NUR HEUTE: Ausverkauf im Wahrheitengeschäft

Viel zu lange kaufe ich im Geschäft der fremden Wahrheiten ein.

Etiketten, die mich klein machen.

Preise, die mich ausbeuten.

Einkaufstaschen, die mir den Rücken krümmen.

Solange ich im Wahrheiten:Geschäft der Anderen einkaufe, gleichgültig, welche Namen sie tragen (z.B. „Kindheit“, „Kind-Ich“, „Ehepartner“, „Arbeitsplatz“, „Nachbarn“) werde ich stets die gleiche Last nach Hause tragen.

Ist es nicht an der Zeit, mein Ich:Geschäft zu eröffnen? Hier mein Business-Plan:

ein helles, weitläufiges Haus mit Garten in Meeresnähe. Der Laden ist gefüllt mit Zauberprodukten, Seife, Weine, Stoffe, Briefpapier usw. Es gibt eine Käsetheke, eine Lesecouch, eine Cocktail-Bar.

Als Ich-Geschäftsführerin sehen meine Tage so aus:

6.00 Uhr von der Sonne geweckt, Bad im Meer, Frühstück am Stand.

9.00 – 12.00 Uhr präsentiere und verkaufe meine Waren im Ich:Laden

12.00 – 15.00 Uhr Mittagessen und kreative Siesta

15.00 – 18.00 Uhr werkeln, produzieren, schreiben, verhandeln, erbauen

18.00 Uhr zur Blauen Stunde mit anderen einen Sun Downer trinken und sich vom weiteren Verlauf des Abends überraschen und mitnehmen lassen.

22.00 Uhr ich begebe mich zur Nacht:Ruhe.

stress:less

Stelle mir die Frage, ob das Thema „Umgang mit Stress“ in den mittleren Lebensjahren eine andere Qualität hat?

Eine Studie dazu: ja, es gibt mehr Erfahrung im Umgang mit Stress, das ist der Pluspunkt. Es gibt eine Tendenz, dass die Empfindsamkeit gegenüber Stress im Alter zunimmt. Persönlichkeit, Charakter, situative Merkmale etc. bleiben immer individuell mitbestimmende Faktoren. Beachtenswert ist die Dauer von Stress.

Lege ich diese Gedanken als Blau:Pause über meine derzeitige Situation, komme ich zu einem Ergebnis. Zu lange währen die Belastungen, die nicht in meiner Hand liegen. Das „zu lange“ ohne Besserung zermürbt und die bisher gültigen, tragfähigen Entspannungswege greifen nicht mehr.

Stress:less (= weniger Stress) ist noch nicht in Sicht. In einer Woche um diese Zeit sitze ich mit Sicherheit wenig gestresst im Zug, Coffee to go, Zeitschrift und Sonnenstrahlen und interessante Menschen im Abteil! Genauso wird es kommen!


Mehr Stress im Alter? von Dr. Miriam Deppingps

Quelle: http://www.psychologie.uzh.ch/de/bereiche/dev/lifespan/erleben/berichte/stressimalter.html

Tägliche Stressoren sind Ereignisse, die man selbst als Herausforderung, Bedrohung oder potentiellen Verlust wahrnimmt. Solche Ereignisse sind beispielweise angespannte Situationen in Beziehungen oder starke Belastung durch die Arbeit. Wir Menschen unterscheiden uns darin, wie stark sich unsere Stimmung an stressigen Tagen im Vergleich zu wenig stressigen Tagen verschlechtert. Dabei reagieren manche Personen stärker auf Stress und andere weniger. Handelt es sich um eine stabile Persönlichkeitseigenschaft, wie sensibel wir auf stressige Situationen reagieren? Oder werden wir mit dem Alter vielleicht sogar besser darin, mit stressigen Phasen und negativen Ereignissen umzugehen?

In einem Artikel stellen Martin Sliwinsky, David Almeida, Robert Stawski und Joshua Smyth Ergebnisse von zwei Studien dar, in denen Erwachsene wiederholt täglich über ihre Stimmung und ihre Stressbelastung befragt wurden. Durch eine so eng getaktete Befragung können Wissenschaftler herausfinden, wie stark die Stimmung von Personen durch stressige Ereignisse verschlechtert wird. Ob sich diese Eigenschaft zudem im Laufe des Lebens verändert, kann man feststellen, in dem man die gleichen Personen in grösseren Abständen wiederholt befragt.

Genau das haben die Forscher gemacht. In einer Studie haben sie Erwachsene in mittlerem Alter täglich zu Ihrer Stimmung und Belastung durch Stress befragt. Das ganze wurde dann nach 10 Jahren wiederholt. In einer zweiten Studie wurden Erwachsene mit durchschnittlich 80 Jahren alle 6 Monate für einen kurzen Zeitraum täglich befragt.

