Wasser:Farben

sehr viel Gelb

verwässert sind sie

die farben meines lebens

ohne leucht:kraft

und pigment:substanz

vielleicht ist das leben manchmal

nur in einer wässrigen form aushaltbar?

während dem Schreiben dieses Gedankens

streiche ich eine kleine Hausseite.

Bestellt ist die sanfte Mischung „Honig 1“

an der Wand wirkt es wie „Zitrone 1000“

Ob es gefällt ist noch nicht definierbar,

der Farbschock hallt nach.

Darüber lachen kann ich jedenfalls!

vor lauter lauter!

Gut versteckt ist sie, die gestohlene Walnuss im Maul.
Still wird geknackt und verzehrt. Hier ist grad´nichts lauter(er)!!

meine Mutter benutzte gerne den Ausdruck:

„vor lauter lauter…!“

Der Satz ging nicht weiter

wir Kinder wußten dennoch, was gemeint war.

Spüre ich heute dem Ausdruck nach,

entdecke ich das Wort „laut“

sogar gedoppelt, – zweifach LAUT.

Das ist viel. Wendet sich nahtlos ins „zuviel“

und breitet sich in der Überforderung aus.

„Lauter“ steht auch für: glänzend, hell und aufrichtig

Somit kann „lauter lauter“ ebenfalls stehen für:

heller als hell, klarer als klar

ungetrübt und voller Glanz.

wie schön!

aufräumen

seit 2001 entrümpele ich

bin auf allen wellen geschwommen

simplify:fengshui:konmari

im äußeren weniger kram

im inneren weniger altlasten

es entsteht dennoch kein fertig:sein:punkt

„kein ende in sicht“

zugewinn in ordnung und struktur

zugewinn im täglichen „weniger ist mehr“

entlang des zeit:geistes

„offline is the new luxery“

„verzicht muss man sich leisten können“

„weniger fleisch, dafür bessere qualität“

2019-04-22 15-1791161232..jpg

priviligiert und verarmt zugleich

entgegenstemmend und mitschwimmend zugleich

das „online“ & „offline“ einer modernen lebens:spirale

noch einmal!


„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen.“
Aristoteles

einmal ist nichl keinmal – keinmal ist nicht einmal

Heute beginnt die letzte Woche vor der Abreise in die Reha. Erinnert an diese besondere Zeitwahrnehmung vor Weihnachten oder vor Urlauben. Der Moment, ab dem alles nur noch einmal geschieht. Noch einmal Montag! Noch einmal das leckere, selbst gekochte Essen! Noch einmal mit dem Hund durchs Viertel! Noch einmal umarmen! Noch einmal alle Unterlagen überprüfen.

Plötzlich ist es dann „keinmal mehr“ und ich werde im sehr, sehr frühen Zug sitzen, der mich ins Allgäu bringen wird. Und alles wird zu einem neuen „ein:malig“.

selbst:kritik


Ein häufiger Irrtum gerade der besten Menschen liegt darin, allzu viel über ihre eigenen Fehler zu brüten und sie auf diese Art zu stärken. Es genügt, wenn ein Fehler erkannt wird… Wer ein Übel erkennt, hat es schon halb geheilt.
Prentice Mulford (1834 – 1891), US-amerikanischer Journalist, Erzieher, Goldgräber und Warenhausbesitzer

Mir will es heute so scheinen, als hätte ich nicht die geringste Ahnung, wo meine Überlastungsgrenzen liegen. Vielleicht, weil sie viel niedriger sind, als ich sie gerne hätte. Vielleicht, weil ich nicht so heldinnenhaft-glorreich bin, wie ich gerne wäre. Vielleicht, weil ich nie gelernt habe, MEINE ganz eigenen Grenzen fühlen und verteidigen zu können.

Selbst:Kritik von der guten Sorte wäre, heute Pause zu machen und hin und wieder hineinzufühlen, was wäre, wenn ich schwächer/ verletzlicher wäre und beginnen würde, dementsprechend zu leben…

unbedingt lesen!

