Hunde:Sachen

Nach dem Tod des Hundes

sind die Tage des Wegräumens gekommen.

Nie hätte ich erwartet,

wieviele kleine Dinge

sich über Haus und Hof erstrecken.

Ihre Hundekörbe und Näpfe, klar!

Stöckchen, Frisbee und Wurfschleudern, okay!

Unerwartet ist,

dass neben diesen klassischen Attributen

ihr „Hunde:Wohnen“ so menschenähnlich ist.

Küche: Näpfe und Futter. Im Kühlschrank „ihr“ Quark.

Badezimmer: Allergie-Shampoo und Hundehandtücher.

Garderobe: Leine und Vorrat an K-Beuteln.

Wohnzimmer: Schlafkorb und ihr Schmusetier.

Medizinschrank: Zeckenmittel, in die Jahre gekommene Medikamente.

Speicher: „Hunde:Reise:Tasche“

Auto: Korb, Decken, Wasserflasche, Leckerli:Dose, Leine, K:Beutel.

Keller: Vorräte an Nass- und Trockenfutter.

Tief berühren die alltäglichen Fundstücke:

sie durfte immer die Quarkschachteln auslecken.

Davon liegt noch eine unter dem Sofa.

Bringe es nicht übers Herz das wegzuräumen.

Hinter den Koffern auf dem Speicher befindet sich der Schutzkragen.

Mir war klar, dass der Hund kameradschaftlich mit im Haus lebt.

Das sie jedoch in den alltäglichen Dingen mit uns so ähnlich verbunden war,

ist erst im Wegräumen so spürbar.

Es ist wie ein Auszug.

Der Hund wohnt nicht mehr hier.

Lebens:Zeiten:Wechsel

Lebenszeiten des Ausatmens

Weichenstellungen auf Wachstum und Veränderung.

Lebenszeiten des Einatmens

Weichenstellungen auf Besitzstand:Bewahrung.

Lebenszeiten des Hyperventilierens

Weichenstellungen auf Unruhe und Unsicherheit.

Lebenszeiten des Durchatmens

Weichenstellungen auf Lebensfreude und Beruhigung.

Lebenszeiten des Aufatmens

Weichenstellungen auf Lösung und Loslassen.

Die Ausnahme von der Regel:

manchmal passiert alles zeitgleich und durcheinander.

und jetzt?

hin und wieder

gehen selbst mir

die Ideen aus

gibt es keine Lösungs:Bilder

keine Meilen:Steine der messbaren Ziele.

Die Kombination aus Innen:Druck, Entscheidungs:Anforderungen

und Options:Verlust mündet in einer beachtlichen Leere

rund um die Frage: und jetzt?

Kein Nach:Hall, kein Ideen:Echo, keine Resonanz im Seelen:Körper.

Bleibt nur, es im ersten Schritt aus-zu-halten.

selbst:bilder

übersetze ich meine erlebens:welt in ein bild, sieht es so aus:

ein geschulterter rucksack, aus dem heraus ich eine woche in den bergen ausreichend auskommen könnte.

an einem seil ziehe ich ein haus, ein karussell und einen bollerwagen mit.

in den händen halte ich handtaschen gefüllt mit wackersteinen.

da frage ich mich, wieso ich nicht täglich mein leben tanze?

vom geht nicht

nicht alles geht

nicht alle gehen

manches geht vorbei

einiges geht gar nicht

heute geht bei mir nix!

die Höhe der Stufen geht nicht.

die Kälte geht nicht.

Vor die Tür zu gehen, geht nicht.

Wohin gehe ich? Wie gehe ich? Mit wem gehe ich? Gehen oder bleiben?

Ein bulgarisches Sprichwort: „gehen lernt man durch stolpern“.

vom vermeintlichen Ernst

Unerwartet schnell und uneingeladen steht, begleitet von kleinen Paukenschlägen, der vermeintliche Ernst vor meinem Lebens:Haus. Im Rheinland lautet der Karnevalsruf: „wolle mer inn rinnlasse?“

Was verbirgt sich hier?

Lausche dem Wortfundstück „vermeintlich“ nach.

Enthülle einen Schein:Riesen (es ist nicht Tur Tur von der Augsburger Puppenkiste!),

der sich in eine Adjektiv: Schlange verwickelt hat.

Mutmaßlich/scheinbar/irreführend/fälschlicherweise/angeblich/irrtümlich annehmend/falsch gedacht.

Wenn man von einer fälschlichen Annahme ausgeht, seine Gedankenwelt darauf ausrichtet, eine Schein:Riesen:Wahrheit kreiert, erst dann steht der vermeintliche Ernst vor der Türe.

Ich öffne ihm nicht! Auch wenn mir die Paukenschläge Angst machen!

Der wirkliche „Ernst“ wohnt IM Haus und ist mein eigenes Leben, das ich ernst nehme.

vom kleinen Grenzverkehr

tagtäglich

werden meine Grenzen überschritten.

von mir selber und von anderen.

werde angerempelt und umarmt.

erzähle eine Witz auf Kosten eines anderen

der Dauerregen bildet eine Grenze zum Spaziergeh:Wunsch

meine Tagesenergie ist begrenzt

und es nicht förderlich, sie zu oft zu überschreiten.

Täglich begrenzt und frei zugleich.

Mal im Guten, mal im Verletzenden.

Der kleine Grenzverkehr im Alltag.

Zwischen „uff“ , „ach“ und „ja!!!!“.

still im Lärm

Die Stille der Zeit im Allgäu endet nun.

Familie. Muttertag. Stadt/Land/Fluss. FreundINNEN. Wahlbenachrichtigung. Spülmaschine kaputt. Geburtstage. Unkraut jäten. Wäsche waschen. Einkaufen. Arbeitsplatz. Mülltonnen.Strassenverkehr & Tanken. Schreibtisch. Anträge & Formulare…

Mitendrin im ‚Alten“ ein saniertes ICH, das sich ein wenig fürchtet, im Lärm verloren zu gehen. Zum Glück gibt es auch dafür ein Mantra: ICH KANN JEDERZEIT EINEN SPAZIERGANG MACHEN.

das stillste Dorf Frankreichs, das Auto wird einmal in der Woche bewegt, am Markttag.