Der Ab:Schied wohnt im Herzen

„Irgendwo blüht die Blume des Abschieds  und streut immerfort Blütenstaub, den wir  atmen herüber, und auch noch im  kommendsten Wind atmen wir Abschied.“ Rainer Maria Rilke

Ab:Schiede sind so unterschiedlich wie Gefühlslagen. Ich erlebte einen herzzerreißenden Abschied, der mein Herz zu brechen schien. Vermisste den feierlichen Abschied an der Universität. Manchen Ort und manchen Menschen verabschiedete ich schweren Herzens. In großen Weihnachtsfilmen spüre ich rührende Abschiede und vergieße eine kleine Träne dazu. Ein schwerer letzter Abschied bei Beerdigungen. Förmlich und kurz verabschiedet aus unbehaglichen Lebensmomenten. Der kalte Abschied im Streit, der lange im Herzen klirrt.

Heute habe ich einen besonderen Menschen aus meinem Leben verabschiedet. Es fühlt sich richtig an, der Zeitpunkt stimmt, die beiderseitige Übereinkunft ist vorhanden. Traurigkeit liegt nicht in der Luft. Eher die lebendige Freude über das, was war.

Der Abschied wohnt im Herzen. Da paßt er gut hin. Da hat er es warm.

vor:fühlen und nach:fühlen

Abschied vom Glaubenssatz: „Freu´Dich nicht zu früh!“

Entdecke die schnörkellose, unkomplizierte Welt der Vor:Freude und Nach:Freude. Sich auf einen Ausflug freuen, auf eine Begegnung. Auf Weihnachten und Geburtstag. Von alltäglich bis großartig, die Anlässe sind unterschiedlich. Das Gefühl der Vor:Freude ist ungestört und konzentriert. Es ist ein Gefühl, mit dem ich aufs Beste alleine bin. Es wird nicht durch Ereignisse und Interaktionen verwirbelt. Ein ruhiges Glücksgefühl. Zwei Tage fühle ich diese Vorfreude auf den Besuch meines Bruders. Zwei Tage mit ihm sind voller Lachen und „action!“ Einen weiteren Tag denke ich an ihn zurück, ermattet auf dem Sofa liegend. Die gefühlte Zeit MIT ihm erhöht sich vom Netto auf ein Brutto, in der Summe fünf Tage, die mit Freude angereichert sind.

unter der Hand

Mein Mann glaubt an Weihnachten. Seine Glaube lautet: „Weihnachten beginnt am 24.12.“

Er hat keine Ahnung von meinem Tun und Denken ab Oktober. Unter der Hand dekoriere ich Tag um Tag das Haus weihnachtlich. Im November startet die Produktion von mehreren Adventskalendern. Beim Bummel durch Geschäfte entdecke ich das sogenannte „nur was Kleines“ für Nachbarn, Arbeitsteams, Familienmitglieder und die Vereinsleute. Das kaufe ich sofort, man weiß ja nie…! Mein Kopf ist voller Ideen zum Basteln, Backen und Besorgen. Ich lebe in einer geheimen Parallelwelt zu meinem träumerischen Mann.

überraschend frei

Bereit für eine inspirative Pause!

Der komplizierte Termin des heutigen Morgens ist mir abgesagt worden. Unerwartet stehe ich in inmitten einer köstlichen Leere. Meine Gedanken rasen durch die üblichen Baustellen, – was könnte ich jetzt auf die Schnelle erledigen?

Diese Leer:Stelle im Tag lasse ich leer. Einfach so. Nichts wird schnell erledigt und dazwischen geschoben. In aller Ruhe trinke ich eine zweite Tasse Café…

mich leben

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

in meinen „Nö´s“, während alle anderen „JA!“ rufen?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

durchaus mal müde zu sein, während andere sich zum „iron man/woman“ anmelden?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

die Seelen:Brand:Siegel aus uralten Sätzen für ungültig erklärte?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

ohne fragwürdige Vergleiche anzustellen, die niemand gewinnen kann?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

statt mit einem transparenten, gerne übersehenen Tüchlein um Hilfe zu winken, mal zur Signalflagge greifen würde?

vom weniger

Der alte Metzgerei-Spruch: „Darf´s ein bißchen mehr sein?“ gilt mir heutzutage weniger.

bummelnd durch ein französisches Dorf

Inmitten von Konsumdruck, Ernährung als Religionsersatz, technologischen Quantensprüngen, Zukunftsunsicherheiten und Freizeitstress erschöpfte „Ich´s“.

Darf´s ein bißchen weniger sein?

Weniger to-do und to-be Listen?

Weniger Kontakte, Messages und „ich googel das mal schnell!“?

Weniger Ansprüche, sowohl von innen und außen?

Weniger essen und trinken und konsumieren, nur bis dahin, wieviel man braucht?

Was ist das Gegenteil von viel/zu viel?

Meine Antwort ist heute: …sein

“ Sein“ lassen, durchaus im Sinne von Erich Fromm.

Mehr Dasein, Sosein und Zusammensein