Als Linkshänderin ist die rechte Seite, mit Schulter, Arm und Hand stets das mir Aufgezwungene, die Seite der Anpassung, der Behinderung und des Überlebens. Rechts ist kein Teil von „uns“, dem restlichen Körper. Ein missachtetes, grobmotoriges Funktionsglied, das Schwerstarbeit leisten muss. Gestern spüre ich zum ersten Mal, das „rechts“ Hilfe braucht, das es zu mir gehört.

Wie es begann….

Linkshändig in die Welt hineingeboren, in eine Welt des schweigsamen Leugnens um die Existenz der Linkshändigkeit. Schnell ist klar, dass ich alleine und „nicht richtig“ bin.

Umschulung unter großen Schmerzen. Eine Kette von Unzulänglichkeiten die MIR angekreidet wird.

z.B. in der Grundschule – Du hast keine schöne Schrift! – Du hast keine Begabung für Handarbeiten! – Du bist unfähig, ein Instrument zu erlernen!

z.B. zuhause – So macht man das nicht! – Gibt doch endlich das schöne Händchen! – Du kannst nichts richtig!

z.B. auf dem Gymnasium – Dauerdiagnose „Sehnenscheidenentzündung“ ohne dass auffällt, dass es sich wohl um eine Spring-Erkrankung handelt, mal rechts, mal links. Über Monate habe ich wechselseitig eingegipste Handgelenke.

Irgendwann ist´s vollbracht, ich fühle mich von Grund auf falsch, unzulänglich und zu blöd für alles. Niemand, niemand, niemand bringt meine Schwierigkeiten mit der Händigkeitsvergewaltigung in Verbindung. Zu meinem Glück bin ich mit soviel Intelligenz und Kreativität ausgestattet, dass ich die zugefügte, geleugnete Behinderung soweit überwinden kann, dass es ausreicht für Schule, Studium und Jobs.

In meinen 30iger Lebensjahren beginnen die Alpträume von Türen, die ich öffnen muss, aber mich nicht erinnern kann, welche Hand die richtige dafür ist. Wieder zwei einbandagierte Handgelenke. Beginne eine Therapie. Meine Therapeutin lässt sich widerwillig auf das Thema ein, das stockend aus mir heraus bricht. Sie hat Angst, es könne sich um eine Verdrängung meinerseits handeln. Niemand, niemand, niemand weiß etwas über Händigkeit außer einer wackeren Psychologin in München.

Eine „Kolumbus“-Zeit beginnt.

Ich entdecke, dass Vater, Großmutter und Bruder linkshändig sind, es jedoch nicht wahrnehmen.

Ich entdecke, dass die bevorzugte Handnutzung das Symptom einer Gehirnhemisphärendominanz ist.

Ich entdecke, dass fast alles, was mit links verbunden ist, Geschichte, Technik, Sprache usw. negativ belegt ist: zwei linke Hände linkisch Ehefrau zur Linken.

Ich entdecke, dass die materielle Welt auf rechts ausgerichtet ist. Ich bin also nicht zu blöd, um eine Schraube einzudrehen, einen Herd anzumachen oder den Zahlenblock an der PC-Tastatur zu bedienen.

Ich entdecke, dass der Kurs, den ich gebucht habe „linksherum und ungezähmt“ gar nicht um Linkshändigkeit geht, sondern das alle den Walzer linksherum lernen wollen.

Werde sehr, sehr zornig und sehr, sehr traurig. Beginne zu reden, auch wenn ich dabei immer in ungläubige Gesichter zu gucken habe. Stelle meinen Vater zur Rede, gebe Radiointerviews und Seminare, gründe eine Selbsthilfegruppe. Rüste meinen Haushalt linkshändig nach, Lineal, Portemonnaie, Messer, Füller, Korkenzieher, externer Zahlenblock.

