Haushalts:ZEN 8 – die Brennnessel

Es begab sich vor Jahren, daß ich ein „Hildegard-von-Bingen“-Gewürz kaufte, es hieß (soweit ich mich erinnere) „der Zauber der Brennnessel“. Kräftig und würzig, perfekt zu Rote-Bete und in den herbstlichen Suppen.

Ich fühle mich verzaubert. Das Gewürz wirkt geheimnisvoll.

Während einer Kräuterexkursion erzählt die Kräuterfrau von den Wirkungsweisen der Brennnessel. Sie zwinkert verschwörerisch: „Das Besondere sind die reifen Samen, sie sind ein Super Food!“ Ein Zauber der Brennnessel sind die Samen. Das ist wohl die Hauptzutat des Hildegard-Gewürzes UND ich kann das vor meiner Haustüre selber ernten. Das Geheimnis wird zu meinem Geheimnis, ich kann das Zauber:Gewürz selber ernten. Ein Gefühl von machtvoller Freiheit.

So kann es gehen: Brennnesselsamen trocknen, mit Meersalz zermörsern und in einen Streuer einfüllen.

Haushalts:ZEN 7 – der Holzkorb

Ein großräumiger Korb auf stabilen Rädern soll zu DEM Kaminholz:Transport:Korb werden. Leider paßt diese Aufgabe nicht zu ihm. Im Warten auf eine zündende Funktionsidee lagern wir ihn in der Werkstatt.

Von „nicht benannten HausbewohnerINNEN“ wird er im Laufe des Jahres mit Klein:Kram gefüllt, der einer Entscheidung bedarf: Schräubchen, Läppchen, Döschen und allerlei mit dem Aufkleber „zu reparieren“.

Im Winters ist er umzingelt von den Sommerpflanzen und hat die fatale Angewohnheit, bei der kleinsten Berührung umzukippen. Wortlos wird er wieder mit besagtem Kram aufgefüllt. Außer auf das nächste Umkippen zu warten, geschieht nichts. Bis gestern.

Mit vereinten Kräften und der Bereitschaft zu unerbittlichen Anti:Krempel:Entscheidungen wird er geleert und gefegt, zu alter Pracht aufgehübscht. Doch es gibt keine Aufgabe für ihn.

Da, – DIE Idee! Schnell ein schickes Schild gemalt „zu verschenken!“, drangepappt und vor das Haus gestellt. Am nächsten Vormittag findet er einen neuen, stolzen Besitzer. Ich hab´nicht mal die Zeit gehabt, ein Foto davon zu machen! LACH!

Jetzt ist die Geschichte eines Fehl:Kaufes und der einjährige Um:Fall:Ärger zu einem warmherzigen Ende gekommen. ZEN im Haushalt!

Haushalts:ZEN 4 – der Receiver

Seit ein paar Wochen entschlüsselt die Sat:Schüssel einige Programme nicht mehr und sendet sie zerlegt in Blöcke, unter emsigen Knirschen, an den Fernseher. Nachdem alle Fehler:Quellen durchgecheckt werden, nun das klare Ergebnis: dieser Teil der Entschlüsselung ist kaputt. Allerdings nur für die sog. HD-Auflösung, – für die super gute Bildauflösung.

Wir stehen vor dem Reiver und ein paar gewichtige Fragen sind zu beantworten:

  • hatten wir ein Fernseh:Leben vor HD?
  • brauchen wir all´diese Sender?
  • wollen wir ein teilintaktes Gerät wegwerfen?
  • wie ist unser realer Fernseh:Konsum?

Fazit: das alte Gerät bleibt, alle Sender sind ohne die exorbitante Bildauflösung gut zu sehen, wir nutzen nur eine kleine Handvoll Sender wirklich. Stolz klopfen wir uns auf die Schultern im Angesicht dieser „nachhaltigen“ Entscheidung. Kurioserweise ist dieser Receiver dadurch zu einem „wichtigen Haushaltsgegenstand“ geworden, den wir mit mehr Respekt und Wärme betrachten.

Haushalts:ZEN 6 – Bettwäsche

Genug ist nie genug?!

Mein Schrank ist voller unbenötigter Bettwäsche. Wenn man viel Bettwäsche hat, entsteht wenig Verschleiß und so hält das Zeug Jahrzehnte. Durch die Decke geht der Stapel, als das Elternhaus geräumt wird. Wie in Trance folge ich der elterlichen Begleitmelodie: „Da ist ja noch nix dran! Wer weiß, wofür man das noch gebrauchen kann?“

Biber, Batist, Frottee, Seasucker, Linon oder Jersey – für alle Lebens- und Gefühlslagen hält der Wäscheschrank sich in Bereitschaft. Ich werde müde in der Fülle aus Gekauftem, Abgelebtem und Geerbten. Wann stellte ich mir selber zuletzt die Frage, worin ich die Nacht verbringen möchte?

Aktueller Stand: ich habe mein Lieblingsmuster identifizieren können und das gibt es in einer Sommer- und Winter:Edition. Zur Sicherheit gibt es zwei Gäste:Bezüge. Zwei Kisten guter Bettwäsche sind verschenkt/gespendet. Mit viel Willenskraft gehe ich unbeeindruckt an den Kaufhaus:Regalen vorbei. Murmele mein Mantra: „ich habe genug“.

Mein Kreativ:Tipp ist: ein schönes Bettzeug habe ich in Streifen geschnitten und an die Enden des Sonnenschirms geknotet. Freundlich flattern sie im Sommerwind und erinneren mich daran, dass ich die Meisterin des Bettwäsche:Berges bin!

