SchlendrianA


SLENTERN (aus dem niederdeutschen) Wortursprung des Schlenderns: ohne Ziel langsam umhergehen. Alle späteren Deutungen gehen in negative Wertungen, zu langsam, ohne Motivation und Ziel, Trägheit und Nachlässigkeit. Müßiggang gehört in eine vergleichbare Wortfamilie.

Es ist nicht einfach gegen diese Definitionen anzugehen und dem Wort Schönheit und einen guten Sinn zuzuweisen.

Müßig schlendere ich heute durch den Sonnenschein. Egal, wer mich als zu langsam und ineffektiv erachtet. Mir gehört heute die Langsamkeit, bin eine wahrhaft bemüht-übende SchlendrianA (ergänzt um eine weibliche Endung!)

noch einmal!


„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen.“
Aristoteles

einmal ist nichl keinmal – keinmal ist nicht einmal

Heute beginnt die letzte Woche vor der Abreise in die Reha. Erinnert an diese besondere Zeitwahrnehmung vor Weihnachten oder vor Urlauben. Der Moment, ab dem alles nur noch einmal geschieht. Noch einmal Montag! Noch einmal das leckere, selbst gekochte Essen! Noch einmal mit dem Hund durchs Viertel! Noch einmal umarmen! Noch einmal alle Unterlagen überprüfen.

Plötzlich ist es dann „keinmal mehr“ und ich werde im sehr, sehr frühen Zug sitzen, der mich ins Allgäu bringen wird. Und alles wird zu einem neuen „ein:malig“.

ein:halt


Halt geben können uns in erster Linie jene, die viel von uns halten.
© Ernst Ferstl (*1955), österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker
Quelle: Ferstl, Zwischenrufe, 2000

HALT ist ein ungewöhnlich vielseitiges Wort, über das ich in diesen „verHALTenen“ Tagen nachdenke. HALT als Anweisung zum „inneHALTen“, einander HALT geben in überfordernden Tagen.

DurchHALTeparolen bekommen wir gratis und täglich. HALTende Worte, Umarmungen und Hilfsangebote ebenso. Danke dafür.

AusHALTen scheint die Option der Stunde, ebenso wie durchHALTen und standHALTen. Alles klingt verHALTEN. Unter VorbeHALT werden wir von unserem LebensinHALT und unserem HausHALT gehalten.

Fremdeln in Frankreich


Tag 1

stadtplan unlesbar in schriftgröße 2

regenschauer treiben

einheimische und fremde

durch die häuserschluchten

durchwässert sind rucksack und gemüt

abends umgarnen pasta&wein die fremdheit.

Tag 2

am verhandlungstisch sitzen

die angst, die vorurteile,

die abenteuerlust und der mut.

es ist urlaub,

sie finden rasch eine übereinkunft

sich auf kurze zeit

im fremden

zu beheimaten.

wo ist die seelische wasserscheide

von befremdlichbedrohlich und aufregendunvertraut

im alltäglichen leben?

Tag 3

mir fließen in der unbekannten stadt die tränen

beim anblick eines steines

 in der ausstellung von Lee Ufan „die Zeit bewohnen“.

seine welt ist vom ich reduziert

zugunsten von raum und stille.

in der  kühlen weite des nicht:ich:raumes

bin ich unerwartet verbunden und nicht allein.

Streifenkunst

Danke an C., die diese drei Tage an meiner Seite war, um die engen Grenzen der Erkrankung auszutesten und auszudehnen.

Wortdrehereien oder: das habe ich nicht verdient!


Das hast du verdient!

Ja, das habe ich verdient.

Das geschieht dir recht!

Ja, das geschieht mir recht.

Das verdienst du nicht besser!

Ja, das verdiene ich nicht besser.

Das ist deine verdiente Strafe!

Ja, das ist meine verdiente Strafe.

Womit soll ich all´das verdient und verschuldet haben?

Kam doch ohne Schuld zur Welt.

Die großen Menschen suchten sich mich kleinen Menschen aus:

Das Lasten:Lager:Kind.

Verlor immer mehr das Recht

auf meine gefühlten und ausgesprochenen Gefühle.

DAS HABE ICH NICHT VERDIENT!!

1×1 des genauen Fühlens

Zur Auswahl an Gefühlen stehen:

so viele Wörter wie Blätter im See, um gute Gefühle zu erfassen.

heiter aufgekratzt frohgemut ausgelassen gut gelaunt freundlich munter freudestrahlend fidel sonnig lebensfroh wohlgemut frisch beschwingt lebenslustig glücklich belebt obenauf beflügelt stimmungsvoll aufgeräumt lustig quietschvergnügt unterhaltsam gute Laune daseinsfreudig übermütig unbewölkt schelmisch umgänglich ausgeruht unbekümmert schwungvoll puppenlustig energievoll  lebenskräftig aufnahmebereit fit stark  wach dynamisch energisch frech forsch selbstsicher rege vorlaut sorglos sonnig bewusst schattenlos leicht selig zufrieden sorgenfrei fröhlich kurzweilig lebhaft stillvergnügt

Ich wähle:

auf der hellen Seite des Lebens vollen Mutes frei zu leben!