Reha:Schnack – Hechtsuppe

Die Reinigungs:Kräfte lassen in meinem Flur immer ein Fenster auf Kipp.

Ich atme jedes Mal genießerisch die kühle, klare Luft ein.

Heute morgen höre ich eine Patientin lautstark schimpfen: „Verdammt, hier zieht es immer wie Hecht:Suppe!“

Wie wenig ein realer Sachverhalt von Bedeutung ist und wie absolut das eigene Empfinden sich auswirkt…

Ein Reha:Durchblick gratis!

Und nun weiß ich auch mal, dass dieser Ausdruck aus dem hebräischen kommt, hech supha, übersetzt wird mit „Sturmwind“ und im Sprachgebrauch abgeschliffen wurde.

Reha:Schnack – Gelächter der Regionen

Auch wenn ich kein Fan von regionalen Vorurteilen bin, hier im Reha:Sammelbecken erkennt man manchen Regional:Typus mit Leichtigkeit.

Die RheinländerInnen müssen sich regelrecht körperlich über Witze entladen. Die schwäbische Gruppe ereilen Angstschübe bei jedem Extra, wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt? Die SaarländerINNEN glucken zusammen auf der Suche nach gemeinsamen Verwandten. Die RuhrpöttlerINNEN lassen lautstark das vegetarische Büffet ausfallen und ziehen los, um in der Stadt ein Currywurst:Büdchen zu entern.

Interessanterweise haben die meisten hier mehrere Regional:Heimaten. Herkunft und Elternhaus, Kindheit und Jugend. Berufliche Stationen, Verheiratungen, Familienzeiten, Trennungen und Neuanfänge. Ungebrochen ist hier niemand. Vielleicht glitzert deshalb ein archetypisches Regional:Gelächter durch alle Flure?

Reha:Schnack – nordic walking for beginners

Man kann mich als „am Nordic Walking interessiert“ bezeichnen. Durch einen Terminierungsfehler gerate ich in die Leistungsgruppe. Nach 50 Metern brennt meine Schulter. Die Trainerin ruft umgehend die Gruppe zusammen und verkündet: „Wir haben in dieser Gruppe ein extremes Leistungs:Gefälle. Daher verfahren wir nach dem Springbrunnen-Prinzip. Wer zügig gehen will, kann das gerne tun, behält aber die gesamte Gruppe im Blick und überrundet immer wieder. Ich selber bleibe die ganze Zeit hinten.“

Hinten bedeutet: bei mir. Hätte ich mich bloß abgemeldet, finde es schrecklich, der Bremsklotz zu sein.

Dann erlebe ich mein Privat:Wunder. 90 Minuten rasen wir durch eine Welt, die nur aus Brandung, Sand und Himmelblau besteht. Im vollen Galopp erzählen die Trainerin und ich uns unsere Leben, nach 10 Minuten sind wir per du, nach 60 Minuten planen wir einen gemeinsamen Urlaub.

Zur Sicherheit erwähne ich ein halbes Dutzend mal, ob sie denn vor lauter schnacken noch den Wendepunkt der Tour im Blick habe.

Glühend und verschwitzt, gebadet in Sonnenlicht und Freundschaft lande ich nach 90 Minuten und 8 Kilometern auf den Stufen zum Klinik:Eingang. Gefühlt bin ich die Tages:Heldin. Allerdings reicht mir diese Unikat:Erfahrung. Eine Wiederholung ist mir unerwünscht.

Im gegenseitigen Einvernehmen werde ich auf Walken 2 runtergebucht.

Was für ein großartiger Nachmittag.

Reha:Schnack – mein Funkemarichen

Auf Reha sind sie alle, die Guten, die Doofen, die Stillen und die Nervigen.

Suche mir meine typischen Vorurteils:Typen heraus. Will ja mehr „Freiheit“ für mein Leben. Und Vorurteile machen eng und klein.

Da wäre Arnulf aus Köln-Ehrenfeld ein guter Beginn. Zu laut, zu „witzig“, stets im Heimat:Rudel unterwegs.

Während einer Anwendung suche ich den Kontakt. Und es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

ER: „Meine Frau sagt, ich bin zu dick.“

ICH: „Find‘ ich nicht!“

ER: „Kannst Du mir das schriftlich geben?“

ICH: „Ich male Dir ein Zertifikat.“

Oh, etwas zu verschriftlichen löst in mir eine wonnige Pflicht aus. Kalligraphie:Set rausgepackt und ans Schreiben.

