Reha:Schnack – neulich am Empfangstresen

Die Rezeptionistin der Klinik schließt Fenster und Türen ihres Arbeits:Platzes. Ein Patient nähert sich mit dem Anfrage:Klassiker. „Ich hab nur eine kurze Frage!“

Mit einem stillen Seufzer nickt die Rezeptionistin.

„Ähm, warum schließen Sie eigentlich so früh? Ich könnte Sie zwar auch morgen danach fragen. Doch wenn Sie jetzt eh Zeit haben: kriege ich bei Ihnen DIN A 3 Umschläge?“

„Schreiiiii!“ entziffere ich den Gesichtsausdruck der geplagten Mitarbeiterin.

Reha:Schnack – mal raus hier!

Und es begab sich zu der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, ich meinen perfekten Tag ohne Klinik mir zusammengestellt habe.

Frühstück in einem Wiener Kaffehaus.

Mittagessen in einem französischen Bistro.

Tee:Zeremonie in einer friesischen Tee:Stube.

Abendessen in einem italienischen Ristorante.

Ausklang in einem irischen Pub.

…so träume ich bei Bohnensuppe und Kuchen:Schnitte still vor mich hin…

Reha:Schnack – Blue Bull meets Waldmeister

(Verfremdung um keine Marken:Webung zu machen. 🥂)

Am Frühstückstisch berichtet der übernächtigte Patient: „Ich bin völlig erledigt. Mein Kumpel hat mir gerade eine Whatsapp geschickt. Der steht heute garnicht auf. Boh, wir waren erst um 4 Uhr im Bett. Als die anfingen, Red Bull mit Jägermeister zu mixen, war es schon zu spät. Boh, ich geh‘ direkt wieder ins Bett.“

Meine innere Oberlehrerin schäumt vor Empörung. Ist die Reha eine Cocktail:Party? Das gesamte Gelände der Klinik ist alkohol- und rauchfrei. Wahrscheinlich hat der Kollege gedacht, wenn Red Bull die Hauptsubstanz ist, zählt die Flasche Jägermeister nicht.

Reha:Schnack – Terminplanung

Sobald in den PatientINNEN:Fächern ein neuer oder geänderter Termin:Plan liegt, setzt ein Weh:Klagen ein. Papier:Verschwendung! Schon wieder fällt was aus! Da ist doch nichts geändert worden!

Mehr genörgelt wird nur beim A:Discounter, wenn sage und schreibe vier Menschen gleichzeitig an der Kasse stehen „müssen“.

Die Forderung nach einer digitalen Terminplanung wird laut. Auch die Klinik hätte das gerne. Noch steht der Datenschutz im Weg.

Und ich denke: wir wollen hier entschleunigen, Zeit haben. Wo ist der Zu:Gewinn, wenn ich schneller eine Information erhalte, für die ich nichts mehr TUN muss. Weder zum Kommunikationspunkt der Postfächer gehen, noch jemanden etwas fragen. Alles, was typisch menschlich ist – Bewegung, Sinneseindrücke und Kommunikation – würde eingeebnet zu einem „digitalen pling“.

Wir sabotieren uns selber.

Kaufen Selbsthilfebücher. Buchen Entspannungs:Seminare und Wellness:Hotels. Rennen dem eigenen Schatten sehnsüchtig hinterher. Doch der schießt nicht schneller als wir selber. Ausser bei Lucky L.

Zudem: ich mag analoge Informationen. Ich mag Papier. 🖌📆🎈

Reha:Schnack – rauchende Colts

SIE: “ Die haben mich in die Nichtraucher:Gruppe gesteckt. Nicht mit mir, Leute! Ich entscheide selbst, wann es im Kopf Klick macht. Das hier aktiviert nur meinen Trotz. Die Anderen aus der Raucher:Ecke sind genau meiner Meinung. Wir machen da nicht mit! Wir sind Erwachsene!“

ICH: “ Habt ihr gut gemacht. Trotz vor Chance. Wie heißt denn euer rauchender Kindergarten? Ich schlage vor: RAUCHENDE COLTS MEETS TROTZKOPF!“

Reha:Schnack – fkk

fkk = freie keller kunst

Während ich mal wieder mit eiskaltem Wasser übergossen werde, ist die „Bade:Frau“ wie immer gnadenlos und mir wohlgesonnen zugleich. Sie macht einen großartigen Job hier unten, Bäder, Anwendungen, Bestrahlungen usw.

