Pandemie: Ausflug ohne Einkehr

Bin in einem zeitlichen Rück:Wärts:Sprung. In meiner Kindheit gingen wir als Familie an den Sonntagen spazieren. Im wohlgefüllten Rücksack auf den väterlichen Schultern warteten Schinkenbrote und Limonade (Tritropp im familiären Sprachgebrauch) auf eine gemütliche Vesper.

Eine Einkehr war selten. Ausnahmsweise ein Eis oder eine Limo an einem Büdchen am Fluss.

Die Pandemie:Bedingungen erinnern mich an diese Kindheits:Sonntage. Ist für eine gewisse Zeit nicht das Schlechteste. Wäre jedoch auch sehr bereit zur Einkehr!!!

Pandemie: gute Erinnerung möglich

In all‘ den Sorgen und Beschränkungen erinnere ich mich an das kindliche Glück, als zu Beginn der 1970iger Jahre es „autofreie Sonntage“ gab. Hand in Hand mit den Eltern sind wir über die Bundesstraße spaziert.

In meiner kindlichen Erinnerung waren das goldene Familienstunden. Alle hatten Zeit und blieben an einem Ort. Das ganze Dorf war auf den Beinen, um zu diskutieren, sich über die Massnahme zu ärgern oder das gesellige Ereignis zu genießen.

Ich wünsche mir, dass wir in einer Zukunft auch in der Lage sind, auf diese Tage zurückzublicken und uns daran zu erinnern, dass wir richtig viel Zeit hatten, dass wir wunderbare Momente von gegebener und empfangener Hilfe erleben konnten. Es wäre wunderbar, wenn auch das positiv Aussergewöhnliche in der Erinnerung bliebe.

Pandemie: in Zeitlupe/slow motion

Die Zeit ist gedehnt wie ein zu kurzer Strumpf, den man übers Knie hochziehen möchte.

Ich lasse mir für alles mehr Zeit. Weil ich soviel unverplante Zeit habe.

Diejenigen, die für das Funktionieren unserer Gemeinschaft arbeiten, haben gepresste Zeit. Ungleich verteilt. Glück. Pech. Zufall. Und schlussendlich Schicksal.

Ziehe meine gedehnten Zeitsocken hoch und gehe alleine durch die leeren Straßen walken.

Pandemie: Ostergeschenke

Vor einer hiesigen Gärtnerei stehen Kisten mit Frühlingsblühern. Man kann sich gegen einen entsprechenden Geldschein, der in den Briefkasten zu werfen ist, eine Kiste kaufen.

Ich werde schöne, ab jetzt ausrangierte Kaffee:Tassen bepflanzen und ein paar netten Menschen an Ostern vor die Türe stellen.

Dann fühlt es sich ein bisschen mehr wie Ostern an.🌱💚🥚🐣🐥🌾🌼

Pandemie: Bevorratung

Wieviel Vor:Rat benötige ich, um mich in Sicherheit zu wiegen?

Eine Dose pürierte Tomaten oder 10 Dosen? Was könnte lebensnotwendig werden und was sind persönliche Vor:Lieben? Mich haben die kurzzeitig leeren Regale bei den Haferflocken kalt erwischt. Sehe mein geliebtes Müsli in Gefahr. Nicht mich, nur das Ritual.

Zwischen Vernunft, Verunsicherung und Übertreibung schwanke ich durch die Corona:Tage. Unseren sogenannten Vor:Rat habe ich im Keller in einem Regal „ausgestellt“. Gehe ich am Museum der Dosen und Flocken vorbei, erfüllt mich das mit einem optisch ausgelösten Sicherheitsgefühl. Zwei bis drei Wochen können wir gut leben.

Gehöre zu der Generation der Kriegs:Enkelinnen. Großgezogen von einer Mutter, die während und nach des 2. Welt:Krieges hungerte. Bis zu ihrem Tod „bunkerte“ sie in ihren Taschen Lebensmittel, Schokoriegel, Bonbons und Beruhigungs:Tabletten. Das kann ich mir irgendwann abgewöhnen und mit meinem Haushalts:ZEN lerne ich frei und ohne Vorrat zu hauswirtschaften. Nun ist da eine Pandemie. Und die Vor:Rats:Karten sind neu gemischt.

Mir ist wichtig, Müsli, Milchcafe und Salat zur Verfügung zu haben. Der Rest wird aus Vertrauen und Gemeinschaft zusammengekocht. Möge niemand aufgrund der Pandemie an Hunger leiden.