24: die Hände aneinander legen

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 24

Die Hände still aneinander legen. Eine betende und beruhigende Geste in vielen Kulturen. Im Buddhismus steht die linke Hand für mich selber, die rechte Hand für das Gegenüber. Das bringe ich in der Geste zusammen. Es ist eine Geste des Respekts, vor mir selber und vor dem anderen. Es dient der Zusammenführung und Beschwichtigung.

Die Übung im Alltag liegt darin, immer mal wieder die Hände zusammenzulegen oder zu falten. Ich atme wie automatisch tief durch. Was für ein schönes Geschenk ist die Idee des heutigen Kapitels. Die gefalteten Hände aus ihrem üblichen Kontext des Betens herauszuholen. Eine bedeutsame Geste, die ich ab jetzt dem Moment hinzufüge, wenn ich die Morgenluft koste!

23: langsam atmen

…Haltung und Atmung regulieren, um den Geist zu regulieren

Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE, Kapitel 23

Allmählich habe ich genug von den Atmungs:Sachen! Ja, ich weiß, sie ist DER Beweis dafür, dass wir leben. Aber im Alltag die Atmung immer wieder in mein Bewusstsein zu nehmen, strengt an, nervt! Ich möchte so großartige Aufgaben lösen wie z.B. meine Schuhe schön nebeneinander zu stellen.

Gut, ich stelle mich dem Kapitel 23. Es ist der Dreiklang aus Haltung, Atmung und Geist. Ich richte mich auf. Ich verlangsame meine Atemzüge, tiefenentspannt auf 3-4 x in der Minute. Das ist echt wenig! Wenn ich an diesem Punkt angekommen bin, meine alltäglichen Widerstände niedergerungen habe, erhalte ich eine kleine Belohnung. So kann sich also Entspannung anfühlen! Wirklich sehr schön, sehr wertvoll. Bis das Telefon klingelt. Nein, heute ist bei mir kein Atmen:Tag. Ich merke mir nur bewusst: Haltung-Atmung-Geist. Es ist die zukünftige Eselsbrücke für dazwischen geschobene Mini:Entspannungs:Momente.

22: Loslassen und Umschalten lernen

… denn es gibt auch Überflüssiges, das notwendig ist.

Kapitel 22 ZEN YOUR LIFE von Shunmyo Masuno

Um einen buddhistischen Tempel oder Schrein zu betreten, geht man durch drei Tore. Drei Tore scheinen überflüssig.

Jede einfache Haustüre oder Zimmertüre ist ein Welten:Wechsel. Es ist ein Unterschied, ob ich die Küche betrete oder zum Haus hinaus gehe. Türen und Tore sind Schutz, sind Abgrenzung von unterschiedlichen Bereichen und symbolisieren einer Funktionswechsel/energetischen Wechsel.

Drei Tore/Türen hintereinander machen überdeutlich, dass man einen anderen Bereich betritt. Ich mag diese Symbolik sehr.

Meine Haustüre hat z.B. magische Anziehungskräfte!!! Gehe ich nach außen, liegt immer wieder etwas davor. Briefe und die Gemüsekiste, Zeitungen und Geschenke. Gehe ich hinein, freue ich mich direkt am Flurlicht und der entgegenströmenden Wärme. Manchmal riecht es nach leckerem Essen und Musik ist zu hören. Ich liebe meine Haustüre und mir reicht eine Türe!

„Geistige Tore“ zu errichten ist die Botschaft des heutigen Kapitels. Mir Zeit zu nehmen zwischen den Lebens:Bereichen, reale oder geistige Türen in Ruhe zu durchschreiten.

21: nicht über Dinge nachdenken, die sich nicht ändern lassen…

Oder: wie fühlt sich ein leichtes Herz an?

Kapitel 21, ZEN YOUR LIFE von Shunmyo Masuno

Herr Masuno räumt ein, dass es schwer ist, bei einer Sitz:Meditation an nichts zu denken. Richtig! Auch er kennt die Flut an Alltagsgedanken, die eineN in der ruhigen Sitzhaltung besuchen kommen.

Dennoch: es gibt genauso die Momente von „Abwesenheit“ und „Selbstvergessenheit“. Ohne ein schwafelndes Ego! Das kann der Augenblick sein, an dem alles Überflüssige aus dem Kopf verschwindet, das kann der Augenblick sein, an dem einer/einem das Herz leicht wird.

Ich erlebe dieses Gefühl auch beim ausgedehnten Spaziergang, bei einem vertraulichen Zwiegespräch mit einem mir wertvollen Menschen oder beim Kochen. Mir scheint es viel Mühe, das leichte Herz über Meditation zu erreichen, auch wenn ich gerne meditiere. Es macht mich unbeschwerter, dieses Gefühl auch über verschiedene andere Erlebnisse zu spüren. Das nimmt der Meditation  den Druck.

