47: Veränderungen bewusst wahrnehmen

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 47

Eine schöne Erklärung: das klösterliche Leben sei so streng geregelt, um alle besser Veränderungen wahrnehmen zu können. Im Lärm und Trubel und unentwegtem Improvisieren kann vieles untergehen.

Besonders in bewegten Zeiten ist es sinnvoll, sich auf geregelte Rituale zu besinnen, um Zeit für die Wahrnehmung der Veränderungen zu haben. Als hätte es Herr Masuno für die Pandemie geschrieben! Es ist wohl eher so, dass die Unruhe, die die Pandemie in so manchem „satten“ Leben auslöst, universell und stets wiederkehrend ist.

Ich empfinde das heutige Kapitel als hilfreich, Ruhe reinzubringen, um über Energie für die ständigen Anpassungen zu verfügen. „Alles beginnt mit der Wahrnehmung.“

46: Veränderungen nicht fürchten

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 46

Blüten werden auf der ganzen Welt geliebt, Kirschblüte. Mandelblüte. Apfelblüte.  Löwenzahnblüte. Gerade die Blüte ist magisch schön und sehr kurzlebig. Möchte ich Holunderblütengelee kochen, habe ich auf die Natur zu achten, auf den richtigen Zeitpunkt. Möchte ich zur Mandelblüte in die Pfalz fahren gilt das ebenfalls. Eine Woche zu spät ist eine Woche zu spät.

Interessant ist, dass wir Blütenpracht genießen können, ohne zu lamentieren, sie sei zu kurz oder zu fordern, sie solle ewig andauern. Wir wissen, dass nach der Blüte die Reifung erfolgt und danach die Ernte. Und danach die Ruhe. Vom Jahreskreis kann ich lernen.

Aktuell geschehen zahlreiche Veränderungen in unserem kollektiven Leben. Ich norde mich jeden Morgen neu ein. Es ist wie es ist. Es gibt Chancen und Schönheiten. Ich brauche mehr denn je meinen Optimismus, meine Kreativität, meine Phantasie und mein Durchhaltevermögen. Darüber verfüge ich, die kann ich täglich zum Blühen bringen.

45: einfacher denken

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 45

Mir ist es kaum möglich, eine Sache ausschließlich zu tun. Ohne mein „Zutun“ tue ich gleichzeitig andere Dinge. Das geschieht. Daher ist auch ZEN für mich ein genialer Antwort:Weg mich zu fokussieren.

Einfacher zu denken hört sich für mich an wie „Urlaub“ für meinen Geist und meine Seele zu nehmen. Ob ZEN oder Glücksforschung, sehr vieles weist darauf hin, dass der Mensch mehr Zufriedenheit erfährt, wenn er sich beschränkt und einer Sache voller Energie und Hinwendung folgt.

Intellektuell bin ich ganz dabei, meine Einstellung braucht noch viel Training und meine Seele ruft freudig: „Ja, lass´ uns einfacher denken!“

44: auf sich selbst achtgeben

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 44

“Welcher Talisman ist der mächtigste, welcher bringt die größten Effekte?“ wird Herr Masuno häufig gefragt. Seine Antwort bestätigt mich erneut darin, dass ich ihn toll finde. „Betrachten Sie den Talisman als Teil des ehrenwerten Buddhas. Sie sind aber diejenige/derjenige, der auf den Talisman aufzupassen hat! Dadurch, dass Sie auf den Talisman aufpassen, passen Sie auf sich selber auf.“

Wie genial! Es spielt eine untergeordnete Rolle, welche Art von Talisman man verwendet, Hasenpfote, Edelstein oder Amulette. Dadurch, dass ich auf ihn achte, achte ich auf mich.

Auf mich selber zu achten ist der Sinn eines Talimans.

43: Gut starten

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 43

Um eine Aufwärtsspirale guter Chancen einzuleiten und um mich herum Gutes entstehen zu lassen, ist es wichtig gute Beziehungen zu führen, sich jeder Arbeit sorgsam zu widmen. Natürlich gibt es schwierige Aufgaben und problematische Beziehungen. Hier greift eine ZEN-Tradition, der Kwatz-Schrei. Sobald ich merke, dass ich pessimistisch, grüblerisch und sinnlos negativ denke, erhebe ich meine Stimme mit dem Ruf „Kwatz!“. Er ist ein Lehrmittel von Zen-Meistern der Rinzai-Tradition. Das Erschrecken über den unerwarteten Schrei eines Meisters soll gelegentlich SchülerINNEN zur Erleuchtung geführt haben.

Ich mag solche Stop-Wörter gerne. Besonders gelungen finde ich die Idee, wenn man sich gekränkt o.ä. fühlt, laut „Aua!“ zu sagen. Das ist ein perfekter Warn:Ruf. Unterbricht die Situation zunächst. Ob ich direkt etwas erklären kann oder möchte, ist offen. Aua, Kwatz oder Stop, irgendetwas geht immer.

