Pandemie: für Maria

Maria ist nicht mehr jung, sozial hoch aktiv und es gewöhnt, alles alleine hinzukriegen. Ihre Familie lebt in Ländern, die eine Ausgangs:Sperre verhängt haben.

Maria leidet seit Februar an einer hartnäckigen, kräftezehrenden Erkältung.

Telefonisch biete ich ihr an, Besorgungen zu machen. Am Tonfall ihrer Antwort spüre ich, dass sie zutiefst hofft, dieses Angebot nicht annehmen zu müssen.

Ich kann sie verstehen. Von maximaler Eigenständigkeit in eine Hilfsbedürftigkeit zu rutschen ist … nur doof!

„Drohe“ ihr, sie während der Pandemie jede Woche anzurufen. Was auch meine normale, respektvolle Distanz:Wahrung völlig über den Haufen wirft.

Mir ist, als würden wir wie eine Baumrinde unfreiwillig abgeschält. Ohne die schützende Rinde zählt die Substanz des Holzes. Manche müssen nun Hilfe annehmen. Andere müssen Hilfe anbieten. Die bisherige Währung der Individualisierung ist zu wechseln in die Währung „spring über deine Schatten und finde deine neue Rolle in einer Krisen:Zeit!“

Pandemie: so fremd im neuen Kleid

Als trüge die Welt ein neues Kleid, Das zwickt und zwackt. Das kratzt und scheuert. Form und Material sind mir befremdlich.

Nichts passt mehr. Fühle mich darin fremd und eng. Hätte gerne mein gut eingetragenes Sommerkleid zurück.

Bemühe mich zu lernen, in dem steifen Kleidungs:Ungetüm zu gehen und zu sitzen.

Bemühe mich, nicht ans rennen oder tanzen zu denken.

Und doch, …fühle mich wie eine Marionette, die nach fremden Faden:Zug zu tanzen hat.

Atme tief durch, schüttle mich durch, zwänge mich ins neue Lebens:Kleid. Ich hab‘ es jetzt zu tragen. Wäre schön, wenn ich wüsste wie lange noch…

Pandemie: wohin mit dem Stress?

Heute ist so ein Tag, der mit Gereiztheit startet. Im Laufe der Stunden Genervtsein, Traurigkeit, Wut und Überdruss streift. Heute ist so ein Tag, an dem mentale Selbstkontrolle, Empathie und Höflichkeit nicht gelingen wollen.

Heute wäre so ein Tag, um zum Sport zu gehen, ins Kino und mit FreundINNEN ins Restaurant.

Stattdessen schmore ich im eigenen Saft und bin froh, wenn dieser Tag über Nacht in einen netteren Tag wechselt.

Pandemie: familiärer Abgleich

Ich bin kein typischer Familien:Mensch. Brauche keine sonntäglichen Familienessen oder will immer wissen, wo gerade alle sind.

Und doch bin ich in der digitalen Familien:Gruppe die Erste, die nach einem familiären Abgleich fragt.💔

Das ist eine für mich schöne Entwicklung. Noch haben wir das Glück, dass es keinen infizierten oder erkrankten Menschen in diesem großen, äusserst bewegungsfreudigem Kreis gibt. Danke.

Pandemie: Informations- Enthaltsamkeit

Zeitlebens kann ich nur ein bestimmtes Kontingent an Informationen aufnehmen. Aus dem einfachen Grund, dass ich einige Zeit benötige, Informationen rational und emotional zu bearbeiten.

Die pausenlose Präsenz des Themas der Pandemie in all‘ ihren weltweiten Verästelungen kann ich nicht gut aushalten oder verarbeiten.

Mein tägliches Info:Programm lautet, jeden Tag zwei ausführliche digitale Info:Blöcke. Gesprächs:Momente mit anderen Menschen zum Thema rationalisiere ich ebenfalls.

In den Zwischen:Zeit:Räumen übe ich mich in „VERSENKUNG“. Das zu tun, was ich gerade tue. Blumen gießen. Haare waschen. Mittagessen kochen.

Ausnahmen bestätigen die Regel.

Pandemie: kleine Geschenke erhalten die Gemeinschaft

Befülle den öffentlichen Bücherschrank in meinem Viertel mit kleinen Geschenken. Dinge, die ich bei mir zuhause als nicht mehr notwendig erachte, die aber schön und nützlich für einen anderen Menschen sind. Stelle mir dabei vor, wie jemand sich ein solches Geschenk nimmt und FREUDE empfindet. Als hätte jemand an ihn gedacht und mit Fürsorglichkeit bewegt. Es ist eine Zeit für gute Zeichen, da wir uns nicht mehr in die Arme nehmen können.

Pandemie: auf kleinem Raum

Sich zu bewegen ist ein mächtiges Mittel gegen Unruhe und Befürchtungen.

Von den äußeren Umständen sind wir zum Rückzug gezwungen. Auf kleinem Raum findet unser Leben stand. Das ist so. Das bringt offene Fragen und tiefe Unsicherheiten.

Wenn es denn schon so ist, kann ich gut sitzen oder weit gehen.

Selbstvergessen am Fenster sitzen und Luft:Löcher starren! Spazieren/wandern/walken, solange wir uns noch frei draußen bewegen dürfen!

Wer weiß, was der nächste Tag bringen wìrd? Möchte den mir zur Verfügung stehenden Raum ganz nutzen und einnehmen.