Der Titel des Kapitels bewegt mehr in mir. Es erinnert mich an das Gelassenheitsgebet des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr, dass er vermutlich vor oder während des zweiten Weltkrieges verfasste. Gerade jetzt ist eine gute Zeit, das Gebet nochmals genau wahrzunehmen, um auch während der Pandemie ein leichtes Herz zu spüren.

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Gott, gib mir die Gelassenheit, einen Tag nach dem anderen zu leben, einen Moment nach dem anderen zu genießen.

Gott, gib mir die Gelassenheit, Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren.

Gott, gib mir die Gelassenheit, anzunehmen, wie Jesus es tat: diese widersprüchliche Welt, wie sie ist und nicht, wie ich sie gern hätte.“

20: im Stehen meditieren

Kapitel 20, ZEN YOUR LIFE von Shunmyo Masuno

Klar, wenn man, wie in Japan mit Bus oder Bahn zur Arbeit und zurück fährt, lässt sich diese Zeit zum meditieren gut nutzen. Während meiner Ausbildung zur Mentaltrainerin habe ich mich gerne auf die Rückbank des Busses gesetzt und meine Armen und Beine „schwer“ werden lassen. Das war meine beste Trainingseinheit. Heutzutage ist mir die Zeit in Verkehrsmitteln viel zu unruhig und geschäftig, als das ich mich „versenken“ könnte.

Es geht im Kapitel 20 noch um einen weiteren Aspekt. Es tut uns gut, zwischen zuhause und Arbeitsplatz eine gewisse Weg- oder Zeitstrecke zu haben. Vom „Familien:Gesicht“ ins „Arbeits:Gesicht“ zu wechseln. Meinem Vater war die halbe Stunde Autofahrt zwischen den beiden wichtigsten Plätzen seines Lebens heilig. Genauso wie ich und viele andere Menschen gerne an einen weiter entfernten Ort fahren, um zu lernen, sich zu bilden. Hier liegt das Gute nicht nah. Die Weg- und Zeitstrecke ist nötig, um Abstand herzustellen zwischen sehr unterschiedlichen Lebenswelten. In mir bleibt der Gedanke hängen, Arbeitswege und Übergangszeiten zu nutzen, um meinen Geist ruhig und still werden zu lassen. Anstatt mich über den Zeit:Verlust aufzuregen.

19: im Sitzen meditieren

Kapitel 19, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

Ups, ohne die Sitzmeditation kann man gar nicht von ZEN sprechen, mit diesem Satz leitet Herr Masuno das Kapitel ein. ZEN bedeutet „ruhiges Nachdenken“. Die Grundannahme im Zen ist, dass wir Menschen uns in der Bewegung nicht konzentrieren können. In der Bewegung kämen wir nicht zu tieferen Einsichten, sondern würden uns eher den alltäglichen Fragen stellen.

Es fällt mir schwer, diesem Gedanken in meiner Realität zu folgen. Ich habe meine besten geistigen und mentalen Momente nach der Bewegung. Wie von Zauberhand fügen sich Aspekte nach einem Spaziergang in meinem Kopf zusammen.

Ich erkenne klar die positiven Effekte der sitzenden Meditation. Den Geist leeren, Gedanken kommen und gehen lassen, … atmen… und nicht den schmerzenden Rücken oder die tauben Füße in den Fokus zu stellen. Tja, das ist eine Seite.

Für mich klappt dieser Gedanken in der Praxis selten, ich liege z.B. gerne beim Meditieren und ich leere meinen Geist in der Bewegung. Der Untertitel des heutigen Kapitels lautet: „Menschen können nicht denken, während sie sich bewegen.“ Und genau das finde ich so toll! Das ist ein herrlicher Zustand für mich.

18: langsam ausatmen

Kapitel 18, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

Das japanische Wort für Atmung besteht aus den Zeichen “ausatmen” und “einatmen”. VOR dem Einatmen muss immer das Ausatmen kommen!

Menschen, die unter Wasser in Panik geraten, haben nicht das Problem der Einatmung, keine Luft mehr zu kriegen, sondern gravierender ist, dass sie nicht mehr ausatmen können. Die schlimmsten Verläufe der Corona-Erkrankung sollen sich anfühlen, wie zu ertrinken. Mir geht das sehr nahe.

Für gewöhnlich bin ich auf das Einatmen konzentriert. Und dann atme ich halt noch aus. Wenn ich gestresst und unruhig bin, amte ich tief ein, aber oft nur flach aus.

