Po:Panz

Ein Popanz ist ein Schreckgespenst.

Der althergebrachte Ausdruck einen Popanz aufbauen bedeutet sinngemäß, aus einem bestimmten Grund beträchtlichen Wirbel um etwas zu machen. Ich habe es mit einem sich behaglich eingenisteten Seelen:Popanz zu tun.

Popanz ist zu meinem Glück eine maßlos überschätzte Bedrohlichkeit. Eine künstlich hergestellte Strohpuppe, ausgestopft mit Angst:Halmen, die sich popanzig aufplustern. Ihr Ziel ist es, mich einzuschüchtern und Furcht:Szenarien aufzubauen. Mehr Schein als Sein.

Im Rheinischen gibt es den Ausdruck Pänz für Kinder. Spiele ich mit den Buchstaben und mache aus dem A ein Ä ergibt sich ein neues Wort Po:Pänz. Kindereien, die mir am Po vorbeigehen. Beim nächsten Angriff des Popanz rufe ich ihm kindlich-ausgelassen zu: Po:Pänz! Du bist nur ein Po:Pänz!!

Haushalts:ZEN 32 – Bücher:Berge

Bücher:Berg

Seit der Schulzeit, über Studium und Berufstätigkeit häufe ich Bücher:Berge an. Selbige lese ich nicht konsequent „ab“. Die Menge an Wörtern zwischen Buch:Deckeln wiegt mich in der Sicherheit, genug zu haben, genug zu wissen.

Sobald ein neues wichtiges Thema in meinem Leben ankommt, erbaue ich Bücher:Berge. Am Gipfel des Wissens:Durst angelangt, schaue ich auf hastige Abkürzungen und riskante Sprünge zurück. Dabei wäre ich so gerne achtsam, konzentriert und diszipliniert auf den Wissens:Berg aufgestiegen.

Heute, genau heute morgen nistet sich ein neuer Gedanke ein: ich lese die vorhandenen Bücher „ab“! In meinem Besitz befindet sich ausgezeichnete, hochkarätige Fach:Literatur ebenso wie verheißungsvolle Romane. Heute, genau heute morgen beginne ich mit einer lustvollen-lesenden Wanderung durch meine vorhandene Papier:Wörter:Bücher:Welt.

ZEIT 8 – Knappheit

Bei all´den Sprichwörtern und Management:Tools über die Zeit ist mir der Ausdruck „meine Zeit ist knapp bemessen“ am nächsten. Löse ich ihn aus dem ökonomisch-quantitativen Zusammenhang kann mich meine Lebens:Zeit:Knappheit davon überzeugen, lebendig, augenblicklich und furchtlos zu leben. Mir ist bei meiner Geburt nicht anvertraut worden, wieviel Zeit mir zugestanden ist. Ich muss auf volles Risiko leben. Dazu gibt es keine Alternative.

Der Ab:Schied wohnt im Herzen

„Irgendwo blüht die Blume des Abschieds  und streut immerfort Blütenstaub, den wir  atmen herüber, und auch noch im  kommendsten Wind atmen wir Abschied.“ Rainer Maria Rilke

Ab:Schiede sind so unterschiedlich wie Gefühlslagen. Ich erlebte einen herzzerreißenden Abschied, der mein Herz zu brechen schien. Vermisste den feierlichen Abschied an der Universität. Manchen Ort und manchen Menschen verabschiedete ich schweren Herzens. In großen Weihnachtsfilmen spüre ich rührende Abschiede und vergieße eine kleine Träne dazu. Ein schwerer letzter Abschied bei Beerdigungen. Förmlich und kurz verabschiedet aus unbehaglichen Lebensmomenten. Der kalte Abschied im Streit, der lange im Herzen klirrt.

Heute habe ich einen besonderen Menschen aus meinem Leben verabschiedet. Es fühlt sich richtig an, der Zeitpunkt stimmt, die beiderseitige Übereinkunft ist vorhanden. Traurigkeit liegt nicht in der Luft. Eher die lebendige Freude über das, was war.

Der Abschied wohnt im Herzen. Da paßt er gut hin. Da hat er es warm.

