vom warten

Warte nie bis du Zeit hast

Warten ist existentiell, alltäglich und hoch emotional. Je häufiger ich Erfahrungen mit Unzuverlässigkeit/Mißerfolgen mache, desto weniger vertraue ich darauf, dass sich eine Situation zum Positiven für mich wendet. Je mehr Versprechungen gebrochen wurden/werden, je mehr Enttäuschungen ich erleb(t)e, desto schlechter kann ich warten. Und entwickle die Erwartung/die Angst, nie mehr aus der Situation herauszukommen. Warten bedeutet eine Unterbrechung  im Erleben von Zeit und dem Zeitfluss. Ungeduld entsteht. Vertieft durch die Haltung „Zeit ist Geld“. Wartezeit ist vergeudete Zeit. Ich spüre, wie sehr die Fähigkeit (ruhig) zu warten, mit Vertrauen zu tun hat.

warten… auf den Bus

warten… auf Besserung

warten… auf den Urlaub

warten auf das Grün der Ampel

warten… auf das Essen

warten…auf eine Antwort

warten…auf den download

warten… auf Sonnenschein

warten…auf eine Diagnose

warten… auf ein gutes Wort

warten…auf die Bestellung

warten…auf den Sommer

warten…auf den Kellner

warten… an der Kinokasse

In Afrika sagen die Menschen gerne: ihr Europäer habt die Uhr, wir haben die Zeit! Müßte ich mich heute entscheiden, nähme ich „die Zeit“, auch wenn ich manchmal vor Ungeduld platzen könnte. Nehme mir vor, das Warten mehr anzunehmen, um die dem Warten innewohnende Zeit nicht zu verplempern.Das gute Tun verträgt keine Eile.

Foto: Höhlenmalerei Lascaux, gemalt vor ca. 38.000 Jahren

8 Kommentare zu „vom warten

  1. Ich möchte nicht wissen, wieviel Zeit durch Ungeduld und Hektik verloren geht. Warten hilft mir manchmal mich zu besinnen. Besinnen auf das was zählt. Den Moment genießen.

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  2. Für mich wurde das Warten im Alltag entspannter mit einem simplen Kniff: Statt es als Störung zu begreifen, habe ich es als Teil des Tages akzeptiert. Wer einkaufen geht, zum Arzt, etc. wartet eben auch. Punkt. Kein Fehler, kein Ärger. Zumal ich beim Warten oft beste Ideen habe. Beim Warten auf Rückmeldungen des Liebsten, auf Antworten von Freund/innen, auf Feedback vom Kunden hilft mir ebenfalls ein Perspektivwechsel: wo ich warte, empfinden meine Gegenüber möglicherweise Erwartung-Druck. Also: Luft raus + entspannen. Ich kann auch schon mal den Telefonstecker ziehen, einfach, um mit dem Warten aufzuhören. Denn es bleibt wichtig, ich selbst zu bleiben, und nicht zum Warte-Zombie zu werden, egal, wie wichtig die Nachricht ist, die da kommt.

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  3. In unserer schnelllebigen Zeit habe ich mir angewöhnt, dem Warten mit Entspannung zu begegnen.
    Entspannt sieht man ohne viel Zutun die Dinge um uns herum viel gelassen. Wenn schon warten, dann bitte entspannt. Es ist ja doch nicht zu ändern.

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  4. Wartezeit ist vergeudet, solange sie nicht im Hintergrund, nebenher läuft, solange eins nicht währenddessen weitergeht, solange das Warten mehr als nur einen winzigen Raum im Herzen einnimmt. Dann lähmt es, wo eigentlich Bewegung sein sollte.

    „Ich spüre, wie sehr die Fähigkeit (ruhig) zu warten, mit Vertrauen zu tun hat.“
    Das kann ich unterschreiben. Mangelndes Vertrauen darin, dass es ein Morgen gibt, mangelndes Vertrauen in eine positive Zukunft – das lässt Warten schwer erträglich werden, weil die Furcht im Herzen wohnt, dass das, worauf eins wartete, später nicht mehr da ist.

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