stress:less

Stelle mir die Frage, ob das Thema „Umgang mit Stress“ in den mittleren Lebensjahren eine andere Qualität hat?

Eine Studie dazu: ja, es gibt mehr Erfahrung im Umgang mit Stress, das ist der Pluspunkt. Es gibt eine Tendenz, dass die Empfindsamkeit gegenüber Stress im Alter zunimmt. Persönlichkeit, Charakter, situative Merkmale etc. bleiben immer individuell mitbestimmende Faktoren. Beachtenswert ist die Dauer von Stress.

Lege ich diese Gedanken als Blau:Pause über meine derzeitige Situation, komme ich zu einem Ergebnis. Zu lange währen die Belastungen, die nicht in meiner Hand liegen. Das „zu lange“ ohne Besserung zermürbt und die bisher gültigen, tragfähigen Entspannungswege greifen nicht mehr.

Stress:less (= weniger Stress) ist noch nicht in Sicht. In einer Woche um diese Zeit sitze ich mit Sicherheit wenig gestresst im Zug, Coffee to go, Zeitschrift und Sonnenstrahlen und interessante Menschen im Abteil! Genauso wird es kommen!


Mehr Stress im Alter? von Dr. Miriam Deppingps

Quelle: http://www.psychologie.uzh.ch/de/bereiche/dev/lifespan/erleben/berichte/stressimalter.html

Tägliche Stressoren sind Ereignisse, die man selbst als Herausforderung, Bedrohung oder potentiellen Verlust wahrnimmt. Solche Ereignisse sind beispielweise angespannte Situationen in Beziehungen oder starke Belastung durch die Arbeit. Wir Menschen unterscheiden uns darin, wie stark sich unsere Stimmung an stressigen Tagen im Vergleich zu wenig stressigen Tagen verschlechtert. Dabei reagieren manche Personen stärker auf Stress und andere weniger. Handelt es sich um eine stabile Persönlichkeitseigenschaft, wie sensibel wir auf stressige Situationen reagieren? Oder werden wir mit dem Alter vielleicht sogar besser darin, mit stressigen Phasen und negativen Ereignissen umzugehen?

In einem Artikel stellen Martin Sliwinsky, David Almeida, Robert Stawski und Joshua Smyth Ergebnisse von zwei Studien dar, in denen Erwachsene wiederholt täglich über ihre Stimmung und ihre Stressbelastung befragt wurden. Durch eine so eng getaktete Befragung können Wissenschaftler herausfinden, wie stark die Stimmung von Personen durch stressige Ereignisse verschlechtert wird. Ob sich diese Eigenschaft zudem im Laufe des Lebens verändert, kann man feststellen, in dem man die gleichen Personen in grösseren Abständen wiederholt befragt.

Genau das haben die Forscher gemacht. In einer Studie haben sie Erwachsene in mittlerem Alter täglich zu Ihrer Stimmung und Belastung durch Stress befragt. Das ganze wurde dann nach 10 Jahren wiederholt. In einer zweiten Studie wurden Erwachsene mit durchschnittlich 80 Jahren alle 6 Monate für einen kurzen Zeitraum täglich befragt.

Die Analysen der Wissenschaftler ergaben, dass die durchschnittliche Reaktion auf Stress mit dem Alter zunimmt. Im hohen Alter scheint also die Empfindsamkeit gegenüber Stress zuzunehmen. Individuelle Besonderheiten darin, wie stark oder schwach Personen reagieren, bleiben stabil über die Zeit. Diese Stabilität wird im mittleren Erwachsenenalter besonders deutlich und nimmt im Alter ein wenig ab. Wie stark Personen auf negative Ereignisse reagieren, ist nicht nur einer Frage der Persönlichkeit. Die Autoren stellten zusätzlich fest, dass Menschen dann stärker auf negative Ereignisse reagieren, wenn sie bereits über einen gewissen Zeitraum belastet wurden.

