blauton oder dem Sternenmuster, das weihnachtlich verzaubert, nein, daran kann ich nichts ändern. Tassen sind mein tägliches Wunder!

Haushalts:ZEN 10 – die Marmeladen

Haushalts:ZEN

Im Keller türmen sich leckere, selbstgemachte Marmeladen. Es sind (mir) zuviele geworden.

Jedes Jahr gibt es wohlschmeckende frische Früchte. Erdbeeren, Kirschen, Mirabellen und Äpfel. Ich fühle mich in einer Ernte- und Einmach:Pflicht. Im Laufe der Jahre ist das Verhältnis von Ernte und Bedarf aus der Balance geraten. Dieses Jahr koche ich keine Gelees und Konfitüren ein. Ich lebe aus dem Vorrat heraus. Verbrauche das Vorhandene. Das schenkt eine überraschende Freiheit. Es ist genug für alle da. Im nächsten Jahr wird es gute Gründe geben, frisch einzumachen!

Fällt mir nicht leicht, die vertrauten Marmeladen:Wege zu verlassen.

ein:halt


Halt geben können uns in erster Linie jene, die viel von uns halten.
© Ernst Ferstl (*1955), österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker
Quelle: Ferstl, Zwischenrufe, 2000

HALT ist ein ungewöhnlich vielseitiges Wort, über das ich in diesen „verHALTenen“ Tagen nachdenke. HALT als Anweisung zum „inneHALTen“, einander HALT geben in überfordernden Tagen.

DurchHALTeparolen bekommen wir gratis und täglich. HALTende Worte, Umarmungen und Hilfsangebote ebenso. Danke dafür.

AusHALTen scheint die Option der Stunde, ebenso wie durchHALTen und standHALTen. Alles klingt verHALTEN. Unter VorbeHALT werden wir von unserem LebensinHALT und unserem HausHALT gehalten.