Heute denke ich darüber nach, wie es sich anfühlt, die Ausatmung zu verlangsamen, anstatt die Luft rauszupusten. Dem Loslassen Aufmerksamkeit zu schenken…

In der Meditation atme ich mal zuerst sachte aus. Die Einatmung folgt auf dem Fuße. Negative Gefühle ausatmen, frische Energie einatmen. In dieser Reihenfolge. Es wirkt wie eine Kleinigkeit, die Reihenfolge anders zu gewichten. Doch ich merke, dass mich der Beginn mit dem Ausatmen entspannt. Eine winzige Veränderung, die etwas bedeutet und berührt.

17: Barfuß gehen

Kapitel 17, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

Praktizierende ZEN-Mönchen & Nonnen tragen Sommer wie Winter einfache Kleidung und sie gehen das ganze Jahr barfuß. Das stimmt überein mit Pfarrer Kneipp und andere heilend wirkende Menschen. Wer barfuß geht, stärkt sein Immunsystem und wird seltener krank.

Meine Freundin Helen ging mit dem Tag ihrer Berentung barfuß, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Als Akt der Be:Freiung.

Herr Masuno empfiehlt Sandalen aus Stroh oder Holz. Die sog. Zeh:Pflock:Sandale, die es in vielen Kulturen gibt, berührt genau die Akupunktur:Punkte, die mit den inneren Organen und dem Gehirn verbunden sind. Ob da der Erfolg der Marke B…stock herkommt?

Tja, Füße, Schuhe und barfuß. Meine eigenen Füße sind vermutlich verzauberte Vögelchen, die in Freiheit leben möchten und die gar keine Schuhe mögen. 80% der Zeit gehe ich ohne Schuhe. Bin jedoch aufs Innigste verbunden mit meinen Wanderschuhen und Gummistiefeln. Genau die richtige Mischung für mich!

16: einen kleinen Garten auf dem Balkon anlegen

Kapitel 16 Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

Dazu müßte man einen Balkon oder sogar einen Garten haben! Es ist natürlich schön, wenn man in der Natur meditieren kann. Ein Baum, ein Stein, eine Wiese. Wer dazu keinen Zugang hat, kann sich auf dem Balkon die Natur en miniature nachbilden. Ob da wohl auch eine Zimmerpflanze reicht? Meditieren unterm Benjamini oder einem Bonsai?

Diese Tagesübung ist schön, doch wer kann sich einen solchen Platz erschaffen? Als Pragmatikerin sind meine Ideen: ein gutes Naturbild aufstellen/aufhängen, für frische Blumen in der Wohnung Sorge tragen, beim meditieren das Fenster geöffnet lassen.

Der Untertext der heutigen Übung weist in diese Richtung: „den Geist bilden, ganz gleich, wo man sich befindet.“ Ich sehe drei Aspekte in diesem Gedanken heute.

1. Meditieren, zur Ruhe sich sammeln geht überall.

2. sich einen „natürlichen“ Raum schaffen, mit den vorhandenen Möglichkeiten.

3. sich mit darum kümmern, dass die Natur, unsere gesamte Um:Welt zum meditieren einlädt.

15: die Wohnung einfach und ordentlich gestalten

Kapitel 15, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

In den wechelseiteigen Abhängigkeiten von Körper und Geist, können Gedanken, Ernährungsweise und Gefühle zur Ruhe und Klarheit führen.

Das gilt auch für die Räume, in denen wir leben. Einfachheit ist hier gleichbedeutend, sich von allem Überflüssigen zu trennen. Das, was übrigbleibt, darum kümmere ich mich gut.

Das ist ein großer Unterschied zu Ärmlichkeit, d.h. nicht der Einkaufswert der Dinge zählt, sondern meine persönliche Verbindung zu ihnen. Einfachheit wird nicht über die Anzahl der Gegensände errechnet. Ich verstehe das immer besser. Es ist nicht der äußere Minimalismus, eine Internet-Challenge, jeden Tag 3 Dinge wegzugeben.

Welche Dinge brauche ich, welche Dinge tun mir gut, zu welchen Dingen habe ich eine innige Beziehung? Einfachheit bedeutet, mit einer liebevollen Essenz zu leben und für die Dinge, die in meiner Verantwortung liegen, Sorge zu tragen.

Das ist ja nur der erste Kreis von vielen. Diese Klarheit übertrage ich auf Konsum, auf Politik, auf Natur usw.

Es ist nur der erste Kreis von vielen weiteren. Werfe ich einen Stein in den See, bleibt kein Kreis je alleine und unverbunden.