12: eine Gemüse-Kur ausprobieren

… oder warum hohe PriesterINNEN eine gute Haltung haben.

Kapitel 12, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

Mönche/Nonnen strahlen oft eine Schönheit aus, die auf ihre Art zu sitzen und zu stehen zurückzuführen ist. Bewusst und nach Ritualen zu leben hat ihre Körper geformt. Bei solchen Menschen ist das Innere mit dem Äußeren verbunden.

Unsere Nahrung ist nicht nur für den Körper da, sondern auch für den Geist und die Seele. Die buddhistische Ernährungsweise geht davon aus, dass Gemüse den Menschen beruhigt und dass Fleischessen den Kampfgeist stärkt.

Herr Masuno empfiehlt einen Tag in der Woche nur Gemüse zu essen. Das berührt mich, dass Gemüse zu mehr innerem Frieden führen kann und auch, dass ein Stück gutes Fleisch meine Kampfkraft stärken kann. Somit entscheide ich über den Speiseplan darüber, welche Energie ich stärken möchte.

Heute gibt es bei mir Endiviensalat, Pasta mit Waldpilzen und ein Pflaumencrumble, denn ich brauche einen ruhigen Tag. Das Steak liegt kampffreudig im Kühlschrank bereit!

11: nach jedem Bissen die Stäbchen beiseite legen

Kapitel 11, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

In “fünf Betrachtungen” wird die richtige Art, eine ZEN-Mahlzeit zu sich zu nehmen, festgehalten.

1. ich denke an denjenigen, der/die das Essen zubereitet hat und bin dankbar.

2. ich esse bewusst und leise.

3. ich esse, ohne wählerisch zu sein, mit Ruhe und Zeit.

4. ich betrachte das Essen als eine Wohltat, die Körper und Geist gesund erhält.

5. ich falte die Hände, weil das Essen mir hilft, zu einem friedlichen Menschen zu werden.

Mahlzeiten sind nicht nur da, den Magen zu füllen, sondern sie sind ein wichtiger Teil des praktischen Trainings. Da möchte ich heute gar keine Bemerkungen aus meinem Erleben hinzufügen. Die Regeln sind makellos und zeitlos.

Mir fehlt kulturell jedoch die Geselligkeit. „6. genieße und teile dein Essen“ wäre mein zusätzlicher Beitrag!

10: Mahlzeiten nicht vernachlässigen

Kapitel 10 aus ZEN YOUR LIFE von Shunmyo Masuno

Das kann ich! Ohne Übung! Essen und Trinken mit ganzem Herzen. Eine Selbstläuferinnenübung für mich. Bei meiner Teilnahme an Schweige-Retreats war es bei den ersten zwei Mahlzeiten schwierig auszuhalten, mit dem Salat alleine zu sein. Doch wundersamerweise änderte sich das schnell. Eine Tasse Tee wurde mir zur Freundin. Keramik. Wärme. Duft. Trinken. Schlucken. Spüren. Manchmal ist das im Alltag wieder zu finden. Mit einem wohligen Seufzer auf dem Sofa zu sitzen, alles ist getan und die Tasse Tee in der Hand wärmt und verspricht Einkehr.

Im ZEN geht es noch weiter. Diejenigen Menschen zu würdigen, die die Tasse hergestellt haben, die Hände, die den Tee geerntet haben. Hunderte Menschen waren tätig, so dass ich diesen Moment genießen kann. Ich bin nicht alleine mit meiner Tasse Tee. Mein Leben ist bereichert durch andere Leben. Wenn ich mal wieder zu schnell das Gemüse schäle, atme ich durch und murmele vor mich hin: „Das hast du, Kohlrabi, nicht verdient, dass ich so rastlos schnibbele.“  Das hilft mir sofort. Während der Mahlzeiten halte ich es mit der französischen Esskultur: es wird ausschließlich über das Essen, die Produkte und die Zubereitung gesprochen. Niemals über Probleme oder die Arbeit.

Wünsche allen LeserINNEN bei ihrer nächsten Mahlzeit einen achtsamen, guten Appetit.

9: einmal laut sein

Kapitel 9 aus ZEN YOUR LIFE von Shunmyo Masuno

Wer seine Stimme aus dem Bauch holt, weckt sein Gehirn auf.

Ich sehe die Szenerie bereits vor mir. Es ist 5.37 Uhr. Ich stehe am offenen Fenster, um 2 Minuten nichts zu tun und die Morgenluft zu kosten. Sobald ich damit fertig bin, erhebe ich meine Stimme so laut ich kann: GUTEN MORGEN DU SCHÖNER TAG. ICH GRÜSSE DICH.