In mir ist der Gedanke, dass das Herz der Klinik im Keller schlägt.

Kreiere eine kleine Collage.

Sollte mal eineR von Euch im Keller einer Klinik an der Nordsee einen Aufenthalt haben, findet man mein „Werk“ prominent plaziert zwischen Fahrstuhl und Bäderabteilung.

Reha:Schnack – carnevalesker Notstand

Stell‘ dir vor, es ist Karneval/Weiberfasnacht und du bist nicht dabei!

Traurigkeit wabbert durch die Gänge, die Karnevals-Community trägt Trauer:Flor.

Leise dringt aus dem Zimmer meiner Nachbarin „mir losse de Dom in Kölle“.

Das reißt selbst mir am Herzen.

Wie zurückgelassene Robben:Babys rufen die Jecken nach ihrer Mutter Karneval.

Zum Glück dürfen sie nicht die Räume schmücken und die Nächte durchtanzen. Reha bleibt Reha, wie es nicht singt und lacht. Mir ist grad friesisch herb lieber als jeck. ALAAF!

Reha:Schnack – Haushaltstag

Haushaltsführung in der Klinik ist mit langen Wegen verbunden.

Wäsche in eine Reise:Tasche stopfen. Waschpulver besorgen. Im Keller die Waschmaschinen suchen. Alle belegt! Nach einer Stunde wieder in den Keller. Na, an die Jetons für den Münzautomaten gedacht? Schwups, nicht auf das grüne Startlicht geachtet, Jeton klackert in die Untiefen. Zurück zur Rezeption. Na, echtes Geld dabei, um einen neuen Jeton zu kaufen? Zimmer! Tresor! Bargeld! Rezeption! Keller!

Endlich ist alles wohl getan. Eine Stunde arbeitet nun eine Maschine für mich. Pünktlich zurück sein, denn heute wollen viele waschen. Umschichten auf den Trockner in einer kleinen, ungeeigneten Tasche. Flusensieb wurde leider vor vorherigen Trockenvorgang nicht gereinigt. Endlich, der Trockner arbeitet. 30 Minuten Zeit, um mal ums Haus zu walken. Trockner entleeren. Zu meiner Station Etage 5 gehen.

Wo ist noch mal der Bügelraum für PatientINNEN? Hier hängt tropfnasse Wäsche an den quergespannten Wäsche:Leinen. Das destillierte Wasser besteht aus sieben Tropfen. Jemanden vom Reinigungstrupp aufstöbern. Bügeleisen mit Zeitschaltautomatik und Kindersicherung. Hä? Ins Zimmer, um Kleiderbügel zu holen. Ups, zurück, Schlüssel vergessen. Trockne die Flächen im Bügelzimmer. Spüre Langeweile. Schlüssel! Zimmer! Radio!

Endlich, ich bügele. Und falte. Bei melodischem Death Metal. FERTIG. Mehrmals trage ich alles peu a peu in mein Zimmer zurück, entsichere das Bügeleisen, denke an mein Radio.

Ehrlich, um eine Handvoll Wäsche duftig gebügelt wieder in meinen Schrank zurück zu kriegen, brauchte ich einen ganzen halben Tag. Und gefühlte drei Kilometer Laufstrecke.

So ein Reha:Haushaltstag kann massiv verlangsamen und entschleunigen.

Reha:Schnack – trübe Tage

Wäre eine Reha keine Reha, hieße sie Urlaub. Insofern gibt es auch die düsteren Stunden, die kein blauer Himmel, keine gute Luft vertreiben kann.

Die Flure ziehen sich schier endlos. Die Menschen wirken fremd. Die Anwendungen schmerzen.

Wenn alle bislang erfolgreichen Massnahmen erfolglos scheinen. Wenn der gesamte Aufenthalt als Irrtum erscheint. Wenn die Tage und Nächte nur durchzustehen statt zu leben sind.

Dann schweigt auch der beste Reha:Schnack.

Bis morgen!