vom telefonieren

vom telefonieren

Es scheint mir wie gestern, dass ich eine Lang:Telefoniererin gewesen bin. Mit Schulfreundinnen, mit dem Freund. Ohne Anlass, selten zum Abstimmen von irgendwas. In der Jugendzeit ist das Telefon ein heißbegehrter Zugang zur Welt. Während des Studiums ziehen sich 20 Meter verwickelte Telefonkabel durch die Wohnungen. Der Übergang zu ISDN entwickelt sich zur Geheimwissenschaft und die Telekom ist plötzlich ein Rad:Renn:Sponor. Heute klingelt das Telefon nur noch selten, es ist ein Alte:Leute:Apparat geworden. Dafür brummt und vibriert das Handy 24 Stunden lang. Telefonieren ist zu einer Art Dauer:Zustand geworden. Vom Zankapfel und Luxusobjekt hat es sich gewandelt zu einer Direktleitung mit sämlichen eingegebenen Kontakten. In jedem Augen:Blick können sämtliche mit mir verkontakteten Leben, gleichgültig welche Bedeutung sie haben, in mein Leben hineinklingeln. Sobald das Display sichtbar ist und die kleinen Zahlen an den Messanger:Diensten hängen, ist der Ein:Bruch in meine Sphäre bereits geschehen. Sie rufen mir zu: „Wichtig! Lesen! Ich warte!“ Als würde ich bei der Serie Star:Trek/Enterprise auf die technologische Spezies „die Borg“ treffen, die einen begrüßen mit: „Widerstand ist zwecklos! Sie werden assimiliert!“

trauer:gewöhnung

beim täglichen blick auf die weite des meeres fehlt mir mein hund. in jedem tier sehe ich sie. im entspannten retriever, der im weg liegt und döst. in der art, wie die see:hunde ins wasser springen. an der art, wie die schafe auf der deich:krone unermüdlich fressen. in der art, wie die kühe sich niederlegen. gestern habe ich das endlich verstanden. es ist keine übersteigerte verlust:reaktion. das, was ich in all diesen verschiedenen tieren „wieder“:erkenne, ist das universelle, das, was alle lebe:wesen verbindet und das, was ich in meiner liebe zu meinem hund (er-)lebte.

zum ersten mal, seit dem tod meines hundes im april, kann ich den verlust etwas besser ertragen.

Kupfer:Geld

Klein:Geld:Dose

Die Großmutter sammelte akribisch Kupfer:Geld. Vielleicht für meinen Braut:Schuh? Eher wohl, um in harten Zeiten etwas an Wert zu besitzen, dass sich eintauschen läßt.

Wir Kinder durften mit den Münzen spielen. Stapeln, sortieren und Muster legen. Es war, als besäße die Großmutter Aladdin´s Schatzkiste. Bis vor kurzem habe ich ebenfalls Kleingeld gesammelt, bis meine Bank mir mitteilte, dass sie keine Bar:Einreichungen mehr annähme. Das Klein:Geld selber zu rollen ist mir zuviel Aufwand. Somit wird eine generationenübergreifende, in Maßen sinnvolle Sammeltätigkeit, unterbrochen. Schade.

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/muenzgeld-deutschland-hortet-kupferschmarrn-1.3695743