16: einen kleinen Garten auf dem Balkon anlegen

Kapitel 16 Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

Dazu müßte man einen Balkon, oder sogar einen Garten haben! Es ist natürlich schön, wenn man in der Natur meditieren kann. Ein Baum, ein Stein, eine Wiese. Wer dazu keinen Zugang hat, kann sich auf dem Balkon die Natur en miniature nachbilden. Ob da wohl auch eine Zimmerpflanze reicht? Meditieren unterm Benjamini oder einem Bonsai?

Diese Tagesübung ist schön, doch wer kann sich einen solchen Platz erschaffen? Als Pragmatikerin sind meine Ideen: ein gutes Naturbild aufstellen/aufhängen, für frische Blumen in der Wohnung Sorge tragen, beim meditieren das Fenster geöffnet lassen.

Der Untertext der heutigen Übung weist in diese Richtung: „den Geist bilden, ganz gleich, wo man sich befindet.“ Ich sehe drei Aspekte in diesem Gedanken heute.

1. Meditieren, zur Ruhe sich sammeln geht überall.

2. sich einen „natürlichen“ Raum schaffen, mit den vorhandenen Möglichkeiten.

3. sich mit darum kümmern, dass die Natur, unsere gesamte Um:Welt zum meditieren einlädt.

15: die Wohnung einfach und ordentlich gestalten

Kapitel 15, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

In den wechelseiteigen Abhängigkeiten von Körper und Geist, können Gedanken, Ernährungsweise und Gefühle zur Ruhe und Klarheit führen.

Das gilt auch für die Räume, in denen wir leben. Einfachheit ist hier gleichbedeutend, sich von allem Überflüssigen zu trennen. Das, was übrigbleibt, darum kümmere ich mich gut.

Das ist ein großer Unterschied zu Ärmlichkeit, d.h. nicht der Einkaufswert der Dinge zählt, sondern meine persönliche Verbindung zu ihnen. Einfachheit wird nicht über die Anzahl der Gegensände errechnet. Ich verstehe das immer besser. Es ist nicht der äußere Minimalismus, eine Internet-Challenge, jeden Tag 3 Dinge wegzugeben.

Welche Dinge brauche ich, welche Dinge tun mir gut, zu welchen Dingen habe ich eine innige Beziehung? Einfachheit bedeutet, mit einer liebevollen Essenz zu leben und für die Dinge, die in meiner Verantwortung liegen, Sorge zu tragen.

Das ist ja nur der erste Kreis von vielen. Diese Klarheit übertrage ich auf Konsum, auf Politik, auf Natur usw.

Es ist nur der erste Kreis von vielen weiteren. Werfe ich einen Stein in den See, bleibt kein Kreis je alleine und unverbunden.

14: sich von Dingen trennen

… und die Essenz der Dinge ausschöpfen.

Kapitel 14, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

Herr Masuno erzählt von einem Steingarten in der Kyotoer Tempelanlage. Er ist nur aus Sand und Stein erbaut. Und doch meint man einen Gebirgsbach zu spüren.

Unsere Vorstellungskraft ist sehr mächtig. Sie braucht nicht viel. Selbst wenn ich nur eine einzige Sache hätte, könnte ich sie mit meiner Phantasie und der Kraft meiner Gedanken auf verschiedene Weisen einsetzen.

Das erinnert mich an den sprachlosen Gesichtsausdruck meiner Mutter, als ich in unserer sehr schlichten Ferienwohnung einmal eine Pfanne nutzte, um darin einen Apfelkuchen anzurühren und auch zu backen.

Hier ist mein Geist dicht an Herrn Masuno dran. Ich halte mich selten an die vorherbestimmte Benutzung eines Gegenstandes. Alles ist mehr, als es zu sein scheint, wenn ich die Dinge frei benutze. Dafür brauche ich nicht viel.

Zusammenfassung der erste 14 ZEN-Gedanken von Herrn Masuno. Das erste Kapitel umfaßt 30 Schritte, sich glücklich zu machen. Ich habe jeden Tag ein wenig geübt. Koste täglich die Morgenluft, grüße den Tag allerdings nicht lauthals. Hin und wieder stelle ich meine Schuhe liebevoll nebeneinander auf. Tee oder Café bedächtig zu trinken paßt gut in den Herbst, das fällt mir leicht. Der Schreibtisch wird weiterhin nur einmal in der Woche aufgeräumt. Ich schreibe viel mit der Hand und lege beim Essen selten die Stäbchen zur Seite! Manches gelingt, anderes paßt nicht. Im Ganzen gesehen bin ich auf eine eigentümliche Art glücklich mit den Übungen. Und voller Neugier, was der Weg von Kapitel 14 bis Kapitel 100 noch bereithält. Namasté.🙏

13: einen Lieblingsausspruch suchen

Kapitel 13, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

In den alten japanischen Häusern gab es eine Nische, genannt TOKONOMA. Dort hing eine Bildrolle, die etwas über die BewohnerINNEN des Hauses zu erzählen wusste. Man blickte oft dorthin, egal ob als BewohnerIN oder als Gast.