Die Analysen der Wissenschaftler ergaben, dass die durchschnittliche Reaktion auf Stress mit dem Alter zunimmt. Im hohen Alter scheint also die Empfindsamkeit gegenüber Stress zuzunehmen. Individuelle Besonderheiten darin, wie stark oder schwach Personen reagieren, bleiben stabil über die Zeit. Diese Stabilität wird im mittleren Erwachsenenalter besonders deutlich und nimmt im Alter ein wenig ab. Wie stark Personen auf negative Ereignisse reagieren, ist nicht nur einer Frage der Persönlichkeit. Die Autoren stellten zusätzlich fest, dass Menschen dann stärker auf negative Ereignisse reagieren, wenn sie bereits über einen gewissen Zeitraum belastet wurden.

Dieses Befundmuster verdeutlicht, dass man die anfangs gestellte Frage nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Wie stark wir vom Stress betroffen sind, hängt von einem Zusammenspiel zwischen der Person, der Situation und dem Alter ab.
Quelle: Sliwinski, Almeida, Smyth, & Stawski (2009). Intraindividual Change and Variability in Daily Stress Processes: Findings From Two Measuremenr-Burst Diary Studies. Psychology and Aging, 24, 828-840.




noch einmal!


„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen.“
Aristoteles

einmal ist nichl keinmal – keinmal ist nicht einmal

Heute beginnt die letzte Woche vor der Abreise in die Reha. Erinnert an diese besondere Zeitwahrnehmung vor Weihnachten oder vor Urlauben. Der Moment, ab dem alles nur noch einmal geschieht. Noch einmal Montag! Noch einmal das leckere, selbst gekochte Essen! Noch einmal mit dem Hund durchs Viertel! Noch einmal umarmen! Noch einmal alle Unterlagen überprüfen.

Plötzlich ist es dann „keinmal mehr“ und ich werde im sehr, sehr frühen Zug sitzen, der mich ins Allgäu bringen wird. Und alles wird zu einem neuen „ein:malig“.

vom gesunden

unerwartet lassen sich momentelang permafrost, torfmoore und granitgestein durchdringen. kontakt zu den seelen:bildern entsteht.

rasch den rahmen gerade rücken, die farben ausbessern und kraftvoll die eigene signatur hineinritzen.

solche verbindungszeiten heißen heilung.

Trilogie zu Schuld


  1. Akt

Schuld ist kein Gefühl.

Es ist ein rückwärts gerichtetes Denken.

Die Gefühle dazu tragen andere Namen: Scham, Angst oder Traurigkeit.

Der Weg in die Freiheit ist, den Unterschied zu erspüren und eine Wahl zu treffen.

Entweder die nach Strafe+Sühne lechzenden rückwärts gerichteten Schuldgefühle oder für die eigene Verantwortung inklusive der Konsequenzen und einem furchtfreien Blick nach Vorne.

2. Akt

Lebenskunst entsteht, wenn es nicht um SchuldGEfühleGEdanken geht sondern um verANTWORTung,

wenn die nach ANTWORT sehnende Frage lautet: wie verwandele ich erlebtes Leiden und die innewohnenden Gefühle in etwas Klares & Starkes für mich?

Unrecht und Leid kann mir jederzeit zugefügt werden, ist nicht verhinderbar, nicht löschbar, nicht ignorierbar.

Die Wahl:Freiheit

entsteht in der ruhigen Fragestellung:

was ist mein Anteil?

Was tue ich, damit es besser wird?

Statt stumm-gekränkter Schuldigkeit schicke ich einen munteren Satz los:

„Dafür übernehme ich die Verantwortung“.

Tue ich das nicht, übergebe ich den anderen „meine schöne ICH-Insel“ und schwäche mich

3. Akt

In meinen Gedanken liegt die Freiheit in eine eigene verANTWORTung hineinzuwachsen.

Epilog

Keine Schuld mehr! Neue Fragestellungen! Sichere verANTWORTung!

unbedingt lesen!

Als Linkshänderin ist die rechte Seite, mit Schulter, Arm und Hand stets das mir Aufgezwungene, die Seite der Anpassung, der Behinderung und des Überlebens. Rechts ist kein Teil von „uns“, dem restlichen Körper. Ein missachtetes, grobmotoriges Funktionsglied, das Schwerstarbeit leisten muss. Gestern spüre ich zum ersten Mal, das „rechts“ Hilfe braucht, das es zu mir gehört.

Wie es begann….

Linkshändig in die Welt hineingeboren, in eine Welt des schweigsamen Leugnens um die Existenz der Linkshändigkeit. Schnell ist klar, dass ich alleine und „nicht richtig“ bin.

Umschulung unter großen Schmerzen. Eine Kette von Unzulänglichkeiten die MIR angekreidet wird.

z.B. in der Grundschule – Du hast keine schöne Schrift! – Du hast keine Begabung für Handarbeiten! – Du bist unfähig, ein Instrument zu erlernen!

z.B. zuhause – So macht man das nicht! – Gibt doch endlich das schöne Händchen! – Du kannst nichts richtig!

z.B. auf dem Gymnasium – Dauerdiagnose „Sehnenscheidenentzündung“ ohne dass auffällt, dass es sich wohl um eine Spring-Erkrankung handelt, mal rechts, mal links. Über Monate habe ich wechselseitig eingegipste Handgelenke.

