Pandemie: Beerdigung auf Distanz 🔕

Die erste Beerdigung in der pandemischen Zeit für mich. Anweisungen der Trauer:Familie habe ich erhalten, was gestattet ist und was nicht.

Anstatt „zusammenzustehen“ müssen wir uns vereinzeln. Es wird keine tröstende Umarmung geben. Es wird keinen Kaffee&Kuchen geben, der ins Erinnern und Erzählen fließt.

Ich weiß nicht, was für mich schlimmer ist: hinzugehen oder wegzubleiben. Es ist mir undenkbar, geliebte Menschen nicht berühren zu dürfen, um ihren Schmerz zu mildern…

Pandemie: wohin mit dem Stress?

Heute ist so ein Tag, der mit Gereiztheit startet. Im Laufe der Stunden Genervtsein, Traurigkeit, Wut und Überdruss streift. Heute ist so ein Tag, an dem mentale Selbstkontrolle, Empathie und Höflichkeit nicht gelingen wollen.

Heute wäre so ein Tag, um zum Sport zu gehen, ins Kino und mit FreundINNEN ins Restaurant.

Stattdessen schmore ich im eigenen Saft und bin froh, wenn dieser Tag über Nacht in einen netteren Tag wechselt.

Pandemie: Informations- Enthaltsamkeit

Zeitlebens kann ich nur ein bestimmtes Kontingent an Informationen aufnehmen. Aus dem einfachen Grund, dass ich einige Zeit benötige, Informationen rational und emotional zu bearbeiten.

Die pausenlose Präsenz des Themas der Pandemie in all‘ ihren weltweiten Verästelungen kann ich nicht gut aushalten oder verarbeiten.

Mein tägliches Info:Programm lautet, jeden Tag zwei ausführliche digitale Info:Blöcke. Gesprächs:Momente mit anderen Menschen zum Thema rationalisiere ich ebenfalls.

In den Zwischen:Zeit:Räumen übe ich mich in „VERSENKUNG“. Das zu tun, was ich gerade tue. Blumen gießen. Haare waschen. Mittagessen kochen.

Ausnahmen bestätigen die Regel.

Pandemie: der neue Tag

Entbunden von vielen Strukturen brauchen wir haltgebende Rituale. Mein möglicher Stundenplan für den nächsten Tag.

Frühstück. Vormittags damit beginnen, eine neue Sprache zu lernen oder endlich die Rechtschreibe:Reform zu verstehen.

Mittagessen. Ausgiebiger Spaziergang. Online mit anderen Karten spielen.

Kaffee trinken und mit der Familie skypen. Briefe schreiben.

Abendessen. Spielesammlung und Buchklassiker reaktivieren.

Gut schlafen und optimistisch in den nächsten Tag gehen.

ZEIT 8 – Verlust

„Ich habe Zeit verloren“ – das sagt man so. Weil ich nichts getan habe, das Falsche getan habe, zu lange für das Richtige brauchte?

Ich habe Zeit verloren, wessen Zeit? Meine? Die von anderen? Bloß Arbeits:Zeit oder sogar Lebens: Zeit?

Ich habe Zeit verloren. Bin nicht in Übereinstimmung mit mir, meinen Zielen und Wünschen. Falle in den Spalt hinunter, der diese trennt. Unten im Schacht verliere ich dann wirklich Zeit.

Reha:Schnack – Terminplanung

Sobald in den PatientINNEN:Fächern ein neuer oder geänderter Termin:Plan liegt, setzt ein Weh:Klagen ein. Papier:Verschwendung! Schon wieder fällt was aus! Da ist doch nichts geändert worden!

Mehr genörgelt wird nur beim A:Discounter, wenn sage und schreibe vier Menschen gleichzeitig an der Kasse stehen „müssen“.

Die Forderung nach einer digitalen Terminplanung wird laut. Auch die Klinik hätte das gerne. Noch steht der Datenschutz im Weg.

Und ich denke: wir wollen hier entschleunigen, Zeit haben. Wo ist der Zu:Gewinn, wenn ich schneller eine Information erhalte, für die ich nichts mehr TUN muss. Weder zum Kommunikationspunkt der Postfächer gehen, noch jemanden etwas fragen. Alles, was typisch menschlich ist – Bewegung, Sinneseindrücke und Kommunikation – würde eingeebnet zu einem „digitalen pling“.

Wir sabotieren uns selber.

Kaufen Selbsthilfebücher. Buchen Entspannungs:Seminare und Wellness:Hotels. Rennen dem eigenen Schatten sehnsüchtig hinterher. Doch der schießt nicht schneller als wir selber. Ausser bei Lucky L.

Zudem: ich mag analoge Informationen. Ich mag Papier. 🖌📆🎈

ZEIT 8 – Knappheit

Bei all´den Sprichwörtern und Management:Tools über die Zeit ist mir der Ausdruck „meine Zeit ist knapp bemessen“ am nächsten. Löse ich ihn aus dem ökonomisch-quantitativen Zusammenhang kann mich meine Lebens:Zeit:Knappheit davon überzeugen, lebendig, augenblicklich und furchtlos zu leben. Mir ist bei meiner Geburt nicht anvertraut worden, wieviel Zeit mir zugestanden ist. Ich muss auf volles Risiko leben. Dazu gibt es keine Alternative.

ZEIT 7 – meine Dinge:Uhr

Zwei Mal im Jahr aktiviere ich meine Dinge:Uhr. Ich zähle nicht in Stunden oder Tagen, sondern mit Dingen. Vor jedem Urlaub kommt der Augenblick, an dem ich vor Ungeduld platzen könnte, manchmal Monate vor Urlaubsbeginn, manchmal nur zwei Wochen früher. Dieses Gefühl aktiviert die Dinge:Uhr. Jeden Tag lege ich EINE Sache für die Reise bereit. Unmerklich bis merklich füllt sich eine Ecke im Haus mit Wäsche, Reiseführern und Reise:Kram.

Spätenstens ab November meldet sich die adventlich-weihnachtliche Dinge:Uhr energisch zu Wort. Jeden Tag hänge ich im Treppenhaus eine rote Kugel auf, im Wohnzimmer einen Stern. Je voller alles wird, desto mehr jubiliert meine Seele, die Zeit vergeht sicht:bar in Richtung eines Höhe:Punktes im Jahreskreis.