Nun fragt mich Herr Masuno, ob ich Freude daran hätte, auch eine Kalligraphie aufzuhängen. Ob im Flur oder im Wohnzimmer spiele keine Rolle. Es erinnert mich an die christlichen Bilder und Texte, oft Flure schmückend. Den Grundgedanken finde ich sehr schön. Aber ich weiß nicht, ob ich der Kalligraphie genug verbunden bin, um das Motto meines Lebens und meines Hauses damit auszudrücken. Denke, dass das künstlich hergestellt wäre. Ewas aus meiner eigenen Kultur, dass die Funktion eines TOKONOMA erfüllt, fällt mir hingegen direkt ein. Und es hängt sowieso bereits im Eingangsbereich des Hauses.

Dank des Tagesgedankens von Herr Masuno werde ich ab jetzt dieses Bild mit mehr Wohlgefallen, mit mehr Absicht betrachten. Es ist mehr als ein Bild, wenn ich das möchte. Eine TOKONOMA-Nische!

12: eine Gemüse-Kur ausprobieren

… oder warum hohe PriesterINNEN eine gute Haltung haben.

Kapitel 12, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

Mönche/Nonnen strahlen oft eine Schönheit aus, die auf ihre Art zu sitzen und zu stehen zurückzuführen ist. Bewusst und nach Ritualen zu leben hat ihre Körper geformt. Bei solchen Menschen ist das Innere mit dem Äußeren verbunden.

Unsere Nahrung ist nicht nur für den Körper da, sondern auch für den Geist und die Seele. Die buddhistische Ernährungsweise geht davon aus, dass Gemüse den Menschen beruhigt und dass Fleischessen den Kampfgeist stärkt.

Herr Masuno empfiehlt einen Tag in der Woche nur Gemüse zu essen. Das berührt mich, dass Gemüse zu mehr innerem Frieden führen kann und auch, dass ein Stück gutes Fleisch meine Kampfkraft stärken kann. Somit entscheide ich über den Speiseplan darüber, welche Energie ich stärken möchte.

Heute gibt es bei mir Endiviensalat, Pasta mit Waldpilzen und ein Pflaumencrumble, denn ich brauche einen ruhigen Tag. Das Steak liegt kampffreudig im Kühlschrank bereit!

11: nach jedem Bissen die Stäbchen beiseite legen

Kapitel 11, Shunmyo Masuno ZEN YOUR LIFE

In “fünf Betrachtungen” wird die richtige Art, eine ZEN-Mahlzeit zu sich zu nehmen, festgehalten.

1. ich denke an denjenigen, der/die das Essen zubereitet hat und bin dankbar.

2. ich esse bewusst und leise.

3. ich esse, ohne wählerisch zu sein, mit Ruhe und Zeit.

4. ich betrachte das Essen als eine Wohltat, die Körper und Geist gesund erhält.

5. ich falte die Hände, weil das Essen mir hilft, zu einem friedlichen Menschen zu werden.

Mahlzeiten sind nicht nur da, den Magen zu füllen, sondern sie sind ein wichtiger Teil des praktischen Trainings. Da möchte ich heute gar keine Bemerkungen aus meinem Erleben hinzufügen. Die Regeln sind makellos und zeitlos.

Mir fehlt kulturell jedoch die Geselligkeit. „6. genieße und teile dein Essen“ wäre mein zusätzlicher Beitrag!

10: Mahlzeiten nicht vernachlässigen

Kapitel 10 aus ZEN YOUR LIFE von Shunmyo Masuno

Das kann ich! Ohne Übung! Essen und Trinken mit ganzem Herzen. Eine Selbstläuferinnenübung für mich. Bei meiner Teilnahme an Schweige-Retreats war es bei den ersten zwei Mahlzeiten schwierig auszuhalten, mit dem Salat alleine zu sein. Doch wundersamerweise änderte sich das schnell. Eine Tasse Tee wurde mir zur Freundin. Keramik. Wärme. Duft. Trinken. Schlucken. Spüren. Manchmal ist das im Alltag wieder zu finden. Mit einem wohligen Seufzer auf dem Sofa zu sitzen, alles ist getan und die Tasse Tee in der Hand wärmt und verspricht Einkehr.

Im ZEN geht es noch weiter. Diejenigen Menschen zu würdigen, die die Tasse hergestellt haben, die Hände, die den Tee geerntet haben. Hunderte Menschen waren tätig, so dass ich diesen Moment genießen kann. Ich bin nicht alleine mit meiner Tasse Tee. Mein Leben ist bereichert durch andere Leben. Wenn ich mal wieder zu schnell das Gemüse schäle, atme ich durch und murmele vor mich hin: „Das hast du, Kohlrabi, nicht verdient, dass ich so rastlos schnibbele.“  Das hilft mir sofort. Während der Mahlzeiten halte ich es mit der französischen Esskultur: es wird ausschließlich über das Essen, die Produkte und die Zubereitung gesprochen. Niemals über Probleme oder die Arbeit.