Einen Tag später. Bei der Übergabe des Zertifikat ertrinke ich in einem Meer aus Gelächter und Bützjer.

Der rheinische Arnulf und ich sind jetzt “ echte Fründe“.

Reha:Schnack – Strandtraining

Das Bewegungsangebot für Outdoor staffelt sich nach Leistungsgruppen.

„Strand:Gym“ hört sich nett an.

Doch als ungeübtes Landei habe ich das Gefühl bei „Jugend trainiert für Olympia“ gelandet zu sein.

Jaspernd murmele ich in Richtung Trainerin „hab‘ Hüfte“ und entferne mich rückwärtsgewandt vom Unterricht.

Hinter der ersten Düne gebe ich Fersen:Geld und liefere mir ein gemeinschaftliches Weg:Rennen mit zwei Karnikeln.

Überprüfe meinen Therapie:Plan nach günstigeren Angeboten für mich.

„Tippeln ums Haus!“ oder „Wir reden mal über Strand:Gym!“ gibt es nicht, also heißt mein nächster Termin Nordic Walking 2.0

Das ist bestimmt toll….

Reha:Schnack – Hauptsache warm!

Einführung Nordic Walking. Bei Wind:Stärke 7, also insulanisch ausgelegt eine Flaute.

Als Binnen:Ländlerin gehe ich auf Nummer sicher, will ja nicht frieren. Langärmeliges Shirt, Bluse, Strickjacke, Winterjacke, Schal, Mütze, Handschuhe, Handstulpen. Mein Rucksack ist mit einer Wasserflasche und einem Butterbrot gefüllt. Fertig zum Walken!

Dank der Walking:Stöcke wuchte ich meine Winter:Montur durch die Dünen. Der Wind weht eiskalt durch die Stoffschichten hindurch. Und dann höre ich ihn zum ersten Mal, den Klassiker der Sturmländler.

„Solange das Schaf noch Locken hat, ist kein Sturm“.

Witzig!

„Jenseits von Afrika“ an der Nordsee

Öffne mein Zimmer:Fenster, um den Wind besser zu hören. Kaum habe ich mich umgedreht, werde ich über:schattet. Auf der Fenster:Bank landet eine beeindruckend große Möwe. Selbstsicher und routiniert blickt sie ins Zimmer hinein. Mir ist unwohl im Angesicht ihrer Größe.

Aus den Tiefen meines cineastischen Gehirns steigt die Erinnerung an Meryl Streep in „Jenseits von Afrika“ auf.

„Schu- schu!!!“rufe ich aus. Die Möwe versteht sofort und fliegt zum nächsten Fenster.

Drehe mich suchend nach Robert Redford um.

„Robert?“

Nur der Wind hört meinen Ruf.

Carla Lagerfeld auf Reha

Woll:Kleid, Stiefel und ein wallender Schal. Das bin ich.

Ein kurioser Farb:Fleck in einem Meer aus Jogginghosen, bizarr bedruckten Hoodies und unsäglichen Fuss:Bekleidungen.

Reha: Anweisung – wir erwarten, dass Sie im Speisesaal angemessen gekleidet sind.

Ich will (mich) nicht aufgeben. Verharre in der „Tradition“, wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben an einen Gummi:Zug abgegeben.

Auch wenn ich mich ein Dutzend mal am Tag für die jeweiligen Anwendungen umzuziehen habe. C‘ est moi, CARLA LAGERFELD.

Reha:Schnack – don’t feed the birds

Während der Hausführung erfahre ich alles über die wahren „Gegner“ der Reha. Nicht ich bin es oder der Personal:Mangel. Nein, es sind die Insel:Möwen!

“ Lassen sie niemals ein Fenster geöffnet, sonst ist ihr Hab+Gut schnell weg!“

“ Essen sie Fisch:Brötchen knapp unterm Kinn, auch wenn das bescheuert aussieht.“

„Tragen sie ihre Lese:Brille niemals ins Haar gesteckt, es ist eine Lieblings:Beute der Möwen.“

Also, Augen auf und stets ein Auge auf die fliegenden, räuberischen Heer:Scharen der Lüfte.