36: die Schuld nicht bei anderen suchen

… ist eine Denkweise, die uns Glück und gute Beziehungen schenkt.

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 36

Herrn Masuno „insistiert“ beim Thema Arbeit. Es sei eine unglaublich bereichernde Haltung, jedwede Arbeit mit Hingabe zu machen.

Ich habe ein paar Jahre offene Jugendarbeit gemacht. Als der Zeitpunkt kam, dass ich dachte „wenn ich noch einmal das Wort Liebeskummer oder schlechte Schulnote höre, platze ich!“, habe ich gekündigt. Spürte, dass mir die Geduld und damit die Zuwendung abhanden gekommen waren. Das habe ich niemals bereut.

Es gilt, eine Paradoxie aufzulösen. Wenn ich das in Frage stelle, was ich tue oder zu tun habe, führt es zu keinem guten Ergebnis, zu keinem Erfolg. Wenn ich schon beim Aufstehen denke: „ohje, jetzt muss ich ja noch meditieren!“ verliert die Übung ihren Sinn.

Ich selbst spiele die Hauptrolle bei meiner Arbeit, – das rät Herr Masuno als Denkweise. Das kann alles verändern und ich spüre an mir selber, dass ich manchen Widerstand „weg:atme“ und mich dann freier fühle. Es fehlt mir noch ein wenig an Übung, wenn zuviel auf mich einströmt. Vertraue mal auf die restlichen 64 Kapitel!!!

35: Sich nicht von seiner Umwelt gefangen nehmen lassen

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 35

Der Untertitel ist gewöhnungsbedürftig: „Ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen.“ Auch die Betonung im Zen auf asketische Übungen stößt schnell auf meinen Widerstand.

„Asketisch“ stammt aus dem Griechischen (askētḗs; ἀσκητής) und führt auch die Bedeutung: „wer sich einer Sache befleißigt“.

Lasse ich meine sprachlichen und kulturellen Vorbehalte mal beiseite, kann ich das heutige Kapitel so verstehen, dass es darum geht, jede Arbeit, jede Tätigkeit anzunehmen, sie als eine weitere Möglichkeit zum eigenen Wachstum zu erleben. So wie Nahrung mich nährt und am Leben erhält, kann das „asketische“ Gefühl (mich einer Arbeit zu befleißigen) für alle anliegenden Arbeiten mich spirituell und persönlich nähren. Allmählich versöhne ich mich mit immer mehr Handlungen, die ich bisher als schnöde Arbeit angesehen habe, die es galt, hinter mich zu bringen. Da ist der Weg wirklich nicht mein Ziel gewesen. Ich lerne dazu.

33: Spaß an der Arbeit haben

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 33

Am Sonntag habe ich meiner Schwester noch so schön erklärt, dass es für ihre Freude sei, wenn sie staubsaugt und die Betten neu bezieht. Es sei keine von ihr getrennte blöde Hausarbeit, sondern ein Teil ihres Lebens, der ihr dient. Sie findet das bedingt amüsant und murrt weiter.

Heute lese ich in Kapitel 33 bei Herrn Masuno, dass es unserer Lebensfreude mehr als zuträglich ist, jede Tätigkeit, besonders die monotonen, auch als etwas Einzigartiges zu fühlen. Alles, was ich mit meinem ganzen Sein tue, spiegelt sich auf meine Seele und meine Zufriedenheit zurück.

Die verflixte Pandemie hilft dabei: es gibt keine großen Ablenkungen, keine großen Vergnügungen, keine wohlgefüllten Abende mit geliebten Hobbys. Es gibt dafür das Zurückgeworfensein auf sich selber. Ich nehme den heutigen Gedanken in mich auf und werde bewusst noch respektvoller mit den so genannten einfachen Tätigkeiten umgehen. Das ergibt in Summe ein kleines Gefühl der Sinnhaftigkeit.