Wünsche allen LeserINNEN bei ihrer nächsten Mahlzeit einen achtsamen, guten Appetit.

9: einmal laut sein

Kapitel 9 aus ZEN YOUR LIFE von Shunmyo Masuno

Wer seine Stimme aus dem Bauch holt, weckt sein Gehirn auf.

Ich sehe die Szenerie bereits vor mir. Es ist 5.37 Uhr. Ich stehe am offenen Fenster, um 2 Minuten nichts zu tun und die Morgenluft zu kosten. Sobald ich damit fertig bin, erhebe ich meine Stimme so laut ich kann: GUTEN MORGEN DU SCHÖNER TAG. ICH GRÜSSE DICH.

Wieder hat Herr Masuno recht, wenn ich meine Stimme erhebe, sie sogar tief aus dem Bauch heraus erschallen lasse, sind Körper und Geist und meine Nachbarschaft wach. Es ist lebendiger und wahrer, wenn etwas laut ausgesprochen wird, als nur im inneren Kämmerlein gedacht zu sein.

Nun, ich scheue ein wenig vor der Übung zurück,  gleichzeitig  lockt sie mich. Morgen werde ich mich und den Tag im Badezimmer, noch bei geschlossenem Fenster mit erhobener Stimme begrüßen. Nie hätte ich gedacht, das ZEN so lustig sein kann.

8: sorgsam schreiben

Dein wahres Selbst zeigt sich in Deiner Handschrift.

Shunmyo Masuno, Kapitel 8, ZEN YOUR LIFE

Seien Sie bitte so höflich, diese beiden Plätze sind reserviert für Menschen im Alter von 70 Jahren und älter.

Nicht ohne Grund gehören wohl die Kalligraphie und das Zeichnen zu den Aufgaben von ZEN-Mönchen/Nonnen. Es geht ihnen nicht darum, etwas für die Ewigkeit zu verfassen oder eitel die eigene Geschicklichkeit zu präsentieren.

Indem ich mit den Händen einen Stift oder Pinsel über das Papier gleiten lassen, stelle ich mich meinem eigenen Selbst gegenüber, kann es mit dem Pinselstrich berühren. Handschrift ist persönlich. Ein Bild ohne Ehrgeiz hergestellt, kann ein tiefes Symbol sein.

Digital geht natürlich schneller. Mandala-App, Diary und Handschriften-Typografien, – alles leicht erhältlich, leicht umsetzbar. Ohne Mühe. Es berührt jedoch nur einen kleinen Teil des Selbst.

Im spürenden Kontakt mit Papier, Wasserfarben oder Bleistift sind alle Sinne beteiligt. Ich sehe. Ich höre. Ich rieche. Ich schmecke. Ich spüre. Zu meinem Glück ist diese Übung in meinem Leben eine Selbstläuferin. Ich schreibe und kritzele jeden Tag. Wer das nicht tut, kann ja heute mal etwas sorgsam aufschreiben. Einkaufszettel, Postkarte oder Tagebuch. Wünsche Freude damit.

7: eine Tasse Kaffee mit Bedacht zubereiten

Wie bringe ich dem Kaffeevollautomat Achtsamkeit bei? In der aktuellen Kaffeewerbung heißt es: straight to the heart of coffee. Direkt ins Herz des Kaffees.

Passe diesen Nonsens in meinen heutigen Zen-Gedanken ein: straight to the heart of me. While drinking a pot of coffee. Ich verändere den Schwerpunkt, es geht nicht um den Café, sondern um mein Herz.

Herr Masuno hat ein anderes Gedanken:Spiel. Stell´Dir vor, Du bist in der Natur. Sammelst Feuerholz. Entzündest ein Feuer. Mahlst die Bohnen in einer handbetriebenen Cafémühle. Erhitzt einen Kessel Wasser. Brühst Dir alles frisch zusammen. Eine Inszenierung kurz vor einer der alten Zigarettenwerbungen!

ZEN weist mich darauf hin, jeden einzelnen Schritt bewusst zu erleben. Jede Bequemlichkeit, z.B. ein Cafévollautomat hat eine Kehrseite. Das Leben entsteht aus dem Zusammenspiel von Zeit und Mühe. Spart man sich Zeit und Mühe, spart man auch immer Lebensfreude. Wow! Das gefällt mir.

Es ist ja gleichgültig, welche Tätigkeit ich  mir ansehe, ich mache viel zu wenig mit An:Dacht, eher als ZackZack! Die Elektrifizierung und Digitalisierung macht das Leben verführerisch bequem, ich möchte auch auf keinen Fall meine Waschmaschine loswerden. Spüre ein ebenso verführerisches Aber. Werde mir gleich eine Tasse Café mit Bedacht zubereiten. Das ist wunderschön.

Shunmyo Masuno, Kapitel 7, ZEN YOUR LIFE