der Weg des Koffers

Nächste Woche fahre ich an die See. Meine Koffer werden in drei Tagen abgeholt. Mein Zimmer leert sich. Lieblings:Stücke aus dem Kleider:Schrank liegen gefaltet bereit. Das spannendste Buch habe ich geschlossen, um auf der 10stündigen Reise ein Lese:Abenteuer zu genießen. Der Weg des Koffers ist im ersten Drittel ein Abschluss im alltäglichen Leben. Im zweiten Drittel geht er auf Reisen und schenkt mir in der Fremde Heimat. Im letzten Drittel bringen ihn die freundlichen Götterboten zurück. Beim Auspacken vermischen sich neue Erfahrungen, Sand und frisch beschriebene Blätter zu einem gefühlten Anfang, einer Symbiose aus Ferne und Zuhause. Der Koffer ist auf dieser Reise das Transport:Medium für Dinge und Gefühle.

Advent 8 – Der Glanz in den Augen der Mutter

Habe ich einen Glanz in die Augen meiner Mutter zaubern können? Ausser, dass ich laufen gelernt habe und in der Konditorei zwei Stunden still sitzen konnte?

Habe ich einen Glanz in die Augen meiner Mutter zaubern können? Wenn ja, hat sie das gut vor mir verborgen! Ich hätte ja über:mütig und hoch:mütig werden können!

Da hat sie an der falschen Stelle gespart und mir eher Mut:losigkeit mitgegeben.

Hat meine Mutter Glanz in meine Augen zaubern können? Ich fand sie toll, mit ein paar Jahren gegenteiliger Haltungen und Abwesenheiten meinerseits.

Sie ist früh gestorben. Am letzten aller Betten führe ich lange, lautlose Gespräch mit ihr. Ich vergebe ihr und sie vergibt mir. En kleiner goldener Glanz liegt auf diesen letzten Stunden. Der liegt seitdem auch auf meiner Seele.

auf Papier geschrieben

mein erster post, nun geschrieben auf Papier

Finde gestern das perfekte Notizbuch. Seit Beginn meiner Schreibarbeit „diamant:wörter“ suche ich nach einem schönen Weg, meinen Wörter auch analog einen Rahmen zu geben. Notizbücher, Vorschreib:Zettel, gescheiterte Tagebuch:Versionen, Ausdruck in DIN A 5 und DIN A 4, nichts paßte. Zweimal geriet ich in ein selbstgemachtes Lektorat und verwebte verschiedene Texte miteinander. Alles in allem produzierte ich immer mehr Wörter auf immer mehr Papier und kam zu keinem guten Ergebnis. Bis gestern.

Das Notizbuch ist alltäglich. Noch im Regal liegend rief es mir zu: „hej, ich passe zu dir!“ Rasch überschlug ich die Anzahl meiner Texte mit der Anzahl der Buchseiten. 6 Notiz:Bücher liegen auf dem Schreibtisch. Mit Füller werde ich alles chronologisch erneut aufschreiben. Ich brauche das Berühren von Papier, den Blick auf meine Handschrift. Das ist warm und innig. Toll, dass ich mit WORDPRESS mich geschwind und digital zum Ausdruck bringen kann. Bleiben werden schlußendlich diese Bücher aus meinen Diamant:Wörtern.

Haushalts:ZEN 22 – der Hefezopf

Eine wahre Übung in Geduld ist es, einen guten Hefezopf zu backen. Die Übung erstreckt sich über den ganzen Tag.

10 Uhr – setze den Teig an, habe ein ausgezeichnetes Rezept dafür. In meiner Andacht bemerke ich nicht, dass der Mixer überlastet ist. Er verabschiedet sich von der Arbeit mit Funkenschlag und leichtem Brandgeruch. Der Hefezopf und ich sind allein. Möge der Geduldigere gewinnen.

13 Uhr – Zeit für´s Falten und Dehnen und Kneten. Um die Zwischenzeit zu überbrücken habe ich einen Kuchen gebacken, einen Braten gebraten, einen Artikel geschrieben, das Badezimmer geputzt.

14 Uhr – reicht der Teig für drei zu bildende Zöpfe? Bin unsicher. Teile ihn zu meiner Sicherheit in zwei Stücke, gibt´s eben einen Hefezopf ohne Zopf. Bestreiche beide Kuchen mit Milch.

15 Uhr – der Backofen wärmt sich auf, die Kuchen werden ein zweites Mal mit Milch bestrichen. Und erneut „gehen“ gelassen.

16 Uhr – voilà, alles fertig – siehe Foto. Ich bin völlig erledigt und kein bißchen entspannt. Meine Wunsch:Vorstellung von mir selber als entspannter Bäckerin ist lädiert. Ich bin verliebt in die Idee von einer duftenden Küche, einer zufriedenen Handwerkerin in Sachen Hefezöpfe, wohlschmeckenden, nicht schwarz gewordenen Kuchen. Hilflos grübele ich über die Knack:Punkte, an denen mir das Ideal entgleitet und es zu Stress wird. Noch bin ich nicht bereit, mich von der Idee selber zu lösen, werde weiter üben. Und mich bei dem Mixer entschuldigen.

Hier meine Fundstelle fürs Rezept:

https://www.weiberhaushalt.de/tag/hefezopf/

phone, but not smart

analoge Sommer:Momente

Morgens:früh ist meine beste Organisations:Zeit.

Geburtstage, Termine, Antworten im Messanger:Allerlei.

Danach hätte ich gerne für den Rest des Tages und Abends (m)eine Smart:Phone:Ruhe.

Im letzten Jahrtausend gab es eine Zeit, da durften wir als Kinder erst ab 18 Uhr telefonieren (wenn überhaupt) und Fern:Gespräche ab 22 Uhr. Kommunikation war entweder etwas unmittelbar Erlebtes oder die Postbotin brachte Briefe und Karten.

Danach sehne ich mich nicht zurück, die Vorteile der digitalen Welt sind zu groß.

Ich vermisse jedoch die analoge Sommer:Stille, gefüllt mit Kinderkreischen, Wasserklatschen und Himbeermündern. No phone, but smart and alive.