Pandemie: Beerdigung auf Distanz 🔕

Die erste Beerdigung in der pandemischen Zeit für mich. Anweisungen der Trauer:Familie habe ich erhalten, was gestattet ist und was nicht.

Anstatt „zusammenzustehen“ müssen wir uns vereinzeln. Es wird keine tröstende Umarmung geben. Es wird keinen Kaffee&Kuchen geben, der ins Erinnern und Erzählen fließt.

Ich weiß nicht, was für mich schlimmer ist: hinzugehen oder wegzubleiben. Es ist mir undenkbar, geliebte Menschen nicht berühren zu dürfen, um ihren Schmerz zu mildern…

Pandemie: Fussball⚽️

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Schön wäre das!

Der sportliche Shutdown macht mir zu schaffen. Die Sommer sind bei mir geprägt durch sportliche Groß:Ereignis, die ich mit Leidenschaft passiv begleite. Fußball, Tour de France, Olympia usw.

Ehrlich gesagt mache ich mir manchmal EUROSPORT an und lausche der Tour de Suisse-Aufzeichnung anno 2017… Die Geräuschkulisse tröstet mich und voller Faszination starre ich auf die Menschenmenge.

Die soziale Distanzierung hinterlässt tiefe seelische Spur:Rillen.

Pandemie: Wege der Lockerung

Schwierig sind die Rückkehr:Schritte in die alte Normalität zu gehen.

Vergleiche es mit meditativem Gehen. Fuß um Fuß aufsetzen, abrollen, anheben. Jeder Boden:Belag hat eine andere Spannung und Textur. Wind & Wetter, Laune & Ziel spielen kräftig mit.

Schritte zu machen sieht von außen getrachtet leicht aus. Jedoch, …. gehen will gelernt sein. Hinfallen auch.

Wie ein Kind sich vom ruckeln, schieben und drücken zum krabblen, aufrichten/umfallen bis zum aufrechten Gang entwickelt. Zum rennen, hüpfen und springen. So geht der shutdown in eine „re:creation“ über. Mir gefällt der Ausdruck „put in motion“ gut, wieder in die Bewegung gehen. Vom Kontakt sprechen wir wohl erst viel später… Ich geh‘ mir mal neue Lauf:Schuhe kaufen!

Pandemie: französisch-deutsche Freundschaft

Mein Leben an der Grenze zu Frankreich ist eine Bereicherung für mich. Freundschaften, Ausflüge, Einkäufe gehörten zum selbstverständlichen Alltag. Und vorneweg Restaurant:Besuche!🍽🍷🥖

Das alles ist seit Wochen nicht möglich. Kleine Grenz:Querelen werden zu nationaler Bedeutung hochgekocht. Familien sind getrennt. Ein französischer Freund an Corona gestorben.

Das belastet mich.

Heute schreibe ich an meinen französischen Lieblingsgasthof einen Brief. Erzähle von Sehnsucht, Treue und der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen. 🍽🍷🥖

Pandemie: müd‘

Manchmal reicht es mir. Alles nervt, nichts ist richtig, vieles vermisst. Will mein altes Leben zurück. Ahne, dass es das nicht mehr gibt. Und bin noch unleidlicher und müd‘.

Zitat von Roman Ducommun: „Traurig sein ist wie müde sein, müde der Hoffnung, müde des Glücks.
Aber, anders als die Müdigkeit, kannst du die Traurigkeit nicht wegschlafen.“

aus: http://www.aphorismen.de

Pandemie: Turnschuhe kaputt!⛳

Mitten in der Pandemie lösen sich die Sohlen meiner Turn- und Laufschuhe ab. Un‘ nu‘?

Fachgeschäfte sind geschlossen, digitale Bestellung ohne Anprobe möchte ich nicht.

