Pandemie: leer und still

Wie oft sehnte ich mich vor der Pandemie nach Stille und Rückzug. Nun haben sich aber alle anderen zurückgezogen. SO habe ich das natürlich nicht gemeint.

Stille ist nur schön, wenn sie einen Kontrast zum Menschen:Lärm bildet.

Diese doppelte Stille von den anderen und von mir erzeugt Unbehagen. Der gemütliche Gang durchs Städtchen gleicht einer Tour de Force durch geisterhafte Kulissen.

Was freue ich mich, wenn die Menschen zurückkehren.

Pandemie: Marmorkuchen

Eine Begleit:Erscheinung der Pandemie ist bei mir der Rückgriff auf Alt-Vertrautes. Nach vielen Jahren habe ich erstmals wieder einen Marmorkuchen gebacken. An den Nachmittagen gibt es nun in der kleinen Hausgemeinschaft Kaffee&Kuchen.

In meiner Kinder- und Jugendzeit wurde jedes Wochenende gebacken, gerne in „Zusammenarbeit“ mit Dr. Oetker. Die Rezeptseiten von „Apfelkuchen, sehr fein“ und „Königskuchen“ fallen auch heute noch im Back:Buch automatisch auf, getränkt von Butter- und Milchflecken.

Es tut wohl, sich zurückzubinden in einer unsicheren Zeit.

Pandemie: gib‘ dein Bestes

Im Jahreskalender meiner Freundin Rosi steht in der vergangenen Woche:

„gib dein Bestes, bis du es besser weißt“.

Das passt in diesen Tagen sehr gut. Wir werden beständig von neuen Informationen überlaufen, können nicht mehr auf dem Laufenden sein. Was gestern noch stimmte, ist heute fragwürdig oder fehl eingeschätzt.

Es gibt mir Sicherheit, wenn ich demzufolge jeden Tag mein Bestes gebe. Nach besten Wissen und Gewissen. Dann ist es gut getan.

Pandemie: für Maria

Maria ist nicht mehr jung, sozial hoch aktiv und es gewöhnt, alles alleine hinzukriegen. Ihre Familie lebt in Ländern, die eine Ausgangs:Sperre verhängt haben.

Maria leidet seit Februar an einer hartnäckigen, kräftezehrenden Erkältung.

Telefonisch biete ich ihr an, Besorgungen zu machen. Am Tonfall ihrer Antwort spüre ich, dass sie zutiefst hofft, dieses Angebot nicht annehmen zu müssen.

Ich kann sie verstehen. Von maximaler Eigenständigkeit in eine Hilfsbedürftigkeit zu rutschen ist … nur doof!

„Drohe“ ihr, sie während der Pandemie jede Woche anzurufen. Was auch meine normale, respektvolle Distanz:Wahrung völlig über den Haufen wirft.

Mir ist, als würden wir wie eine Baumrinde unfreiwillig abgeschält. Ohne die schützende Rinde zählt die Substanz des Holzes. Manche müssen nun Hilfe annehmen. Andere müssen Hilfe anbieten. Die bisherige Währung der Individualisierung ist zu wechseln in die Währung „spring über deine Schatten und finde deine neue Rolle in einer Krisen:Zeit!“

Pandemie: so fremd im neuen Kleid

Als trüge die Welt ein neues Kleid, Das zwickt und zwackt. Das kratzt und scheuert. Form und Material sind mir befremdlich.

Nichts passt mehr. Fühle mich darin fremd und eng. Hätte gerne mein gut eingetragenes Sommerkleid zurück.

Bemühe mich zu lernen, in dem steifen Kleidungs:Ungetüm zu gehen und zu sitzen.

Bemühe mich, nicht ans rennen oder tanzen zu denken.

Und doch, …fühle mich wie eine Marionette, die nach fremden Faden:Zug zu tanzen hat.

Atme tief durch, schüttle mich durch, zwänge mich ins neue Lebens:Kleid. Ich hab‘ es jetzt zu tragen. Wäre schön, wenn ich wüsste wie lange noch…