Wieder hat Herr Masuno recht, wenn ich meine Stimme erhebe, sie sogar tief aus dem Bauch heraus erschallen lasse, sind Körper und Geist und meine Nachbarschaft wach. Es ist lebendiger und wahrer, wenn etwas laut ausgesprochen wird, als nur im inneren Kämmerlein gedacht zu sein.

Nun, ich scheue ein wenig vor der Übung zurück,  gleichzeitig  lockt sie mich. Morgen werde ich mich und den Tag im Badezimmer, noch bei geschlossenem Fenster mit erhobener Stimme begrüßen. Nie hätte ich gedacht, das ZEN so lustig sein kann.

8: sorgsam schreiben

Dein wahres Selbst zeigt sich in Deiner Handschrift.

Shunmyo Masuno, Kapitel 8, ZEN YOUR LIFE

Seien Sie bitte so höflich, diese beiden Plätze sind reserviert für Menschen im Alter von 70 Jahren und älter.

Nicht ohne Grund gehören wohl die Kalligraphie und das Zeichnen zu den Aufgaben von ZEN-Mönchen/Nonnen. Es geht ihnen nicht darum, etwas für die Ewigkeit zu verfassen oder eitel die eigene Geschicklichkeit zu präsentieren.

Indem ich mit den Händen einen Stift oder Pinsel über das Papier gleiten lassen, stelle ich mich meinem eigenen Selbst gegenüber, kann es mit dem Pinselstrich berühren. Handschrift ist persönlich. Ein Bild ohne Ehrgeiz hergestellt, kann ein tiefes Symbol sein.

Digital geht natürlich schneller. Mandala-App, Diary und Handschriften-Typografien, – alles leicht erhältlich, leicht umsetzbar. Ohne Mühe. Es berührt jedoch nur einen kleinen Teil des Selbst.

Im spürenden Kontakt mit Papier, Wasserfarben oder Bleistift sind alle Sinne beteiligt. Ich sehe. Ich höre. Ich rieche. Ich schmecke. Ich spüre. Zu meinem Glück ist diese Übung in meinem Leben eine Selbstläuferin. Ich schreibe und kritzele jeden Tag. Wer das nicht tut, kann ja heute mal etwas sorgsam aufschreiben. Einkaufszettel, Postkarte oder Tagebuch. Wünsche Freude damit.

7: eine Tasse Kaffee mit Bedacht zubereiten

Wie bringe ich dem Kaffeevollautomat Achtsamkeit bei? In der aktuellen Kaffeewerbung heißt es: straight to the heart of coffee. Direkt ins Herz des Kaffees.

Passe diesen Nonsens in meinen heutigen Zen-Gedanken ein: straight to the heart of me. While drinking a pot of coffee. Ich verändere den Schwerpunkt, es geht nicht um den Café, sondern um mein Herz.

Herr Masuno hat ein anderes Gedanken:Spiel. Stell´Dir vor, Du bist in der Natur. Sammelst Feuerholz. Entzündest ein Feuer. Mahlst die Bohnen in einer handbetriebenen Cafémühle. Erhitzt einen Kessel Wasser. Brühst Dir alles frisch zusammen. Eine Inszenierung kurz vor einer der alten Zigarettenwerbungen!

ZEN weist mich darauf hin, jeden einzelnen Schritt bewusst zu erleben. Jede Bequemlichkeit, z.B. ein Cafévollautomat hat eine Kehrseite. Das Leben entsteht aus dem Zusammenspiel von Zeit und Mühe. Spart man sich Zeit und Mühe, spart man auch immer Lebensfreude. Wow! Das gefällt mir.

Es ist ja gleichgültig, welche Tätigkeit ich  mir ansehe, ich mache viel zu wenig mit An:Dacht, eher als ZackZack! Die Elektrifizierung und Digitalisierung macht das Leben verführerisch bequem, ich möchte auch auf keinen Fall meine Waschmaschine loswerden. Spüre ein ebenso verführerisches Aber. Werde mir gleich eine Tasse Café mit Bedacht zubereiten. Das ist wunderschön.

Shunmyo Masuno, Kapitel 7, ZEN YOUR LIFE

5: Unnötiges wegwerfen

Kapitel 5 ZEN YOUR LIFE von Shunmyo Masuno

Weggeben von Unnötigem ist wie Weinen. Es klärt und reinigt die betrübte Seele. Meine Studienfreundin Barbara konnte immer gut weinen. Sie war wie das Ventil eines Schnellkochtopfes. Das hat sie gesund gehalten.

Weggeben reinigt das Herz und die Seele. Es braucht Platz für das Neue. Mit weniger bin ich beweglicher.

Ich gebe von Herzen gerne weiter. Dieses Kapitel brauche ich nicht einzuüben.