Dieses Befundmuster verdeutlicht, dass man die anfangs gestellte Frage nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Wie stark wir vom Stress betroffen sind, hängt von einem Zusammenspiel zwischen der Person, der Situation und dem Alter ab.
Quelle: Sliwinski, Almeida, Smyth, & Stawski (2009). Intraindividual Change and Variability in Daily Stress Processes: Findings From Two Measuremenr-Burst Diary Studies. Psychology and Aging, 24, 828-840.




noch einmal!


„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen.“
Aristoteles

einmal ist nichl keinmal – keinmal ist nicht einmal

Heute beginnt die letzte Woche vor der Abreise in die Reha. Erinnert an diese besondere Zeitwahrnehmung vor Weihnachten oder vor Urlauben. Der Moment, ab dem alles nur noch einmal geschieht. Noch einmal Montag! Noch einmal das leckere, selbst gekochte Essen! Noch einmal mit dem Hund durchs Viertel! Noch einmal umarmen! Noch einmal alle Unterlagen überprüfen.

Plötzlich ist es dann „keinmal mehr“ und ich werde im sehr, sehr frühen Zug sitzen, der mich ins Allgäu bringen wird. Und alles wird zu einem neuen „ein:malig“.

himmel:farb:ton

In einem Museum im fernen französischen Hinterland gab es eine Ausstellung. Orte und Namen sind mir längst entfallen. Eine Kunst:Arbeit rührte jedoch tief. Ein Maler malt den Himmel. Tag und Tag. Auf Schieferplatten, die im verfallenen Nachbarhaus zur Genüge herum liegen. Steht man vor den „Farben des Himmels“ ist der erste Eindruck: „wie unrealistisch ist das denn!“

Indem man verweilt, sich Tafel um Tafel zu Gemüte führt, beginnen sich Erinnerungsbilder zu formen. Ja, ein kalter Herbstabend kann rosa sein, der Sommerhimmel an meinem Geburtstag ist vom knalligsten Blau, das die Welt kennt.

Mich rührt die Idee. Mich rührt das Material. Mich rührt das „tagumtag“. Mich rührt es, in den Himmel zu schauen und seine Farbigkeiten zu ergründen und festzuhalten. Mich rührt heute am meisten, dass der Himmel immer da ist.

selbst:kritik


Ein häufiger Irrtum gerade der besten Menschen liegt darin, allzu viel über ihre eigenen Fehler zu brüten und sie auf diese Art zu stärken. Es genügt, wenn ein Fehler erkannt wird… Wer ein Übel erkennt, hat es schon halb geheilt.
Prentice Mulford (1834 – 1891), US-amerikanischer Journalist, Erzieher, Goldgräber und Warenhausbesitzer

Mir will es heute so scheinen, als hätte ich nicht die geringste Ahnung, wo meine Überlastungsgrenzen liegen. Vielleicht, weil sie viel niedriger sind, als ich sie gerne hätte. Vielleicht, weil ich nicht so heldinnenhaft-glorreich bin, wie ich gerne wäre. Vielleicht, weil ich nie gelernt habe, MEINE ganz eigenen Grenzen fühlen und verteidigen zu können.

Selbst:Kritik von der guten Sorte wäre, heute Pause zu machen und hin und wieder hineinzufühlen, was wäre, wenn ich schwächer/ verletzlicher wäre und beginnen würde, dementsprechend zu leben…

ein:halt


Halt geben können uns in erster Linie jene, die viel von uns halten.
© Ernst Ferstl (*1955), österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker
Quelle: Ferstl, Zwischenrufe, 2000

HALT ist ein ungewöhnlich vielseitiges Wort, über das ich in diesen „verHALTenen“ Tagen nachdenke. HALT als Anweisung zum „inneHALTen“, einander HALT geben in überfordernden Tagen.

DurchHALTeparolen bekommen wir gratis und täglich. HALTende Worte, Umarmungen und Hilfsangebote ebenso. Danke dafür.