Sekundenkleber hält sicherlich nur Sekunden. Suche mir die nächstbesten Geh:Schuhe, um weiter meine Walk:Runden durchs Viertel zu machen. Die Wunsch:Liste „nach Corona“ wird immer länger. Neben den benötigten Laufschuhen ist heute der Wunsch dazugekommen, in allen Gasthöfen meines Land:Kreises ein Kalt:Getränk zu mir zu nehmen!!!!🍺

Pandemie: fridays for one world 🌍

Ehrenwert, dass sich die Bewegung „fridays for future“ wieder formiert und dazu auffordert, am Freitag ein grünes Tuch ins Fenster zu hängen.

Nach den letzten Wochen ist in mir ein neues Gefühl diesbezüglich entstanden: alles ist miteinander verbunden, einen Klimaschutz ohne Menschenschutz gibt es nicht.

Wie wäre es mit meinem privaten Slogans:

FRIDADYS FOR A COMMON WORLD 🌍

oder

FÜR EINE GESUNDE WELT.🌍

Pandemie: Sprint oder Langstrecke

Zwei unterschiedliche Energie:Formen sind Sprint und Langstrecke.

Sich auf 100-Meter-Lauf zu konzentrieren, verlangt, sich auf kurze Zeit zu höchster Leistung zu fokussieren. Voller Adrenalin über die Ziel:Linie zu fliegen.

Alle Lang:Strecken verlangen eine ebenfalls fokussierte Leistung, die sich jedoch aufzuteilen hat, um eine längere Zeit zu gestalten.

Den pandemischen Sprint haben wir geschafft und müssen nun in den weltumspannenden Langlauf wechseln.

An der 1000 Meter Marke winkte ein Osterhase, am 2000 Meter Posten steht die Galerie der abgesagten Wichtigkeiten, Familie, Arbeit, Urlaub, Sport, Gesundheit und Gemeinschaft. Der lange Atem wird benötigt.

Bei 3000 Metern könnte die Luft knapp werden. Weiterlaufen!

4000 Meter: immer weniger halten mit, fallen zurück. Zu gewinnen ist weniger wichtig geworden als anzukommen.

Irgendwann bemerke ich, dass es gar keine Ziel:Linie gibt. Es ertönt kein erlösender Ab:Pfiff. Kein Jubeln brandet auf.

Jetzt trotzdem nicht aufzugeben verlangt, die tiefste Essenz meines Wesens zu aktivieren. Das ist verflucht anstrengend.🤨🏄‍♀️

Pandemie: die eine Welt

Einzelne Details sind es ja oft, die uns kalt erwischen, nicht die großen Zahlen und Prognosen. Mich schreckt aktuell die Welt:Karte.

Ich schaue jeden Morgen im Internet auf die Weltkarte und die aktuellen Infektionswege/Zunahmen.

Russland und Afrika sind bisher recht weiße Flächen gewesen. Wie bei Röteln entstehen nun rote Pusteln, die täglich dicker werden. Die Krankheit schreitet fort. Menschen erkranken, gesunden oder sterben.

Meine Privilegien sind medizinische Versorgung, gute Ernährung, Frühlingsarbeiten und Internetzugang/Informationen. Ich kann mir die soziale Distanzierung „leisten“ und sie herstellen.

Die sich rötende Weltkarte wird für mich immer mehr zu einem Blutrot. Sie scheint zu bluten.

Pandemie: Fatalismus

Ich fürchte mich gerade mehr vor Fatalismus als vor einer Infektion mit Corvid 19.

Schlecht reden, schlecht rechnen und schwarz sehen machen mich nervös bis wütend. Untergangsszenarien werden genüsslich vor dem Supermarkt und 24 Stunden NonStop in den Medien besprochen. Die Rede:Konzepte zum Nach:Treten sind gewiss als Memos bereits gespeichert.

Der Fatalismus lässt keinen Optimismus neben sich gelten. Er mag keine Alternativen und kein kollektives In-die-Hände-Spucken.

Ich bin selber betroffen vom Shutdown und weiss nicht, was dieses Jahr noch bringen wird. Aber ich verweigere mich dem Denken, wir seien schicksalhaft ausgeliefert in fatalistisch festgelegte Verschlechterungen.

Ich möchte über Visionen und positive Neuerungen nachdenken, nachdem ich selber so lange mit schwarzen Schatten gekämpft habe…