Eine Rückschulung auf die ehemals dominante Hand misslingt gründlich, mein Gehirn ist zu beschädigt, revanchiert sich mit massiven sprachlichen Aussetzern. Ich entdecke mit Bestürzung, dass ich zur Anpassung mindestens das Doppelte an Energie aufbringen muss, weil ich in einer mir nicht passenden Welt zurechtzukommen habe. Der Haushalt wird wieder auf „rechts“ zurückgefahren, denn es hat mich maßlos erschöpft, in zwei Welten gleichzeitig zu leben.

Bitterer Rückzug im Wissen, dass ich keine Chance habe, in eine kleine, heile, linke Welt zurückzukehren. Und versuche ein gutes Leben im falschen Leben zu organisieren, mit überkreuzten Armen.

Erlaube mir, meine „Lateralität“ zu leben. Einer Linkshänderin, umgeschult, erfolglos rückgeschult in einer rechtsdominierten Welt, wo nichts auf Anhieb oder bloß mal „einfach“ zu mir passt. Einer Linkshänderin mit einer rechten Dominanz im Gehirn, dort, wo die Bilder wohnen, die ich übersetze, um mich verständlich zu machen.

Und gestern ist etwas sehr Besonderes geschehen. Meine selbstbewusste Identität als Linkshänderin, die beide Hände mittlerweile sehr gut benutzen kann, ist um einen bisher vernachlässigten Aspekt vollendet worden. Die rechte Hand habe ich immer als ungeliebtes Ersatzgliedmaß behandelt, obwohl diese grobmotorige Seite alles mitgetragen hat, sie hat schier Unmögliches gelernt und immer ausgeglichen. Geerntet hat sie dafür bisher Undank und Missachtung. Verstellte Blickwinkel. Das Licht immer auf der Schmach der Behinderung.

Ab heute ist die rechte Hand mit im Team! Verfüge über zwei ausdrucksstarke Hände, die Hand in Hand arbeiten, die beide ihr Schicksal tragen. Mit der Aufhebung von falsch und richtig beende ich den schmerzhaften Lebens:Kampf. Genieße das Glück, zwei „gute“ Hände zu haben.

Dankeschön an Nicole.

Von „Gewissens-„ Kobolden

Zum Glück bin ich nicht gewissenlos!

Die moralischen Bausteine aus Kindheit & Kulturkreis  leiten mich gut.

Bloß,..

meine persönlichen Haus-Kobolde

Ein kindlicher Kodex-Kobold treibt sein Unwesen, jagt genüsslich die Gewissheiten davon und verteilt Gewissens:Bisse.

Fatale Kopplungen aus Verhalten+Strafen, entkräftigenden Glaubenssätzen

 mit dem Sahnehäubchen „schlechtes Gewissen“ zur Selbstbestrafung.

Stelle mich dem Kobold entgegen und mache ihm eine Ansage:

„ich habe eine klare ethische Kraftquelle und es ist aufregend, mich gewissenhaft zu verhalten. Du darfst gerne wild und neckisch sein, aber mit den Gewissensbissen hörst du ab sofort auf!“

mir scheint, ich hörte ein schelmisches JA!!!!!!!!

Die zartbittere Schönheit des Aufgebens

ich habe z.B. meinen Internetshop aufgegeben,
der außer wilder Kreativität nicht einen Cent einbrachte.

Höre ich länger hin, wird aus einem resignierten „ich gebe auf!“

eine Einladung in das Neu:Denk:Land.

Gebe einen schönen Brief auf und eine schlechte Gewohnheit noch dazu!

Das Aufgeben von etwas

schenkt Verzicht auf sinnlose Haltungen

und Abstand zu Hamsterradgedanken.

Nachdem ich heute endlich einen quälenden Gedanken aufgegeben habe

geb´ ich ein Inserat auf: „ich geb´ auf und pfeif´drauf!“

und gehe meiner Wege.