ZEIT 7 – meine Dinge:Uhr

Zwei Mal im Jahr aktiviere ich meine Dinge:Uhr. Ich zähle nicht in Stunden oder Tagen, sondern mit Dingen. Vor jedem Urlaub kommt der Augenblick, an dem ich vor Ungeduld platzen könnte, manchmal Monate vor Urlaubsbeginn, manchmal nur zwei Wochen früher. Dieses Gefühl aktiviert die Dinge:Uhr. Jeden Tag lege ich EINE Sache für die Reise bereit. Unmerklich bis merklich füllt sich eine Ecke im Haus mit Wäsche, Reiseführern und Reise:Kram.

Spätenstens ab November meldet sich die adventlich-weihnachtliche Dinge:Uhr energisch zu Wort. Jeden Tag hänge ich im Treppenhaus eine rote Kugel auf, im Wohnzimmer einen Stern. Je voller alles wird, desto mehr jubiliert meine Seele, die Zeit vergeht sicht:bar in Richtung eines Höhe:Punktes im Jahreskreis.

Haushalts:ZEN 31 – mein Müsli

meine Sternen:Küche

Was man alles so frühstückt im Laufe des Lebens! Von mütterlicher Hand bestrichene Schulbrote zur vehementen Selbst:Kultur „Café+Kippe“ seien der beste Start in den Tag. Heutzutage reiht sich das Frühstücken in die Liste der Dinge ein, die mir „zuviel“ sind.

Nach langem „hin+her basteln“ bin ich zur Müsli:Esserin geworden. Dieses Müsli würde ich niemandem anbieten. Der Glaubens:Krieg um Körner und Flocken umtost die Tische. Mein Glücks:Rezept besteht aus einem Müsli mit MEINEN mir liebsten Zutaten, alles vermeintliche Gesunde, aber nicht Leckere konnte ich verbannen. Mein Tages:Müsli ist eine persönliche Angelegenheit.

Mit einem Pott Café und der Müslischale nehme ich auf meinem Lieblingssessel Platz, entzünde eine Kerze und schaue mir eine englische Serie im Orginal über Gartengestaltung an. Eine Drei:Viertel:Stunde steht meine Welt gemütlich still.

Wortfundstück – barm:herzig

„Nicht die Armseligkeit macht den Menschen selig, sondern die Barmherzigkeit. „

Bernhard von Clairvaux, Mystiker, Abt und Kirchenlehrer (um 1091 – 1153 )
zart & eng zugleich (Installation von Rebecca Horn)

Zur Tugend der Barmherzigkeit gehört auf der Ebene des Tuns: Hungrige zu speisen, Durstigen zu trinken zu geben, Fremde zu beherbergen, Nackte zu kleiden, Kranke zu pflegen, Gefangene zu besuchen und Tote zu bestatten. Seelisch-geistig zeigt sich gelebte Barmherzigkeit darin, Unwissende zu lehren, Zweifelnde zu beraten, Trauernde zu trösten, Beleidigern gerne zu verzeihen, Lästige geduldig zu ertragen und an die Lebenden und Verstorbenen zu denken. Papst Franziskus schlägt vor, den Kanon der Barmherzigkeit um die Sorge um die Schöpfung zu erweitern.

Ich schlage vor, für sich selber gut zu sorgen auch aufzunehmen. Nicht im egostischen Sinne, sondern als Akt der achtsamen Selbstfürsorge. Zu mir selber barm:herzig zu sein, mich meiner selbst zu erbarmen.

der Geist ist hungrig

Mein Gehirn langweilt sich schnell. Gibt es keine interessanten Sinnes:Eindrücke, z.B. auf einer allzu vertrauten Auto:Strecke oder in schlaflosen Nacht:Momenten, öffnet es verstaubte Kammern. Grad´aus Spaß an der Freud´! Grübel:Schub:Laden, Blut:Flecken der Erinnerungen, Koch:Rezepte, Konflikt:Endlos:Schleifen.

In seiner unruhigen Hungrigkeit nimmt es sich alles vor, nimmt sich alles raus. Mich, in den unteren Nicht:Gehirn:Regionen strengt das fürchterlich an, während im Kopf die Mäuse tanzen.

Ich überlege, wie ich der quengeligen, infantil anmutenden Seite meines Gehirns Ablenkung und Spaß vermitteln kann, damit es mich mal in Ruhe läßt. Gedichte rezitieren, Zahlen addieren, mich exakt an Urlaubstage erinnern, – altmodische Fleiß:Aufgaben können für Entspannung sorgen.

Es hilft mir, den Geist als immer hungig zu betrachten, auf der Suche nach verwertbarem Denk:Futter. Das nimmt dem Grübeln und der Schlaflosigkeit die Schärfe.