AusHALTen scheint die Option der Stunde, ebenso wie durchHALTen und standHALTen. Alles klingt verHALTEN. Unter VorbeHALT werden wir von unserem LebensinHALT und unserem HausHALT gehalten.

dinge:stille

Heute wäre hier Stille und Rückzug angesagt. In Wirklichkeit sind wir beschäftigt und unterwegs: Ärzte, Apotheke, Versicherung, AnwaltIN suchen, Vorbesprechung OP, Vorbereitung REHA, … all´das mit „drei“ Armen und vielen Tränen. Danke an all´die besonderen Menschen, die Anteil nehmen und gute Worte zu verschenken haben. Ein Extra-Dankeschön an Helga für das köstliche Fingerfood.

von Hunden und ihren Leuten

Ein bäriges Zauberknäuel im Alter von 10 Wochen lag vor ca. 14 Jahren auf meinem Schoss. Und damit die Liebe. Jahrein, jahraus sind wir durch dick und dünn gegangen und haben manchen Ärger bewerkstelligt.

Vor ca. drei Jahren werden das inzwischen groß und alt gewordene Zauberknäuel und ich von drei freilaufenden deutschen Doggen überwältigt. In diesem Durcheinander gehe ich schnell verletzt zu Boden. Als ich das Zauberknäuel aufheulen höre, brülle ich vom Boden aus so energisch, dass einer der großen Hunde innehält. Um die Bühne frei zu machen für die Besitzerin und ihren Satz: „Die tun normalerweise nichts.“ Tja, unter einem schwarzen Hund liegend, während die zwei anderen des Rudels mein Zauberkäuel in die Mangel nehmen, – ich dachte, dass wir beide nicht heil aus der Situation herauskommen werden.

Das hat mich traumatisiert. Um dem Zauberknäuel Sicherheit zu geben, strenge ich mich fürchterlich an, lache und animiere zu Abenteuern und neuen Hunde-Freundschaften.

Das geht gut, bis gestern. Eine unserer Hunderunden-Stammstrecken, alles normal und vertraut. Völlig unerwartet springt ein nicht gesicherter belgischer Schäferhund aus einem Kastenwagen und ist in Sekundenschnelle an der Kehle vom Zauberknäuel. Und das Entsetzliche für mich ist: ich kann nur schreiend querfeldein laufen. Ich kann sie nicht verteidigen.

Zu meinem Glück sind andere dabei. Mein Mann fällt in dem Gefecht hin und bricht sich Elle und Speiche. Ich werde von einer Spaziergängerin „eingefangen“ und zurückgebracht.

So sind wir drei nun zuhause, Zauberknäuel ist unbeschadet, bloß verwirrt vom Durcheinander der vertrauten Abläufe. Ich kann nur weinen und der Ehemann hat einen dicken Gips um den Arm und muss operiert werden. Was nun? Ich konnte nicht für meine Liebsten da sein, … weil das erste Trauma direkt unter der Haut lag und mich quer durch einen Wald davon trieb.

Wie kann ich weiter auf schöne Hunderunden gehen? Wie kann ich meinen Liebsten Schutz gewährleisten? Heute habe ich darauf keine Antwort. Und noch viel weniger habe ich eine Antwort auf die Fahrlässigkeit von Anderen.



ein kinder:spiel

ich fahre in die Reha und nehme mit: viele farbige Blusen.

ich fahre in die Reha und nehme farbige Blusen und eine ansehnliche Menge Papier (Bücher, Zeitschriften, Briefpapier, Karten, Malblock usw.) mit.

ich fahre in die Reha und nehme mit: farbige Blusen, ansehnliche Menge Papier und eine Tischdecke für mein Klinikzimmer.

ich fahre in die Reha und nehme mit: Blusen, Papier, Tischdecke und meinen besten Füller.

ich fahre in die Reha und nehme mit: Blusen, Papier, Tischdecke, Füller und Schuhe für alle sportlichen Anlässe.

ich fahre in die Reha und nehme mit: Blusen, Papier, Tischdecke, Füller, Schuhe …

und mich.

vom gesunden

unerwartet lassen sich momentelang permafrost, torfmoore und granitgestein durchdringen. kontakt zu den seelen:bildern entsteht.

rasch den rahmen gerade rücken, die farben ausbessern und kraftvoll die eigene signatur hineinritzen.

solche verbindungszeiten heißen heilung.