digitale Medizin

Sitze in einer modernen Arztpraxis. Farbkonzept entspricht einem Nobel:Hotel. Schicke Assistentinnen. Lange, weiß getünchte Gänge in mich erschreckender Monotonie. Silbern glänzende Tür:Beschriftungen. Das Labor heißt nun SCIENCE. Das gute alte Wartezimmer findet sich hinter der Tür mit der Aufschrift ZEITRAUM. Papierlosigkeit ist angestrebt. Individuelle Tablets sind auszufüllen.

Sehe mir den einzigen Stör:Faktor an, die PatientINNEN. Wir wirken wie Kaffee:Flecken auf einer guten weissen Sonntagstischdecke.

Reha:Schnack – trübe Tage

Wäre eine Reha keine Reha, hieße sie Urlaub. Insofern gibt es auch die düsteren Stunden, die kein blauer Himmel, keine gute Luft vertreiben kann.

Die Flure ziehen sich schier endlos. Die Menschen wirken fremd. Die Anwendungen schmerzen.

Wenn alle bislang erfolgreichen Massnahmen erfolglos scheinen. Wenn der gesamte Aufenthalt als Irrtum erscheint. Wenn die Tage und Nächte nur durchzustehen statt zu leben sind.

Dann schweigt auch der beste Reha:Schnack.

Bis morgen!

vom Bindungsverlust

Meine Bindung in die Welt ist anfällig für Störungen. Lärm tut nicht wohl. Die meisten Übertreibungen tun nicht gut. Selbst „zuviel des Guten!“ tut nicht wohl. Bedächtig füge ich die (Holz-)Stücke zu einer Verbindung zusammen, einem Tor, einer Leiter, einem Boot und einem Stapel Brennholz. In der neuen Bindung entsteht Schönheit, Nutzen und Halt

mich leben

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

in meinen „Nö´s“, während alle anderen „JA!“ rufen?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

durchaus mal müde zu sein, während andere sich zum „iron man/woman“ anmelden?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

die Seelen:Brand:Siegel aus uralten Sätzen für ungültig erklärte?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

ohne fragwürdige Vergleiche anzustellen, die niemand gewinnen kann?

Was wäre, wenn ich mich leben würde,

statt mit einem transparenten, gerne übersehenen Tüchlein um Hilfe zu winken, mal zur Signalflagge greifen würde?

takt:los

„Takt: ‘Berührung, Tastsinn’ (1. Hälfte 16. Jh.) ‘regelmäßiger, durch eine Berührung ausgelöster Schlag von Uhren’ (2. Hälfte 16. Jh.), ‘Schlag, der den Rhythmus angibt’ (Ende 16. Jh.) „

Quelle: https://www.dwds.de/wb/Takt

neuerdings gerate ich schnell aus dem takt. benötige tage um meine taktung zurückzuholen. fand es mal aufregend, aus dem takt zu geraten. neuerdings ist der eigene takt der absolut notwendige lebens:rhythmus. die beruhigende berührung, der sanfte schlag, der den takt vorgibt und dem ich ruhig folgen kann.

vom Willen

Elfriede Hablé: „Dem stärksten Willen fehlt oft die Kraft, die einer zarten Emotion selbstverständlich ist. “

Ich kann meinen Willen bekommen und jemand anderen den Willen lassen. Mein Wille kann unerschütterlich und schwankend sein. Dank meines guten Willens geht es immer irgendwie, doch manchmal kann ich mir beim besten Willen nicht helfen und es geschehen Dinge gegen meinen Willen. Im Willen steckt Lebensstärke. Vor lauter entschlossenem Willen übergehe ich die Gefühle und muss wider Willen darüber lachen.

ärger:lich

„Bemüh dich nur und sei recht froh,
der Ärger kommt schon sowieso.“
Wilhelm Busch (1832 – 1908)

unerwartet greift der ärger:tiger mich an

hab´ihn nicht kommen sehen, ihn nicht zuvor gehört

ohne vorwarnung wirft er sich gegen meinen bauch

und zieht danach selbstversunken seiner wege

gekrümmt sacke ich zusammen

der abdruck seiner farbe und seiner kraft

wandelt meinen bauch in ein geröll:feld

mühsam atme ich mich ans licht

kratze die farb:spuren ab, streichle über die dellen

komme unsicher auf die füße

schaue ängstlich in alle richtungen des himmels:

ist der ärger:tiger noch in der nähe, kommt er zurück?