mich leben

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

in meinen „Nö´s“, während alle anderen „JA!“ rufen?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

durchaus mal müde zu sein, während andere sich zum „iron man/woman“ anmelden?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

die Seelen:Brand:Siegel aus uralten Sätzen für ungültig erklärte?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

ohne fragwürdige Vergleiche anzustellen, die niemand gewinnen kann?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

statt mit einem transparenten, gerne übersehenen Tüchlein um Hilfe zu winken, mal zur Signalflagge greifen würde?

vom weniger

Der alte Metzgerei-Spruch: „Darf´s ein bißchen mehr sein?“ gilt mir heutzutage weniger.

bummelnd durch ein französisches Dorf

Inmitten von Konsumdruck, Ernährung als Religionsersatz, technologischen Quantensprüngen, Zukunftsunsicherheiten und Freizeitstress erschöpfte „Ich´s“.

Darf´s ein bißchen weniger sein?

Weniger to-do und to-be Listen?

Weniger Kontakte, Messages und „ich googel das mal schnell!“?

Weniger Ansprüche, sowohl von innen und außen?

Weniger essen und trinken und konsumieren, nur bis dahin, wieviel man braucht?

Was ist das Gegenteil von viel/zu viel?

Meine Antwort ist heute: …sein

“ Sein“ lassen, durchaus im Sinne von Erich Fromm.

Mehr Dasein, Sosein und Zusammensein

vom warten

Warte nie bis du Zeit hast

Warten ist existentiell, alltäglich und hoch emotional. Je häufiger ich Erfahrungen mit Unzuverlässigkeit/Mißerfolgen mache, desto weniger vertraue ich darauf, dass sich eine Situation zum Positiven für mich wendet. Je mehr Versprechungen gebrochen wurden/werden, je mehr Enttäuschungen ich erleb(t)e, desto schlechter kann ich warten. Und entwickle die Erwartung/die Angst, nie mehr aus der Situation herauszukommen. Warten bedeutet eine Unterbrechung  im Erleben von Zeit und dem Zeitfluss. Ungeduld entsteht. Vertieft durch die Haltung „Zeit ist Geld“. Wartezeit ist vergeudete Zeit. Ich spüre, wie sehr die Fähigkeit (ruhig) zu warten, mit Vertrauen zu tun hat.

warten… auf den Bus

warten… auf Besserung

warten… auf den Urlaub

warten auf das Grün der Ampel

warten… auf das Essen

warten…auf eine Antwort

warten…auf den download

warten… auf Sonnenschein

warten…auf eine Diagnose

warten… auf ein gutes Wort

warten…auf die Bestellung

warten…auf den Sommer

warten…auf den Kellner

warten… an der Kinokasse

In Afrika sagen die Menschen gerne: ihr Europäer habt die Uhr, wir haben die Zeit! Müßte ich mich heute entscheiden, nähme ich „die Zeit“, auch wenn ich manchmal vor Ungeduld platzen könnte. Nehme mir vor, das Warten mehr anzunehmen, um die dem Warten innewohnende Zeit nicht zu verplempern.Das gute Tun verträgt keine Eile.

Foto: Höhlenmalerei Lascaux, gemalt vor ca. 38.000 Jahren

noch einmal!


„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen.“
Aristoteles

einmal ist nichl keinmal – keinmal ist nicht einmal

Heute beginnt die letzte Woche vor der Abreise in die Reha. Erinnert an diese besondere Zeitwahrnehmung vor Weihnachten oder vor Urlauben. Der Moment, ab dem alles nur noch einmal geschieht. Noch einmal Montag! Noch einmal das leckere, selbst gekochte Essen! Noch einmal mit dem Hund durchs Viertel! Noch einmal umarmen! Noch einmal alle Unterlagen überprüfen.

Plötzlich ist es dann „keinmal mehr“ und ich werde im sehr, sehr frühen Zug sitzen, der mich ins Allgäu bringen wird. Und alles wird zu einem neuen „ein:malig“.