Haushalts:ZEN 5 – das neue Porto

Haushalts:ZEN das neue Porto

Wieso scheint mir eine Über:Frankierung als größtmögliche Verschwendung? Im Umkreis von 20 Kilometern sind keine 0,10€- Briefmarken zu kriegen. Meinen alten Zugang zur ePost habe ich vergessen. Doch heute soll der Geburtstagsbrief an D. raus! Male ich mir ein paar schöne 0,10€ Märkchen? Nehme ich die Unterfrankierung in Kauf?

Wie oft im Alltag verschwende ich Geld, weil ich nicht das preiswerteste Produkt suchen gehen. Wie egal ist mir der Preis, wenn wir gut essen gehen.

Doch beim Porto werde ich zur Krämerin und zum Cent:Fuchs. Wie albern!

Mit einem mutigen Frankierschritt habe ich nun drei Briefe halbwegs passend frankiert. Dieses Getue spare ich mir ab jetzt und für immer! Wir reden hier über o,10€ und nicht über eine reale Verschwendung. Wie sehr ich manchmal in Gewohnheiten und unüberprüften Glaubenssätze feststecke.

Heute keinen Gruß an die Dt. Post AG!

Haushalts:ZEN 3- der Garten

Die Sehnsucht nach einem blühenden, immergünen Paradies ist am Ende eines jeden Winters fast übermächtig. Kaum läßt es die Witterung zu, beginnen die Ideen und Einkäufe zu sprießen. Dieses Jahr habe ich vier wunderschöne Lavendel-Stauden gekauft. Sie fanden in überflüssig gewordenen Einweck:Gläsern ihren Platz. Dekoriert mit Stoff und Bändern.

Die vordergründige hübsche Anordnung läßt mich übersehen, dass das Wurzelwerk eingeengt ist. Daß das Gießwasser kaum einen Weg hinein findet.

Es tut mir leid, auf die ausgetrockneten Stauden zu sehen. Zwei sind bereits in die Biotonne versenkt.

Für die nächste Garten:Saison wünsche ich mir einen bewußteren Blick auf jede Pflanze. Sie soll bei mir wachsen und gedeihen. Sie soll Wurzel:Raum, Sonnen:Licht und Wasser genießen und aufnehmen können. Schluß mit den vordergründigen, dekorativen Entscheidungen, – in jeder Hinsicht.

Haushalts:ZEN 2 der Schreibtisch

Labsal ist es für mich, auf eine wohlig leere Schreib:Tisch:Ober:Fläche zu schauen. Die Betonung liegt auf dem Wort „Oberfläche“. Es ist seine Funktion, vergleichbar zu einer Werkbank oder einen Küchenanrichte, jederzeit bereit zu sein.

ZEN: eine freie Fläche entsteht erst, wenn das Unbearbeitete erledigt wird. Selten ist das alles zugleich oder in einem Rutsch herzustellen. Konzentriere mich auf die Fläche auf die Wirkung des Aufgeräumtseins. Die Schreibtisch:Fläche als tägliches Klärungs:Ritual zu leben, erschafft einen Ruhe:Raum, um durchzuatmen.

Haushalts:ZEN

Was ist Zen? Der Begriff „Zen“ leitet sich vom Sanskrit ab und bedeutet „Meditation“ oder „Versenkung“. Wir versuchen, im gegenwärtigen Augenblick präsent zu sein, sei es bei der Zen-Meditation in der Konzentration auf die Haltung und Atmung, sei es bei allen anderen Tätigkeiten des Alltags. Der Schüler fragte den Meister, was den Meister von ihm unterscheide. Der Zen-Meister entgegnete ihm: „Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich. Der Schüler erwiderte: „Aber das mache ich doch auch.“ Der Zen-Meister antwortete:“Wenn Du gehst, denkst Du ans Essen und wenn Du isst, dann denkst Du ans Schlafen. Wenn Du schlafen sollst, denkst Du an alles Mögliche. Das unterscheidet uns.“

Quelle: http://www.meditation-zen.org/de/meditation-stuttgart
Inmitten lauter Bäume geht ein Licht auf!

Seit einiger Zeit erlebe ich im Alltag, dass ich andere Haltungen einnehme oder andere Entscheidungen treffe, als bisher. Das Äußere spiegelt das Innere und umgekehrt. Beginne heute mit einer Suche nach meinen persönlichen Haushalts-ZEN-Momenten. Ob das wirklich mit ZEN zu tun hat, darf gewiss in Frage gestellt werden.

Bin geprägt in einer Zeit mit dem Merk:Satz, dass das Private politisch sei. Das empfinde ich weiterhin als vollkommen richtig. Die mutmaßliche Banalität, ob es einen neuen Receiver gibt, ist viel MEHR als es zunächst den Anschein hat.

vom-nicht-entscheiden

Eine von Paul Watzlawicks Grundthesen „man kann nicht nicht kommunizieren“ erweitere ich heute um den Aspekt „man kann nicht nicht entscheiden“.

Ein morgendlicher Gedankenblitz bringt mir diesen frischen Satz:

Man trifft immer eine Entscheidung. Auch die Entscheidung, sich nicht entscheiden zu können. Falsch ist die Annahme, dass es einen perfekten Moment gäbe, bei völliger Abwesenheit von Angst, an dem man „DIE richtige Entscheidung“ treffe könne.

Für einen Gedankenblitz ist es eine recht komplexe Sache, das gebe ich grinsend zu!

Was ich mit in den Tag nehme, ist, dass ständig Entscheidungen stattfinden und das es vorallem darum sich dreht, weiterzugehen.