P.S. Während die Übung: „Morgenluft einatmen und nichts tun“ mich sehr herausfordert. Heute morgen war es schlichtweg kalt, der Wind ließ die Straßenlampen tanzen und ich wollte, dass die 70 Sekunden schnell vorbei gehen. Dafür stehen aber meine Schuhe liebevoll sortiert im Flur und im Schrank. Vielleicht reicht es, wenn ich 50% der Übungen in mein Leben hineinnehme??😀

6: den Schreibtisch aufräumen

„Saubermachen poliert die Seele „. Wind in den Mühlen der Ordentlichen, Kampfansage an die ChaotiNNEN. Spiegelt äußeres Durcheinander immer einen Seelenzustand? Oder ist ein gemütliches übervolles Familienhaus (inspiriert von Nanett❤) nicht ein Hort der Geborgenheit?

Es ist Typsache, was nervt. Den Schreibtisch aufzuräumen kann sinnstiftend sein oder eben nicht. Während meiner Studienjahre war mir der überladene Schreibtisch ein Augenschmaus. Er diente mir damit als augenscheinlicher Beweis meines Fleißes…

Heutzutage räume ich einmal in der Woche meinen Schreibtisch ratzeputze leer, bis auf PC und Lampe. Der sichtbare Beweis, dass alles wohl getan ist und ich nun ruhen kann.

Im Zen ist es selbstverständlich, Tag um Tag, mit aller inneren Konzentration die Tempel zu reinigen. Damit zeitgleich den Gemütszustand zu reinigen. Alle, die damit übereinstimmen, können sich freuen. Ein aufgeräumtes Umfeld ist der Schlüssel zu einem ausgeglichenen Geist.

Ich weiß, das mich aufräumen beruhigen kann, wenn ich es als „aufrichtiges Räumen“ spüre, nicht als notwendiger Teil der Hausarbeit. Ist das vielleicht gemeint mit „den Schreibtisch aufräumen „?

Nachtrag: ich koste übend täglich die Morgenluft. Heute hab ich dabei Seifenblasen gepustet. Und schwöre, dabei habe ich an nichts gedacht. Zwei Übungen sinnvoll vereint.

Jetzt höre ich auf zu schreiben und gehe meine Schuhe ordentlich aufstellen. 😁😁😁

4: Schuhe nach dem Ausziehen ordentlich aufreihen…

…“verschönere Dein Leben, denn Unordnung im Geist zeigt sich an den Füßen.“

herausfordernd für barfuss

Bin eine leidenschaftliche Barfuß:Läuferin, habe wenig Schuhe. Ziehe ich Schuhe aus, stelle ich sie gerne auf die Treppe, um sie demnächst wegzuräumen. Ziehe ich Schuhe aus, bin ich ungeduldig und genervt, das soll schnell gehen. Gerne bleiben die Schuhe genau dort liegen, wo ich sie ausgezogen habe, im Flur, unterm Tisch, im Bad. Nicht schön!

Im ZEN gibt es einen Satz: „Betrachte das, was sich unter Deinen Füßen befindet.“ Wer nicht auf seine Füße aufpasst, kann den Überblick verlieren. Eine typische Paradoxie. Es liegt das wundersame Versprechen in der Luft, dass das schöne Aufstellen seiner Schuhe eine Vorbereitung ist, die nächsten Schritte zu gehen.

Das gefällt mir. Als Heldin des Alltags kommt es nicht taff rüber, wenn ich beim nächsten großen Schritt noch unter den Wohnzimmertisch krabbeln muß, um das geeignete Schuhwerk zu suchen. Das ist so garnicht Jane Bond 007!

Diese Woche werde ich tagtäglich meine Schuhe beachten.

2: 15 Minuten früher aufstehen

Schieben.

Zwei Zitate zu Beginn:

„15 Minuten früher aufstehen. Das Rezept gegen unruhige Herzen.“

„Wer zu viel zu tun hat, verliert sein Herz.“

Wie oft fühle ich mich von mir selber gehetzt. Wie oft hängt das gar nicht an den äußeren Engpässen. Indem ich das Gehetztsein denke, wird es noch schlimmer.

Herr Masuno erläutert, dass das japanische Wort für „zuviel zu tun zu haben“ aus den Zeichen „HERZ“ und „VERLIEREN“ besteht.

Das Problem liegt nicht an der fehlenden, überfrachteten Zeit, sondern dass mein Herz zu wenig Raum erhält. Das finde ich eine großartige Verbindung. In gehetzten Momenten und Lebensphasen an die Weite meines Herzraumes zu denken und zu meinem „HERZ“ großzügig und gut zu sein.

15 Minuten früher aufzustehen wird nicht mein Weg sein. Ich werde die Verbindung stabil herstellen, dass die Hetzrei im Zuviel mich an mein Herz denken lassen soll und wird. Durchatmen, etwas in Ruhe trinken. Herzensmomente leben.

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE. Kapitel 2: 15 Minuten früher aufstehen