42: eine Pflanze zum Blühen bringen

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 42

Die Natur befindet sich in einem unentwegten Wandel. Wir Menschen haben die Tendenz, an der Vergangenheit zu kleben und uns um die Zukunft zu sorgen.

Herr Masuno rät, eine Pflanze vom Samen bis zur Blüte und Reife großzuziehen. Jeden Tag in einen Dialog mit der Pflanze zu treten und ihrer beständigen Veränderung beizuwohnen.

Jedes Jahr im Advent ziehe ich eine Amaryllis heran, in der Hoffnung, zu Weihnachten Blüten zu erleben. Auch das Schneiden eines Barbara:Zweiges gehört zu meinen Natur:Rückbindungen. Etwas Moos, einen Tannenbaum und Fichtenzweige ins Haus zu schleppen ist mir eine glücklichmachende „Pflicht“ in dieser Jahreszeit. Eine Pflanze zum Blühen zu bringen ist im Winter eine größere Herausforderung. Zum spürenden Lernen gehört die Botschaft: „Jeder Tag ist ein neuer Tag. Was heute war, endet heute. Morgen wird wieder ein neues Selbst geboren. Deshalb muss man sich nicht sorgen.“ (S.101)

41: an einer gemeinsamen Zen-Sitzmeditation teilnehmen

Ach, Herr Masuno, sie ahnen nicht, wie gerne ich mal wieder an einer gemeinsamen Zen-Sitzmeditation teilnehmen würde. Oder mit vielen Menschen in einem Raum zu sein. Oder kräftig und falsch zu singen. Wir stecken in einer Pandemie und je nach Land, in dem man sich zu diesem Zeitpunkt befindet, gibt es neue Regeln, deren Ziel die so genannte Kontaktvermeidung ist. Digital gibt es viele Einladungen und Möglichkeiten! Digital ist leider ohne Atmosphäre, nur der Augensinn ist aktiviert.

Schreibe mir das Kapitel 41 auf meinen Wunschzettel! Lege ihn auf die Fensterbank heute Abend und hoffe, dass ein Engel ihn einsammelt.

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 41

40: klare Unterscheidungen machen

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 40

Erwischt! Nach dem Aufstehen der Blick auf die eMails, die neusten Nachrichten und den Wetter:Bericht! Vieles gleichzeitig und von allem zu viel.

Gesprächs:Fetzen neulich in einer Warte:Schlange Zwei überlastete Mütter im Gespräch. „ Wann hast du denn noch Zeit, um soviel bei Facebook zu posten?“ „Antwort: „ Das mache ich immer auf dem Klo.“ Das will ich mir wirklich nicht vorstellen!

Herr Masuno rät zu Errichtung von „Toren für Unter:Schiede“.

Beispiel: beim Verlassen der Haustüre beginnt man, an die Arbeit im Allgemeinen zu denken. Während der Bahnfahrt schaut man sich die konkreten Tages:Aufgaben an. Abends, auf dem Nachhause:Weg geht’s in umgekehrter Reihen:Folge. Mit dem Betreten des Hauses endet das Denken an und über die Arbeit.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Einüben dieser mentalen Disziplinierung zu guten Ergebnissen führen kann. Themen und Tore kann ich mir anpassen. Sobald ich IM Haus anfange „ungut zu grübeln“ gehe ich hinaus. Gehe durch mein persönliches Tor der Unterscheidung. Das ist praktisch und fühlt sich gut an. Beginne heute damit!

39: Denkpausen erlauben

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 39

Ideen und Gedankenblitze verstecken sich gerne in Zwischenräumen. Mir ist, als hätten wir die Zwischenräume fast ganz vertrieben und ausgerottet. Vor lauter Effizienz, entleerten Wörtern und Druck:Gefühlen!

Seit zwei Wochen bin ich ein kleiner Groupie von Harald Welzer. Er hat einen dicken Schmöker über Gesellschaftsutopien geschrieben. Ausgiebig, fundiert und facettenreich. Für sehr lange Leseabende. Verliebt habe ich mich in seine Arbeitsweise, als ich vor dem Quellenverzeichnis auf seine Zusammenfassung stieß. Er nennt es „11 Merksätze zum neuen Realismus“. Das macht es zunächst wissenschaftlich. Genauer betrachtet entpuppen sich seine Merksätze zu wunderbaren „utopischen“ Mantras, die ich am liebsten mehrmals am Tag durchlesen möchte. Kostprobe gefällig?

1. Zeit kann man ebenso gut auch verschwenden.

2. Es ist alles schon da, nur falsch zusammengesetzt.

3. Die Welt kann freundlich sein.

4. Kleinstmögliche Zustandsveränderung kann jede und jeder.

5. Morgen Mittag beginnt das Neue.