Reha:Schnack – Abschied nehmen

Packe drei Taschen.

Die erste Tasche lasse ich hier zurück, Erinnerungen, Schmerzen, zweifelnde Fragen:Stellungen. Alt:Papier & Leer:Gut meines Lebens.

Die zweite Tasche nehme ich mit nach Hause. Erinnerungen, weniger Schmerzen, ein Strauß voller Momente und Berührungen. Ein innerer Schnapp:Schuss mit den großartigen Menschen, die ich während der Reha treffen, erleben und sprechen durfte.

Die dritte Tasche beinhaltet einen Fragen:Sack und ein Ideen:Polster.

Reha: Schnack – Berührungen

Abschiede und Abreisen liegen in der Luft. Die Gesprächs: Momente gewinnen an Eindringlichkeit und Bedeutungs: Tiefe.

Ich fühle mich bewegt von den Gedanken eines anderen Menschen. ich fühle mich berührt von einer Umarmung, mittemang zwischen Brötchen und Kaffee.

Es ist, als würden wir uns rasche kleine Geschenke zuwerfen. Das fühlt sich wesentlich an, mehr als jede neue Handy:Nummer.

Reha:Schnack – neulich am Empfangstresen

Die Rezeptionistin der Klinik schließt Fenster und Türen ihres Arbeits:Platzes. Ein Patient nähert sich mit dem Anfrage:Klassiker. „Ich hab nur eine kurze Frage!“

Mit einem stillen Seufzer nickt die Rezeptionistin.

„Ähm, warum schließen Sie eigentlich so früh? Ich könnte Sie zwar auch morgen danach fragen. Doch wenn Sie jetzt eh Zeit haben: kriege ich bei Ihnen DIN A 3 Umschläge?“

„Schreiiiii!“ entziffere ich den Gesichtsausdruck der geplagten Mitarbeiterin.

Reha:Schnack – mal raus hier!

Und es begab sich zu der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, ich meinen perfekten Tag ohne Klinik mir zusammengestellt habe.

Frühstück in einem Wiener Kaffehaus.

Mittagessen in einem französischen Bistro.

Tee:Zeremonie in einer friesischen Tee:Stube.

Abendessen in einem italienischen Ristorante.

Ausklang in einem irischen Pub.

…so träume ich bei Bohnensuppe und Kuchen:Schnitte still vor mich hin…

Reha:Schnack – Blue Bull meets Waldmeister

(Verfremdung um keine Marken:Webung zu machen. 🥂)

Am Frühstückstisch berichtet der übernächtigte Patient: „Ich bin völlig erledigt. Mein Kumpel hat mir gerade eine Whatsapp geschickt. Der steht heute garnicht auf. Boh, wir waren erst um 4 Uhr im Bett. Als die anfingen, Red Bull mit Jägermeister zu mixen, war es schon zu spät. Boh, ich geh‘ direkt wieder ins Bett.“

Meine innere Oberlehrerin schäumt vor Empörung. Ist die Reha eine Cocktail:Party? Das gesamte Gelände der Klinik ist alkohol- und rauchfrei. Wahrscheinlich hat der Kollege gedacht, wenn Red Bull die Hauptsubstanz ist, zählt die Flasche Jägermeister nicht.

Reha:Schnack – Terminplanung

Sobald in den PatientINNEN:Fächern ein neuer oder geänderter Termin:Plan liegt, setzt ein Weh:Klagen ein. Papier:Verschwendung! Schon wieder fällt was aus! Da ist doch nichts geändert worden!

Mehr genörgelt wird nur beim A:Discounter, wenn sage und schreibe vier Menschen gleichzeitig an der Kasse stehen „müssen“.

Die Forderung nach einer digitalen Terminplanung wird laut. Auch die Klinik hätte das gerne. Noch steht der Datenschutz im Weg.

Und ich denke: wir wollen hier entschleunigen, Zeit haben. Wo ist der Zu:Gewinn, wenn ich schneller eine Information erhalte, für die ich nichts mehr TUN muss. Weder zum Kommunikationspunkt der Postfächer gehen, noch jemanden etwas fragen. Alles, was typisch menschlich ist – Bewegung, Sinneseindrücke und Kommunikation – würde eingeebnet zu einem „digitalen pling“.

Wir sabotieren uns selber.

Kaufen Selbsthilfebücher. Buchen Entspannungs:Seminare und Wellness:Hotels. Rennen dem eigenen Schatten sehnsüchtig hinterher. Doch der schießt nicht schneller als wir selber. Ausser bei Lucky L.

Zudem: ich mag analoge Informationen. Ich mag Papier. 🖌📆🎈