Irgendwann ist´s vollbracht, ich fühle mich von Grund auf falsch, unzulänglich und zu blöd für alles. Niemand, niemand, niemand bringt meine Schwierigkeiten mit der Händigkeitsvergewaltigung in Verbindung. Zu meinem Glück bin ich mit soviel Intelligenz und Kreativität ausgestattet, dass ich die zugefügte, geleugnete Behinderung soweit überwinden kann, dass es ausreicht für Schule, Studium und Jobs.

In meinen 30iger Lebensjahren beginnen die Alpträume von Türen, die ich öffnen muss, aber mich nicht erinnern kann, welche Hand die richtige dafür ist. Wieder zwei einbandagierte Handgelenke. Beginne eine Therapie. Meine Therapeutin lässt sich widerwillig auf das Thema ein, das stockend aus mir heraus bricht. Sie hat Angst, es könne sich um eine Verdrängung meinerseits handeln. Niemand, niemand, niemand weiß etwas über Händigkeit außer einer wackeren Psychologin in München.

Eine „Kolumbus“-Zeit beginnt.

Ich entdecke, dass Vater, Großmutter und Bruder linkshändig sind, es jedoch nicht wahrnehmen.

Ich entdecke, dass die bevorzugte Handnutzung das Symptom einer Gehirnhemisphärendominanz ist.

Ich entdecke, dass fast alles, was mit links verbunden ist, Geschichte, Technik, Sprache usw. negativ belegt ist: zwei linke Hände linkisch Ehefrau zur Linken.

Ich entdecke, dass die materielle Welt auf rechts ausgerichtet ist. Ich bin also nicht zu blöd, um eine Schraube einzudrehen, einen Herd anzumachen oder den Zahlenblock an der PC-Tastatur zu bedienen.

Ich entdecke, dass der Kurs, den ich gebucht habe „linksherum und ungezähmt“ gar nicht um Linkshändigkeit geht, sondern das alle den Walzer linksherum lernen wollen.

Werde sehr, sehr zornig und sehr, sehr traurig. Beginne zu reden, auch wenn ich dabei immer in ungläubige Gesichter zu gucken habe. Stelle meinen Vater zur Rede, gebe Radiointerviews und Seminare, gründe eine Selbsthilfegruppe. Rüste meinen Haushalt linkshändig nach, Lineal, Portemonnaie, Messer, Füller, Korkenzieher, externer Zahlenblock.

Eine Rückschulung auf die ehemals dominante Hand misslingt gründlich, mein Gehirn ist zu beschädigt, revanchiert sich mit massiven sprachlichen Aussetzern. Ich entdecke mit Bestürzung, dass ich zur Anpassung mindestens das Doppelte an Energie aufbringen muss, weil ich in einer mir nicht passenden Welt zurechtzukommen habe. Der Haushalt wird wieder auf „rechts“ zurückgefahren, denn es hat mich maßlos erschöpft, in zwei Welten gleichzeitig zu leben.

Bitterer Rückzug im Wissen, dass ich keine Chance habe, in eine kleine, heile, linke Welt zurückzukehren. Und versuche ein gutes Leben im falschen Leben zu organisieren, mit überkreuzten Armen.

Erlaube mir, meine „Lateralität“ zu leben. Einer Linkshänderin, umgeschult, erfolglos rückgeschult in einer rechtsdominierten Welt, wo nichts auf Anhieb oder bloß mal „einfach“ zu mir passt. Einer Linkshänderin mit einer rechten Dominanz im Gehirn, dort, wo die Bilder wohnen, die ich übersetze, um mich verständlich zu machen.

Und gestern ist etwas sehr Besonderes geschehen. Meine selbstbewusste Identität als Linkshänderin, die beide Hände mittlerweile sehr gut benutzen kann, ist um einen bisher vernachlässigten Aspekt vollendet worden. Die rechte Hand habe ich immer als ungeliebtes Ersatzgliedmaß behandelt, obwohl diese grobmotorige Seite alles mitgetragen hat, sie hat schier Unmögliches gelernt und immer ausgeglichen. Geerntet hat sie dafür bisher Undank und Missachtung. Verstellte Blickwinkel. Das Licht immer auf der Schmach der Behinderung.

Ab heute ist die rechte Hand mit im Team! Verfüge über zwei ausdrucksstarke Hände, die Hand in Hand arbeiten, die beide ihr Schicksal tragen. Mit der Aufhebung von falsch und richtig beende ich den schmerzhaften Lebens:Kampf. Genieße das Glück, zwei „gute“ Hände zu haben.

Dankeschön an Nicole.